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Reisebericht der Schottland-/Irlandfahrt - Travelogue
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Submitted by: Lothar FritschUnited States
Website: Not Available
Submission Date: 11 February 2005

PAGE - 1 - Add your travelogue
von Lothar Fritsch
(fritsch@fsinfo.cs.uni-sb.de)
Nachdruck nur mit Genehmigung des Chronisten.
Version vom 19.1.1993
Tippfehler korrigiert 6.5.93

Folgender Text ist das Tagebuch eines Urlaubs in Schottland und Irland, der im Sommer 1992 stattfand. Wir, das sind Christian Blum, Claus Scherschel und ich, zogen mit Rucksack und Zelt los, lie_en das Auto in Inverness zur|ck und reisten nach Westschottland, |ber die Du_eren Hebriden, nach Ullapool und gen S|den nach Inverness zur|ck. Dann setzten wir nach Belfast |ber, und bereisten die irische Insel |ber Dublin, Galway, Donegal und Derry wieder nach Belfast.

In Schottland benutzten wir den Reisef|hrer 'Schottland' aus dem Velbinger-Verlag. Wenn im Text vom 'Velbinger' gesprochen wird, so ist dieses Buch gemeint. Desweiteren steht die Abk|rzung 'TI' f|r 'Tourist Information' und meint die Touristeninformationsb|ros in Schottland und Irland.

Wir reisten mit zwei 60-Liter und einem 70-Liter Expeditionsrucksdcken, dem Zelt 'Wind River 2' von Eureka (welches sich als recht sturmfest erwiesen hat und drei Leuten unserer Grv_e gerade eben so Platz bot). Mit dabei hatten wir eine grv_ere Menge Kleidung, Regenponchos, eine umfangreiche Apotheke, diverses Reparaturmaterial und jede Menge Instant-Food. Die Reise ging durch tolle Landschaften und abgelegene Winkel. Wir hatten viel Spa_, nur das Wetter und die schottischen M|cken kvnnen einem etwas stvren, doch Schottland ist halt nicht Spanien ... man kann diese Ecke Europas jedem, der nicht versessen ist auf Sonne und Strand, nur empfehlen.

Los geht's!



Sonntag, 16.8.92, 1.Tag

3:50 Hier sollte mein Wecker klingeln, tat es aber nicht oder ich habe ihn ausgekriegt, ohne dabei wach zu werden. Kein Wunder, wer kann vor gro_en Urlaubsfahrten schon vor 3:00 Uhr einschlafen, und dann um 4:00 Uhr wachwerden ...

4:15 Claus ist da und kriegt mich irgendwie wach. Ich dusche, bei_e noch in ein Brot und werfe meinen Kram ins Auto. Auf nach Heiligenwald, zu Christian. Drau_en ist es noch dunkel, aber die Morgenddmmerung k|ndigt sich un|bersehbar an.

4:45 Abfahrt in Heiligenwald in Richtung A8, Fahrt |ber Saarlouis, Merzig, Luxembourg, Lille (Belgien), Richtung Rotterdam. Die Autobahnen sind leer, keine Probleme, wir kommen schneller voran als geplant. Wir durchfahren Luxembourg City, dann |ber die endlose, eintvnige belgische Autobahn und schlie_lich |ber die schnurgerade, endlose, wirklich sehr eintvnige holldndische Autobahn.

10:45 Wir kommen in Hoek van Holland, dem Fdhrhafen, von dem wir abfahren werden, an. Unsere Fdhre hei_t 'Koningin Beatrice'. Wir fahren das Auto in den Laderaum und steigen hoch auf die Passagierdecks Die Fdhre ist recht gro_, bietet Restaurant, Cafi, Kneipen, Duty-Free-Shop, Spielcasino. Alles wird in Gulden bezahlt, Pfund mu_ man zu einem Wucherkurs umtauschen.

12:00 Die Fdhre legt ab. Claus und Christian sitzen eine ziemliche Weile bei zunehmender Kdlte und leichtem Regen auf dem Deck 'rum, wdhrend ich nach einem Erkundungsrundgang versuche, in einem der 'Ruhesdle' etwas zu schlafen. Leider sind die Sitze zu klein, die Lehnen im falschen Winkel und zuviele Kinder im Raum. Was soll's, die Fdhre ist halt nicht f|r 1.90m-Leute gebaut. Leider ist auch der Seegang nicht stark genug, da_ die \berfahrt auch nur einen Hauch von Abenteuer hdtte. Sechs Stunden und viele Kinderschreie spdter kommt Harwich in Sicht, unser Zielhafen. Das Wetter ist grau, aber es regnet nicht. Harwich liegt an der englischen Ostk|ste, ein St|ck nvrdlich von London.

19:00 Ankunft in Harwich/England. Wir stellen die Uhren um eine Stunde zur|ck, denn England liegt eine Zeitzone vor uns. Dann fahren wir los, nachdem wir am Zoll versehentlich an einer Autoschlange vorbei an den Schalter zum Verzollen von Waren fuhren und dort dann ohne Wartezeit durchkamen. Die Taktik merken wir uns f|r die Zukunft. Wir fahren gen Norden, und so gegen 22:00 wird es Zeit, einen Zeltplatz zu suchen, da wir nicht die Nacht durchfahren wollen. Wir verlassen die Schnellstra_e und fahren ein wenig um das Stddtchen Stamform und die dortige Freizeitanlage 'Ruthland Water' herum. Die gesamte Landschaft ist parzellenweise eingezdunt und stark landwirtschaftlich genutzt. Nach langer Suche parken wir auf einen abgemdhten Feld hinter einer Hecke und zelten an selbiger Stelle. Es ist die erste Nacht im Zelt, es regnet nicht, kein Sturm, auf dem weichen Acker liegt man sogar recht bequem.



Montag, 17.8.92, 2.Tag

7:15 Aufstehen, Zeltabbau. Zum ersten mal kdmpfen wir mit dem Schlafsack, um ihn davon zu |berzeugen, in seine H|lle zur|ckzukehren. Das Fr|hst|ck fdllt aus, das wollen wir spdter nachholen. Wir fahren zur|ck auf die Schnellstra_e und weiter gen Norden.

12:00 Wir halten bei Byrness, einem kleinen Ort fast genau auf der Grenze zwischen England und Schottland. Wir f|llen einen der Wasserkanister aus einem kleinen See (f|r alle Fdlle). Das Wasser des Sees ist hellbraun, und im Plastikkanister sieht man, dass die Farbe von winzigen Torfteilchen stammt, die im Wasser schweben. Hier mu_ unser einziges Thermometer verlorengegangen sein, jedenfalls war es spdter nicht zu finden. Die Landschaft ist schon recht h|gelig, aber es gibt hie und da noch Wald, und viel Weide. Irgendwie erinnert es etwas an den Schwarzwald. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, und nur ab und zu sehen wir ein paar Wolken.

14:00 Wir erreichen Edinburgh, fahren in die Stadt und parken am George Square, direkt am dlteren Teil der Universitdt von Edinburgh. Dann ziehen wir ein wenig durch die Stadt, vorbei am Schlo_, ins Stadtzentrum. Die Stadt macht einen hektischen Eindruck; dies kvnnte mvglicherweise am bevorstehenden 'Edinburgh Festival', DEM Kulturereignis in England, liegen. Die Stra_en sind voller Leute, hie und da treten ein paar K|nstler auf der Stra_e auf, dutzende kleiner Ldden f|r alles Mvgliche in jeder Stra_e. An jeder Ecke Hinweise auf Theaterst|cke, gespielt und musiziert wird in jedem freien Saal. Massenweise junge Leute, ob das wohl alles Studenten sind...? Irgendwann meldet sich der Hunger, und wir stehen gerade vor Burger King. Mangels irgend einer anderen Fre_bude in Sichtweite futtern wir Burger und Pommes, ein durchaus typisches Mahl, wie sich spdter zeigen sollte. Zur|ck an der Uni decken wir uns im 'Student's Union Shop' (sowas wie der Asta, nur professioneller) mit Schokolade und Keksen ein. Anschlie_end laufen wir so 2-3 Meilen aus dem Stadtzentrum raus zum technischen Campus, weil ich mir die Informatikabteilung anschauen will (die Saarbr|cker Informatik arbeitet in Sachen Auslandsstudium und Europadiplom mit Edinburgh zusammen). Ich laufe ein wenig im Infobau 'rum , da es aber schon nach 16:00 ist, ist kaum noch jemand da au_er ein paar Hackern. Ich spreche jemanden an, der zufdllig der Operator der Informatik-Rechner ist, und unterhalte mich eine Weile mit ihm. Er f|hrt mich noch durchs Gebdude und vermacht mir seine Studienordnung f|r unsere Fachschaft. Dann fdllt Claus ein, da_ der Parkplatz mit unserem Auto um 18:00 dichtmacht. Es ist 17:40. Claus und Chris wetzen los, um das Auto zu holen. Ich schicke noch eine Urlaubs-Gru_-Mail gen Heimat und verabschiede mich dann.

18:30 Wir verlassen Edinburgh |ber den Firth of Forth (auf dem Mike Oldfield wenige Tage spdter mit einer Performance 'Tubular Bells II' vorstellte) und lvhnen erst mal Br|ckenzoll. Dies ist eine beliebte Methode, den Unterhalt f|r die gro_en Br|cken zusammenzubekommen. Man mu_ etwa 70 pence bezahlen, wenn man |ber die Br|cke fdhrt. Am Tag d|rften dies einige tausend Fahrzeuge tun.

Dann geht's weiter mit Volldampf Richtung Inverness auf direktem Weg durch die Grampian Mountains. Jetzt werden die Highlands zum erstenmal richtig schvn h|gelig, und die Farben der Highlands erstrahlen in der untergehenden Sonne: das Lila des Heidekrauts, sowie die gr|n-gelbe Farbe der Moorgrdser. Wir fahren durch schvne Landschaften mit Fl|ssen und Seen bis in die Ddmmerung. Es gibt kaum Bdume oder Strducher, die Landschaft erscheint uns seltsam kahl.

Es sind noch weniger als zwanzig Meilen bis Inverness, aber wir beschlie_en, hier irgendwo zu campen. Wir finden einen Campingplatz in 'Boat of Garten', einem Vrtchen etwas abseits der Hauptstra_e. \bernachten mit drei Leuten und einem Zelt kostet sieben Pfund. Es stehen schon einige Zelte und Wohnmobile auf dem Platz, teilweise mit Fahrrddern davor. Wir kochen noch Abendessen (Suppe aus unserem schier unendlichen Vorrat an Instant-Suppen und Nudeln mit Instant-So_e), und gehen gegen 22:30 schlafen. Die Nacht ist sternenklar und saukalt, es war wohl die kdlteste Nacht, die wir wdhrend der Fahrt hatten.



Dienstag, 18.8.92, 3.Tag

7:15 Mit Aufstehen, Duschen und Fr|hst|ck machen fdngt der Tag an. Wir genie_en zum ersten Mal M|sli mit Milchpulver. In den beiden Zelten gegen|ber sind drei Deutsche, die mit ihren Mountain-Bikes unterwegs sind. Wir unterhalten uns eine Weile mit ihnen und erfahren, da_ sie f|r rund 450 DM mitsamt Fahrrad nach Edinburgh (und spdter auch wieder zur|ck) per Flugzeug gekommen sind. Dann bauen wir das Zelt ab, waschen Geschirr, packen, und fahren um 10:00 weiter gen Inverness.

10:20 Wir fahren durch Inverness in Richtung Loch Ness. Wir wollen erst den See sehen, bevor wir uns in die Stadt st|rzen, zumal wir noch nicht so genau wissen, was wir tun werden. Wir haben vor, per Zug nach Kyle of Lochalsh zu fahren, und dann zu Fu_ die Insel Skye unsicher zu machen, und irgendwann durch ein grv_eres, unbewohntes Gebiet um Loch Maree zu laufen, aber genauere Gedanken haben wir uns noch keine gemacht. Inverness macht keinen besonders schvnen Eindruck, eine Industriestadt mit Geschdftskern. Wir fahren so 20-30 Kilometer am Loch Ness entlang, sehen das Urquart Castle, fahren am offiziellen Monster-Museum vorbei. Massenweise junge Leute mit Rucksdcken laufen die Stra_e entlang, und jede Menge Busse mit Monsterjdgern stehen auf den Parkpldtzen. Gegen 11:30 finden wir eine flache Uferstelle und gehen bei rund sechs Grad Wassertemperatur schwimmen. Christian hdlt's nicht lange aus, Claus und ich bleiben drin, bis wir ordentlich durchgefroren sind. Nessie lie_ sich nicht blicken. Leider hatte Chris Schwierigkeiten mit seiner Kamera und stellte erst viel spdter beim 39. Bild fest, da_ der Film nicht transportiert wurde, und so haben wir kaum Fotos von Loch Ness.

12:30 R|ckfahrt nach Inverness. Wir stellen das Auto in einem Parkhaus ab und schauen uns im Stadtkern um. Beim TI holen wir uns ein paar Informationen. Zum Mittagessen gibt's 'Chicken Matras', eine Art Curry-Reis mit ein paar H|hnerfetzen. Um den Geschmack loszuwerden, werfen wir bei McDonald's noch ein paar Burger nach. Anschlie_end versuchen wir beim TI und der Polizei rauszukriegen, wo wir das Auto f|r die ndchsten zwei Wochen lassen kvnnen.

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