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Reisebericht der Schottland-/Irlandfahrt - Travelogue

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Submitted by: Lothar Fritsch United States
Website: Not Available
Submission Date: 11 February 2005

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Wir lesen Zeitung, schreiben Tagebuch, futtern Kekse.

21:00 Es regnet noch immer. Claus und ich ziehen einen Graben vor das Zelt, der das zentimeterhoch auf dem Gras stehende Wasser Richtung See abflie_en ld_t.
22:00 Wir kochen Honigmilch, und Chris versucht, sich mit seinem Messer zu rasieren, was aber mi_lingt.
23:00 Wir legen uns schlafen, drau_en regnet's noch immer. Der Wind hat gedreht und weht jetzt vom See in unsere Richtung.



Freitag, 28.8.92, 13.Tag

9:00 Aufstehen. Es nieselt ein wenig, ein paar M|cken schwirren 'rum. Wir gehen den Hang 'runter, wo der Bach einen Wasserfall hinabst|rzt, und machen ein paar Fotos. Das Fr|hst|ck lassen wir ausfallen.

9:45 Abmarsch, weiter den Rovertrack entlang. Es fdngt bald an zu regnen. Weil gestern die Klamottem unter den Ponchos so na_geschwitzt waren (und sie immer noch feucht sind), ziehen wir die Ponchos nicht an. Es geht eine Weile am Flu_ entlang, dann verlassen wir den Rovertrack, |berqueren einen Flu_, und sind wieder auf einem verschlammten, |berschwemmten Pfad unterwegs. Ab und zu ist im Geldnde ein Steinhaufen aufgeschichtet, an dem man erkennen kann, da_ man noch dem Pfad und keinem Wasserlauf folgt. Rechts von uns mu_ sich das An Teallach-Massiv auft|rmen. Doch leider hdngen schon am ersten Hang die Wolken, und statt Fernsicht sehen wir nur von Windbven gejagten Regen. Trotzdem hat die Landschaft etwas reizvolles, so zwischen H|geln und auf steinigen Kdmmen, mit gelegentlich |ber den Weg laufenden Bdchen. Es kommen uns insgesamt sechs Leute entgegen, allesamt deutschsprachig, wie wir erst spdter erfahren. Sie gingen die Tour, wie sie im Reisef|hrer vorgeschlagen ist, in S|d-Nord-Richtung, wir gehen sie in Gegenrichtung. Chris rutscht aus und landet bduchlings im Schlamm. Wenigstens war er schon vorher na_. Es kommt ein scharfer, kalter Wind auf, die Finger frieren steif. Allmdhlich wird es wirklich etwas unangenehm in der nassen Kleidung.

Ein paar Schlammfelder weiter fdllt das Geldnde steil ab, und wir steigen neben einem tosenden Bach in einem Einschnitt in ein weites, von steil emprorragenden Bergen umgebenes Tal mit zwei Fl|ssen, die zur rechten Hand in einen See m|nden, ab. Am Fu_ des Berges, von dem wir kommen, finden wir auch planmd_ig die Shenavall-H|tte. Die Landschaft ist in der Hauptsache mit Heidekraut bewachsen, entlang eines Bachlaufs stehen Binsen, unten an den Fl|ssen stehen einige mickrige Stechginster-B|sche, um die H|tte stehen zwei Bdume, unten am Flu_ noch einige mehr. Etwas weiter abwdrts sind einige Steinmauern, vermutlich waren dies mal Stallungen.

12:00 Wir erreichen die Shenavall-H|tte. Hierbei handelt es sich um eine Schutzh|tte f|r Bergwanderer, die die British Mountain Association erbaut hat. Das recht gro_e Steingebdude hat sieben Rdume in zwei Stockwerken, zwei offene Kamine und ein paar Sitzgelegenheiten. Sie kann von jedem benutzt werden, der vorbeikommt und einen Schlafplatz braucht. Wir gehen rein und treffen einen Erlanger Medizinstudenten an, der ebenfalls mit Velbinger-Reisef|hrer unterwegs ist. Als erstes spannen wir eine Schur durch einen der Rdume und werden unsere nassen Sachen los. Dann nehmen wir einen Raum im oberen Stockwerk in Beschlag und packen erst mal den Kocher aus und machen hei_en Tee und hei_e Suppe und futtern M|sli. In der H|tte finden sich ein paar H|ttenb|cher, in denen Reisende ein paar Worte hinterlassen haben. Nach Studium der B|cher steht fest: achtzig Prozent der Besucher sind Deutsche, fast alle mit Velbinger-Reisef|hrer. Wir erkldren die H|tte sogleich zum Franz-Rappel-Fanclub (Autor des Reisef|hrers, der unter anderm folgendes |ber diese Route schreibt: 'Die folgenden Trips gehvren zu den abenteuerlichsten in ganz Schottland! Wanderungen, die durch das grv_te menschenleere Gebiet von Gro_britannien f|hren, - vorbei an einsamen Glens, quer durch die Wildnis durch ein einsame Moore. Weit und breit keine Spuren von Zivilisation, Herden von Hirschen schauen einem verdutzt nach, und Wildbdche m|ssen durch H|pfen von Stein zu Stein |berquert werden, - wdhrend oben die Adler ihre Kreise ziehen...'). Leider ist das Brennholz alle, und bis auf ein paar junger Bdume an den Fl|ssen und zweier Ebereschen vor der H|tte ist nichts in Sicht. Eine Notiz in der H|tte sagt, im Tal zwischen beiden Fl|ssen kvnne man Holz finden. Das ist aber zu weit weg, au_erdem regnet es und die Fl|sse haben Hochwasser. Ich entdecke, da_ sich an meinem Wanderstiefel die Sohle lvst. Zum Gl|ck hat Chris in Ullapool einen Spezialkleber f|r sowas gekauft, weil ein St|ck von seiner Sohle abgerissen ist. Ich klebe die Sohle an und verschn|re den Schuh mangels Schraubstock mit einer ganzen Rolle Paketschnur. Hoffentlich hdlt's bis morgen, sonst geht die Wanderung in Halbschuhen weiter.

15:00 Der Regen hvrt auf. Claus und der Erlanger laufen das Tal runter Richtung See, ich ziehe mir meine kurze Hose und die Badesandalen an und stapfe durch die voll Wasser stehenden Moorwiesen flu_aufwdrts, um Holz zu suchen. Ich entdecke einige B|sche Kr|ppelwacholder mit trockenen Dsten. Dann kehre ich zur H|tte zur|ck. Als Claus zur|ck ist, sdgen wir noch mit der Sdge aus der H|tte einige tote Dste aus der Eberesche, und gehen dann noch ein paar Kr|ppelwacholder und trockene Heidekrautst|mpfe sammeln. Gegen Abend kommen Rehe. Es sind nur eine Handvoll, aber sie trauen sich ungewvhnlich nahe an uns ran, so bis auf f|nf Meter. Man hdtte sie mit dem Klappspaten erlegen kvnnen. Mit der einsetzenden Ddmmerung kommen zwei Schotten, die das Wochende zum Hill-Walking nutzen wollen, und richten sich in einem Zimmer ein. Doch damit nicht genug, als ndchstes kommt eine Gruppe von sieben Bergsteigern und verteilt sich in der H|tte. Gegen 23:00 sind wir 17 Leute in der H|tte, und au_er den vier Deutschen alles Schotten! Drau_en im Dunkeln stehen die Rehe dutzendweise und grasen. Wohin man auch leuchtet, es leuchten Augen zur|ck. Drinnen machen wir Feuer im Kamin, unterhalten uns mit ein paar der Schotten, futtern Kekse und trinken Scotch, den die Schotten mitgebracht haben. Um Mitternacht ist es sternenklar, man kann die Milchstra_e sehen. So gegen 1:00 morgens gehen wir schlafen, diesmal nicht im Zelt, sondern in der H|tte - welch Feeling!



Samstag, 29.8.92, 14.Tag

8:00 Die anderen H|ttenbewohner werden aktiv. Im Nebenzimmer werden Schinken und W|rste gebraten. Das rei_t uns aus dem Schlaf. Wir stehen auf, sp|len, kochen Milch f|r M|sli und machen Kaffee. Es nieselt ein wenig, und die Sonne schaut ab und zu durch die Wolken. Der Erlanger steht auch auf und macht sich Fr|hst|ck.
10:15 Die Schotten sind alle weg, unterwegs ins An Teallach-Massiv. Der Erlanger packt seine Sachen und will auch weg in Richtung Dundonell. Gegen 11:00 marschiert er los. Wir hdngen noch ein paar feuchte Sachen in den Wind. Ziel des Tages ist die Carnmore-H|tte im ndchsten Tal, acht bis zehn Kilometer entfernt mit |ber 500 Metern Hvhenunterschied. Eigentlich Schade, denn in Shenavall hdtte man ein paar Tage bleiben m|ssen, um auf die umliegenden Berge zu steigen und die Landschaft zu genie_en. Aber die Vorrdte sind begrenzt, und wir haben f|r die gesamte Tour nur f|nf Tage bei der Polizei gemeldet.
Ich schn|re meinen Schuh auseinander, und siehe da, die Sohle sitzt etwas schief, aber sie hdlt. Sie hielt auch die ndchsten zwei Wochen ohne Probleme.

Mittlerweile regnet es nicht mehr, die Sonne schaut ab und zu 'raus, und der Wind ist nicht mehr allzu stark. Wir packen unsere Sachen zusammen, rdumen in der H|tte etwas auf, machen unseren Eintrag ins H|ttenbuch und verlassen Shenavall gegen 13:00.

Erstes Ziel ist die Jagdh|tte auf der anderen Seite des Tals, jenseits der beiden Fl|sse. Letztere haben etwas Hochwasser, mit Stein-zu-Stein-H|pfen kommt man nicht r|ber. Aber damit hatten wir eh gerechnet und sind in Shorts, T-Shirt und Badesandalen losgelaufen. Es folgen etwa sechs (6!) Flu_durchquerungen durch teilweise mehr als knietiefes Wasser bei ganz beachtlicher Strvmung und sumpfigen Ufern, weil wir alle Mdander erwischen und diese auf der Karte nicht so genau eingezeichnet sind. Trotzdem geht keiner baden. Um uns rum glotzen uns ein paar verwilderte K|he dumm an. Nach |ber einer Stunde sind wir dr|ben, aber immer noch ist die Wiese ein einziges, von K|hen zertrampeltes Schlammloch. Erst ein gutes St|ck flu_aufwdrts finden wir den Pfad wieder. Inzwischen haben wir festes Schuhwerk angelegt, und endlich wird der Pfad mit brauchbarem Tempo begehbar. Wir laufen in einen Taleinschnitt, dann weg vom Flu_. Nun beginnt ein steiler, anstrengender Aufstieg auf rund 530 Meter Hvhe. Wir sehen noch einen Adler, der Blick zur|ck aus mehreren hundert Metern Hvhe offenbart ein Bergpanorama mit herrlicher Kulisse. Neben uns ragt ein 700 Meter hoher Felsen in die Hvhe. Wir machen mehrere kurze Verschnaufpausen, dann haben wir die maximale Hvhe erreicht. Oben ist es relativ flach, auf dem Pfad steht hier und da das Wasser und Schlamm. Auf dem Plateau gibt es ein paar kleine Seen, sonst ist es recht flach und langweilig. Gegen 17:00 erreichen wir einen See mit Sandstrand und machen dort kurz Pause. Dies war ein taktischer Fehler, wir k|hlen in unseren kurzen Kleidern schnell aus. Vor dem Abstieg ins ndchste Tal ziehen wir die langen Sachen an, und Claus ersetzt einen gerissenen Schn|rsenkel. Kurz hinter dem See fdllt der Weg neben einem Bach steil den Hang ab und offenbart einen fantastischen Blick auf Dubh Loch und Fionn Loch (welche nur durch einen Damm getrennt sind) und die sie einschlie_enden, steilen Berge mit ihren unzdhligen kleinen Bdchen. Und dies aus |ber 400 Metern Hvhe!

Beim weiteren Abstieg erspdhen wir noch drei Steinbvcke, die mi_trauisch in unsere Richtung schauen. Im weiteren Verlauf kann man das Tal entlang sehen und kann mehrere Gebirgsketten und Seen in Richtung Westen erkennen. Dann kommt auch das Dach der Carnmore-H|tte in Sicht. Die vermeintliche H|tte entpuppt sich als nobles Jagdhaus, und die Schutzh|tte ist ein paar hundert Meter weiter, ein ehemaliger Stall, aber immerhin Steinwdnde, ein neues Dach und T|ren.

18:00 Wir betreten die Carnmore-H|tte. Drinnen sind zwei Karlsruher Studentinnen, Maya und Uli (Physik und Meteorologie), die heute in zehn Stunden aus Kinlochewe gekommen und um 4:00 aufgestanden sind. Der Boden ist etwas staubig und uneben, aber hier ld_t es sich aushalten. Die beiden Mddels haben auch einen Velbinger dabei. Wir packen den Kocher aus, machen Tee, kochen Reis und So_e, verdr|cken ein paar S|_igkeiten und unterhalten uns. Wir legen noch die Bodenfolie unseres Zeltes aus, damit die Schlafsdcke nicht verstauben, gegen 22:30 legen wir uns schlafen. Die Mddchen wollen recht fr|h weiterlaufen, wir werden den Morgen wie immer locker angehen. Die Nacht ist klar und kalt, am fr|hen Morgen weckt mich der auf's Dach prasselnde Regen kurz auf.



Sonntag, 30.8.92, 15.Tag

8:00 Wir stehen auf. Die Mddchen sind schon krdftig am Packen und wollen zeitig los. Zum Fr|hst|ck gibt's Kaffee und M|sli. Gegen 9:00 sind Uli und Maya mit Einpacken fertig, verabschieden sich und ziehen los in den Regen Richtung Shenavall. Wir w|nschen ihnen angesichts des Regens noch viel Gl|ck bei den Flu_|berquerungen.

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