Uns wird empfohlen, es auf den bewachten Parkplatz am Bahnhof zu stellen. Wir tdtigen noch ein paar Einkdufe, unter anderem ein paar Postkarten, um die Familien wissen zu lassen, da_ wir zumindest lebend in Schottland angekommen sind. Dann parken wir das Auto auf dem Bahnhofsparkplatz und siehe da, die Parkgeb|hren betragen 2.50 Pfund pro Tag. Wir haben keine Wahl, parken, packen die Rucksdcke, verriegeln die Karre und gehen zum Bahnhof, wo wir f|r 12.00 Pfund die Tickets f|r den 18:30-Zug nach 'Kyle of Lochalsh' an der Westk|ste kaufen.
19:25 Der Zug fdhrt ab, knapp eine Stunde zu spdt. Bei rund drei Stunden Fahrzeit werden wir also in totaler Dunkelheit in Kyle ankommen, wo es laut Reisef|hrer keinen Campingplatz gibt. Der Zug ist voll junger Leute, offensichtlich alles Touristen. Vom Zuhvren schdtze ich: Deutschland, Spanien, England, Amerika und Frankreich sind die Heimatldnder. Die Zugfahrt geht durch atemberaubende Landschaft, den nvrdlichen Teil des Glen Affric. Highland-H|gel, moorige Tdler, kaum Zivilisationsspuren, einfach phantastische Landschaft, und die Schienen gehen mittendurch. Die gr|n-gelb bewachsenen H|gel, dazwischen die Tdler, durch die sich Fl|sse mit dunklem Wasser ziehen, meterdicke Torfschichten und kaum grv_ere Vegetation geben einem das Gef|hl, auf einem anderen Planeten zu sein. Abgesichts des sehr feuchten Bodens, der voller T|mpel, Wasserldufe und Morast ist, gebe ich den Gedanken auf, zu Fu_ querfeldein von Kyle nach Torridon zu wandern.
Gegen Ende der Fahrt ist es leider schon etwas dunkel, und wir sehen leider nur noch die Silhouetten der Berge um die Bucht von Kyle. Der Zug kommt um 21:30 an, entprechend flott kam uns die Fahrt auch vor. Wir rasten im Tiefflug |ber holprige Schienen und es rumpelte dabei schon fast bedngstigend.
21:30 In Kyle of Lochalsh |berlegen wir, wo wir die Nacht verbringen. Der winzige Ort liegt am Hang direkt am Meer, dahinter steigen die H|gel auf, im Dunklen ld_t sich kein geeigneter Platz zum Campen ausmachen. Wir beschlie_en, mit den anderen Leuten die Fdhre r|ber zur Insel Skye zu nehmen, bevor sie f|r heute den Betrieb einstellt. Die Fdhre ist f|r Fu_gdnger kostenlos und verbindet die Innere-Hebriden-Insel Skye ueber 200-300 Meter Meer mit dem Festland. Dr|ben angekommen laufen wir in den Ort Kyleakin, um festzustellen, da_ die ganzen Leute in die Jugendherberge gehen, die total |berbelegt ist. Nach einem Moment des Gr|belns laufen wir los, die Stra_e entlang ins Inselinnere, und nach ein paar Kilometern bietet sich in einem Weg, der links von der Stra_e abgeht, die Mvglichkeit, am Ende eines Feldwegs das Zelt aufzuschlagen. Der Boden ist recht feucht, und im Gras stehen einige Pf|tzen, aber der Platz ist von der Stra_e aus nicht zu sehen und abgelegen genug. Wir schlagen das Zelt auf, und merken, da_ der Boden nicht nur feucht, sondern auch steinhart ist. Dann legen wir den Boden der Apsis mit ein paar gro_en Steinen aus und gehen so gegen 22:30 schlafen. Unsere erste Nacht in der Wildnis. Der Boden ist steinig und irgendwelche Steine unter der Isomatte traktieren meinen H|ftknochen.
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8:30 Wir stehen auf. Es hat in der Nacht geregnet und gest|rmt, der Boden ist etwas matschig. Wir machen die erste Bekanntschaft mit den gef|rchteten schottischen M|cken: kleine Biester, die zu Millionen das Zelt umschwirren und auf allem sitzen, was ungewohnt aussieht, auf Rucksack, Zelt, ...
Wir marschieren nach Kyleakin zur|ck und setzen nach Kyle of Lochalsh |ber, um im Ort zu fr|hst|cken (Brot, Honig und M|sli), und ich kaufe eine Detailkarte von S|d-Skye und besorge Busfahrpldne im TI. Christian findet seinen Rucksack viel zu schwer, er und Claus beschlie_en, ein Paket zu kaufen und ein paar Klamotten gen Heimat zu schicken. Ich lege meine zweite kurze Hose dazu, weil ich den Eindruck habe, da_ ich sie nicht brauchen werde. Das Paket kostet 15 Pfund Porto, wir packen die Rucksdcke nochmal um und setzen wieder |ber nach Kyleakin, wo um 13:30 der Bus in Richtung Broadford fdhrt.
Von dort aus wollen wir erst ein St|ck der Stra_e entlang und dann einem Rovertrack ins Geldnde bis nach Luib folgen. Gegen 15:30 |berquert der Weg einen Bach und ein Wasserfall ist in Sichtweite. Wir machen dort Pause, laufen den Bach ein St|ck hoch, lassen die F|_e ins Wasser hdngen. Gegen 16:30 geht's weiter, rauf auf eine H|gelkette, keine Hduser mehr im Blickfeld, daf|r aber die typische Moorlandschaft, diesmal mit steilen, schroffen H|geln, die schon recht felsig sind. Nach einer Weile kommt ein See ins Blickfeld, das Zeichen daf|r, da_ wir nun bald Luib erreichen werden. Der Weg wird noch einmal richtig na_, und das, obwohl es tags|ber noch nicht geregnet hat. So gegen 18:00 erreichen wir Luib, wo es laut Detailkarte einen Campingplatz geben soll. Nach einer Umrundung des F|nf-Hduser-Nestes und einer Ortsbesichtigung sind wir sicher, da_ an der Stelle, an der der Campingplatz sein soll, ein Zaun und ein Misthaufen stehen. Wir fragen einen Anwohner, und er meint, der Fehler wdre seit Jahren auf den Karten. Wir haben keine Lust, wieder in die H|gel zu laufen und in der recht feuchten Landschaft zu zelten, und zum Gl|ck soll gegen 21:00 noch ein Bus in Richtung Portree fahren. Wir lassen uns auf einer Schotterfldche nieder und kochen Abendessen, Reis und So_e. Wdhrenddessen kommen dauernd Tornados der Royal Air Force zwischen den H|geln 'rausgeflogen, in max. 50 Metern Hvhe direkt |ber unseren Kvpfen. Spdter lesen wir in der Zeitung, da_ sich aus Schottland die Beschwerden |ber zu tief fliegende Militdrmaschinen hdufen und deshalb Flughvhenmessungen ohne Vorank|ndigung durchgef|hrt werden sollen (na also - Radarkontrollen f|r Tiefflieger).
Nach dem Essen laufen wir noch ein bi_chen am steinigen Strand rum, und dann kommt der Bus um 21:05. Wir fahren in die Ddmmerung und erreichen nach einer halben Stunde Portree. Die Stra_e dahin wurde zum Teil mitten durch den Fels gesprengt.
Dort haben nur noch die Polizei und die Kneipe offen, ich frage bei der Polizei nach dem Campingplatz und bekomme einen fertigen Plan in die Hand gedr|ckt. Zum Gl|ck, denn wdren wir der Wegbeschreibung im Reisef|hrer gefolgt, wdren wir in die falsche Richtung aus dem Ort 'rausgegangen. Der Campingplatz liegt ein bis zwei Kilometer au_erhalb in Richung Staffin auf dem ndchsten H|gel. Der Platz ist recht voll. Wir bauen das Zelt auf, futtern noch was und legen uns schlafen. In der Nacht regnet es etwas, und ein paar Windbven sch|tteln das Zelt.
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Donnerstag, 20.8.92, 5.Tag
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8:00 Wir stehen auf, duschen, fr|hst|cken, unterhalten uns mit einem Holldnder, der sein Zelt neben uns stehen hat, und haben nicht die geringste Idee, was wir heute tun sollen.
11:00 Wir haben komplett gepackt und gr|beln immer noch, was wir tun wollen. Der Himmel hdngt voll Wolken, es ist recht windig. Wir laufen in den Ort zur|ck und schauen uns um. Im TI suche ich ein paar Informationen zusammen und entwickle den Plan, von Sligachan (welches nur aus einem Hotel und einem Campingplatz besteht) nach S|den durch die Cuillin Mountains nach Elgol, quer durch die Insel an die S|dk|ste zu wandern. Wir planen f|r die knapp zwanzig Kilometer das gesamte Wochenende ein, weil erst montags in Elgol wieder ein Postbus fdhrt. Der ndchste Bus Richtung Sligachan fdhrt aber erst um halb vier, so gehen wir noch in eine Bar und genie_en ein Barmeal; ganz genie_bar, man wird sogar satt. Drau_en bricht inzwischen der Regen los. Ich kaufe noch eine Zeitung, und dann warten wir auf den Bus. Auch hier treffen wir jede Menge Deutsche an der Bushaltestelle, eine Gruppe Italiener, und drei Spanierinnen aus Barcelona, mit denen ich mich im Bus bis Sligachan unterhalte. Der Bus fdhrt p|nktlich und ld_t uns dann in Sligachan planmd_ig im Regen stehen.
16:40 Wir haben in Sturm und Regen das Zelt aufgebaut und eingerdumt. Jetzt, wo wir richtig na_ sind, hvrt der Regen auf. Wir besteigen noch den H|gel hinterm Campingplatz (welcher aus einer schlammingen Wiese und einem Toilettengebdude besteht) und schauen uns die Landschaft an. Im S|den kann man schon einige der Cuillin Mountains sehen. Sehr dramatisch.
19:00 Die M|cken werden wach. Es sind zwar nicht so arg viele, aber sie nerven. Und am BW-M|ckenschutz stvren sie sich wenig. Wir machen Essen (Suppen) und unterhalten uns mit einem Paar aus Brandenburg (oder war's Mecklenburg?). In der Zeitung kann man was von Krawallen in Rostock und von 29 Grad Celsius in Frankfurt lesen. Nicht |bel, verglichen mit den 14-17 Grad Celcius hier. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen.
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8:00 Aufstehen. Die M|cken sind auch schon da, etwas hartndckiger als am Vorabend. Wir waschen ab, knabbern ein paar Kekse, bauen das Zelt ab und marschieren um 10:00 los. Es regnet ein wenig, die vom Vortag feuchten Sachen f|hlen sich widerlich an.
Wir laufen los, in Ponchos geh|llt. Der Weg ist zundchst breit und recht gut, wird dann aber feucht, weil das Wasser aus dem gesdttigten Boden auf dem Pfad abflie_t. Dann kommt noch eine Torfschicht dazu, fertig ist das Schlammbad. Um 11:00 machen wir ein paar Minuten Pause, dann geht's weiter. Kurz vor Mittag, nach \berquerung eines grv_eren Schlammfeldes, machen wir Mittagspause und kochen auf ein paar Felsen Nudeln. Sligachan ist au_er Sichtweite, und au_er ein paar vorbeiziehenden Wanderern sind wir allein. Hinter uns steigt ein felsiger H|gel empor, vor uns liegt ein weites Tal mit Flu_, baumlos wie alles in Schottland. Gegen|ber, auf der anderen Talseite, steigen wieder die Berge empor, von denen dutzende kleine Bdche st|rzen. Als Krvnung des Tages kommt auch noch die Sonne 'raus, und die Niederschldge hvren auf. Um 13:15 geht's weiter. Wir treffen eine junge Amerikanerin, die in Paris arbeitet, und als Tagestour ein St|ck ins Geldnde und wieder zur|ck lduft. Bei einer Pause kosten wir zum erstenmal das torfbraune Wasser aus einem Bach. Es schmeckt nicht mal schlecht. In den Highlands soll man fast |berall, wo gerade keine Schafe stehen, das Wasser noch trinken kvnnen.
Gegen 16:00 erreichen wir Loch na Criitheach, Ziel unserer Tour. Im Geldnde schafft man rund drei Kilometer pro Stunde. Der kleine See liegt in einem Tal, an einer Seite ragen die Berge steil vom Seeufer empor, an der anderen f|hrt der Pfad vorbei, dahinter steigen die H|gel an. Am Ende des Sees gibt es einen Kiesstrand mit Grasstreifen, daneben liegt ein angekettetes Boot. Wir stellen das Zelt halb aufs Gras, halb auf den Kies, rund 6 Meter vom Wasser weg. Die Sonne scheint, Claus und ich schwimmen ein wenig im See, Chris ld_t immerhin die F|_e ins Wasser hdngen. Wir futtern noch M|sli, legen die nassen Sachen im warmen Kies aus, faulenzen rum und liegen in der Sonne. Das sollte sich bitter rdchen ... Um 19:00 entdecken uns die M|cken. Sie m|ssen in dieser Ecke schon lange nichts mehr zu fressen bekommen haben. Es sind Abermillionen; man sieht fast nichts vor lauter Viechern, und unser ganzer Kram liegt noch am Strand verstreut. Wir werfen die Isomatten und Schlafsdcke ins Zelt, legen Steine auf die Sachen, die drau_engeblieben sind, wuchten die Rucksdcke und die Klamotten in die Apsis und verschwinden im Zelt. Schade um den schvnen Abend. |
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