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Reisebericht der Schottland-/Irlandfahrt

  • Submitted by: Lothar Fritsch
  • Submission Date: 11th Feb 2005



von Lothar Fritsch
(fritsch@fsinfo.cs.uni-sb.de)

Nachdruck nur mit Genehmigung des Chronisten.

Version vom 19.1.1993
Tippfehler korrigiert 6.5.93





Folgender Text ist das Tagebuch eines Urlaubs in Schottland und Irland, der im Sommer 1992 stattfand. Wir, das sind Christian Blum, Claus Scherschel und ich, zogen mit Rucksack und Zelt los, lie_en das Auto in Inverness zur|ck und reisten nach Westschottland, |ber die Du_eren Hebriden, nach Ullapool und gen S|den nach Inverness zur|ck. Dann setzten wir nach Belfast |ber, und bereisten die irische Insel |ber Dublin, Galway, Donegal und Derry wieder nach Belfast.

In Schottland benutzten wir den Reisef|hrer 'Schottland' aus dem Velbinger-Verlag. Wenn im Text vom 'Velbinger' gesprochen wird, so ist dieses Buch gemeint. Desweiteren steht die Abk|rzung 'TI' f|r 'Tourist Information' und meint die Touristeninformationsb|ros in Schottland und Irland.

Wir reisten mit zwei 60-Liter und einem 70-Liter Expeditionsrucksdcken, dem Zelt 'Wind River 2' von Eureka (welches sich als recht sturmfest erwiesen hat und drei Leuten unserer Grv_e gerade eben so Platz bot). Mit dabei hatten wir eine grv_ere Menge Kleidung, Regenponchos, eine umfangreiche Apotheke, diverses Reparaturmaterial und jede Menge Instant-Food. Die Reise ging durch tolle Landschaften und abgelegene Winkel. Wir hatten viel Spa_, nur das Wetter und die schottischen M|cken kvnnen einem etwas stvren, doch Schottland ist halt nicht Spanien ... man kann diese Ecke Europas jedem, der nicht versessen ist auf Sonne und Strand, nur empfehlen.

Los geht's!






Sonntag, 16.8.92, 1.Tag




3:50 Hier sollte mein Wecker klingeln, tat es aber nicht oder ich habe ihn ausgekriegt, ohne dabei wach zu werden. Kein Wunder, wer kann vor gro_en Urlaubsfahrten schon vor 3:00 Uhr einschlafen, und dann um 4:00 Uhr wachwerden ...
4:15 Claus ist da und kriegt mich irgendwie wach. Ich dusche, bei_e noch in ein Brot und werfe meinen Kram ins Auto. Auf nach Heiligenwald, zu Christian. Drau_en ist es noch dunkel, aber die Morgenddmmerung k|ndigt sich un|bersehbar an.
4:45 Abfahrt in Heiligenwald in Richtung A8, Fahrt |ber Saarlouis, Merzig, Luxembourg, Lille (Belgien), Richtung Rotterdam. Die Autobahnen sind leer, keine Probleme, wir kommen schneller voran als geplant. Wir durchfahren Luxembourg City, dann |ber die endlose, eintvnige belgische Autobahn und schlie_lich |ber die schnurgerade, endlose, wirklich sehr eintvnige holldndische Autobahn.
10:45 Wir kommen in Hoek van Holland, dem Fdhrhafen, von dem wir abfahren werden, an. Unsere Fdhre hei_t 'Koningin Beatrice'. Wir fahren das Auto in den Laderaum und steigen hoch auf die Passagierdecks Die Fdhre ist recht gro_, bietet Restaurant, Cafi, Kneipen, Duty-Free-Shop, Spielcasino. Alles wird in Gulden bezahlt, Pfund mu_ man zu einem Wucherkurs umtauschen.
12:00 Die Fdhre legt ab. Claus und Christian sitzen eine ziemliche Weile bei zunehmender Kdlte und leichtem Regen auf dem Deck 'rum, wdhrend ich nach einem Erkundungsrundgang versuche, in einem der 'Ruhesdle' etwas zu schlafen. Leider sind die Sitze zu klein, die Lehnen im falschen Winkel und zuviele Kinder im Raum. Was soll's, die Fdhre ist halt nicht f|r 1.90m-Leute gebaut. Leider ist auch der Seegang nicht stark genug, da_ die \berfahrt auch nur einen Hauch von Abenteuer hdtte. Sechs Stunden und viele Kinderschreie spdter kommt Harwich in Sicht, unser Zielhafen. Das Wetter ist grau, aber es regnet nicht. Harwich liegt an der englischen Ostk|ste, ein St|ck nvrdlich von London.
19:00 Ankunft in Harwich/England. Wir stellen die Uhren um eine Stunde zur|ck, denn England liegt eine Zeitzone vor uns. Dann fahren wir los, nachdem wir am Zoll versehentlich an einer Autoschlange vorbei an den Schalter zum Verzollen von Waren fuhren und dort dann ohne Wartezeit durchkamen. Die Taktik merken wir uns f|r die Zukunft. Wir fahren gen Norden, und so gegen 22:00 wird es Zeit, einen Zeltplatz zu suchen, da wir nicht die Nacht durchfahren wollen. Wir verlassen die Schnellstra_e und fahren ein wenig um das Stddtchen Stamform und die dortige Freizeitanlage 'Ruthland Water' herum. Die gesamte Landschaft ist parzellenweise eingezdunt und stark landwirtschaftlich genutzt. Nach langer Suche parken wir auf einen abgemdhten Feld hinter einer Hecke und zelten an selbiger Stelle. Es ist die erste Nacht im Zelt, es regnet nicht, kein Sturm, auf dem weichen Acker liegt man sogar recht bequem.





Montag, 17.8.92, 2.Tag




7:15 Aufstehen, Zeltabbau. Zum ersten mal kdmpfen wir mit dem Schlafsack, um ihn davon zu |berzeugen, in seine H|lle zur|ckzukehren. Das Fr|hst|ck fdllt aus, das wollen wir spdter nachholen. Wir fahren zur|ck auf die Schnellstra_e und weiter gen Norden.
12:00 Wir halten bei Byrness, einem kleinen Ort fast genau auf der Grenze zwischen England und Schottland. Wir f|llen einen der Wasserkanister aus einem kleinen See (f|r alle Fdlle). Das Wasser des Sees ist hellbraun, und im Plastikkanister sieht man, dass die Farbe von winzigen Torfteilchen stammt, die im Wasser schweben. Hier mu_ unser einziges Thermometer verlorengegangen sein, jedenfalls war es spdter nicht zu finden. Die Landschaft ist schon recht h|gelig, aber es gibt hie und da noch Wald, und viel Weide. Irgendwie erinnert es etwas an den Schwarzwald. Das Wetter ist gut, die Sonne scheint, und nur ab und zu sehen wir ein paar Wolken.
14:00 Wir erreichen Edinburgh, fahren in die Stadt und parken am George Square, direkt am dlteren Teil der Universitdt von Edinburgh. Dann ziehen wir ein wenig durch die Stadt, vorbei am Schlo_, ins Stadtzentrum. Die Stadt macht einen hektischen Eindruck; dies kvnnte mvglicherweise am bevorstehenden 'Edinburgh Festival', DEM Kulturereignis in England, liegen. Die Stra_en sind voller Leute, hie und da treten ein paar K|nstler auf der Stra_e auf, dutzende kleiner Ldden f|r alles Mvgliche in jeder Stra_e. An jeder Ecke Hinweise auf Theaterst|cke, gespielt und musiziert wird in jedem freien Saal. Massenweise junge Leute, ob das wohl alles Studenten sind...? Irgendwann meldet sich der Hunger, und wir stehen gerade vor Burger King. Mangels irgend einer anderen Fre_bude in Sichtweite futtern wir Burger und Pommes, ein durchaus typisches Mahl, wie sich spdter zeigen sollte. Zur|ck an der Uni decken wir uns im 'Student's Union Shop' (sowas wie der Asta, nur professioneller) mit Schokolade und Keksen ein. Anschlie_end laufen wir so 2-3 Meilen aus dem Stadtzentrum raus zum technischen Campus, weil ich mir die Informatikabteilung anschauen will (die Saarbr|cker Informatik arbeitet in Sachen Auslandsstudium und Europadiplom mit Edinburgh zusammen). Ich laufe ein wenig im Infobau 'rum , da es aber schon nach 16:00 ist, ist kaum noch jemand da au_er ein paar Hackern. Ich spreche jemanden an, der zufdllig der Operator der Informatik-Rechner ist, und unterhalte mich eine Weile mit ihm. Er f|hrt mich noch durchs Gebdude und vermacht mir seine Studienordnung f|r unsere Fachschaft. Dann fdllt Claus ein, da_ der Parkplatz mit unserem Auto um 18:00 dichtmacht. Es ist 17:40. Claus und Chris wetzen los, um das Auto zu holen. Ich schicke noch eine Urlaubs-Gru_-Mail gen Heimat und verabschiede mich dann.
18:30 Wir verlassen Edinburgh |ber den Firth of Forth (auf dem Mike Oldfield wenige Tage spdter mit einer Performance 'Tubular Bells II' vorstellte) und lvhnen erst mal Br|ckenzoll. Dies ist eine beliebte Methode, den Unterhalt f|r die gro_en Br|cken zusammenzubekommen. Man mu_ etwa 70 pence bezahlen, wenn man |ber die Br|cke fdhrt. Am Tag d|rften dies einige tausend Fahrzeuge tun.
Dann geht's weiter mit Volldampf Richtung Inverness auf direktem Weg durch die Grampian Mountains. Jetzt werden die Highlands zum erstenmal richtig schvn h|gelig, und die Farben der Highlands erstrahlen in der untergehenden Sonne: das Lila des Heidekrauts, sowie die gr|n-gelbe Farbe der Moorgrdser. Wir fahren durch schvne Landschaften mit Fl|ssen und Seen bis in die Ddmmerung. Es gibt kaum Bdume oder Strducher, die Landschaft erscheint uns seltsam kahl.

Es sind noch weniger als zwanzig Meilen bis Inverness, aber wir beschlie_en, hier irgendwo zu campen. Wir finden einen Campingplatz in 'Boat of Garten', einem Vrtchen etwas abseits der Hauptstra_e. \bernachten mit drei Leuten und einem Zelt kostet sieben Pfund. Es stehen schon einige Zelte und Wohnmobile auf dem Platz, teilweise mit Fahrrddern davor. Wir kochen noch Abendessen (Suppe aus unserem schier unendlichen Vorrat an Instant-Suppen und Nudeln mit Instant-So_e), und gehen gegen 22:30 schlafen. Die Nacht ist sternenklar und saukalt, es war wohl die kdlteste Nacht, die wir wdhrend der Fahrt hatten.






Dienstag, 18.8.92, 3.Tag




7:15 Mit Aufstehen, Duschen und Fr|hst|ck machen fdngt der Tag an. Wir genie_en zum ersten Mal M|sli mit Milchpulver. In den beiden Zelten gegen|ber sind drei Deutsche, die mit ihren Mountain-Bikes unterwegs sind. Wir unterhalten uns eine Weile mit ihnen und erfahren, da_ sie f|r rund 450 DM mitsamt Fahrrad nach Edinburgh (und spdter auch wieder zur|ck) per Flugzeug gekommen sind. Dann bauen wir das Zelt ab, waschen Geschirr, packen, und fahren um 10:00 weiter gen Inverness.
10:20 Wir fahren durch Inverness in Richtung Loch Ness. Wir wollen erst den See sehen, bevor wir uns in die Stadt st|rzen, zumal wir noch nicht so genau wissen, was wir tun werden. Wir haben vor, per Zug nach Kyle of Lochalsh zu fahren, und dann zu Fu_ die Insel Skye unsicher zu machen, und irgendwann durch ein grv_eres, unbewohntes Gebiet um Loch Maree zu laufen, aber genauere Gedanken haben wir uns noch keine gemacht. Inverness macht keinen besonders schvnen Eindruck, eine Industriestadt mit Geschdftskern. Wir fahren so 20-30 Kilometer am Loch Ness entlang, sehen das Urquart Castle, fahren am offiziellen Monster-Museum vorbei. Massenweise junge Leute mit Rucksdcken laufen die Stra_e entlang, und jede Menge Busse mit Monsterjdgern stehen auf den Parkpldtzen. Gegen 11:30 finden wir eine flache Uferstelle und gehen bei rund sechs Grad Wassertemperatur schwimmen. Christian hdlt's nicht lange aus, Claus und ich bleiben drin, bis wir ordentlich durchgefroren sind. Nessie lie_ sich nicht blicken. Leider hatte Chris Schwierigkeiten mit seiner Kamera und stellte erst viel spdter beim 39. Bild fest, da_ der Film nicht transportiert wurde, und so haben wir kaum Fotos von Loch Ness.
12:30 R|ckfahrt nach Inverness. Wir stellen das Auto in einem Parkhaus ab und schauen uns im Stadtkern um. Beim TI holen wir uns ein paar Informationen. Zum Mittagessen gibt's 'Chicken Matras', eine Art Curry-Reis mit ein paar H|hnerfetzen. Um den Geschmack loszuwerden, werfen wir bei McDonald's noch ein paar Burger nach. Anschlie_end versuchen wir beim TI und der Polizei rauszukriegen, wo wir das Auto f|r die ndchsten zwei Wochen lassen kvnnen. Uns wird empfohlen, es auf den bewachten Parkplatz am Bahnhof zu stellen. Wir tdtigen noch ein paar Einkdufe, unter anderem ein paar Postkarten, um die Familien wissen zu lassen, da_ wir zumindest lebend in Schottland angekommen sind. Dann parken wir das Auto auf dem Bahnhofsparkplatz und siehe da, die Parkgeb|hren betragen 2.50 Pfund pro Tag. Wir haben keine Wahl, parken, packen die Rucksdcke, verriegeln die Karre und gehen zum Bahnhof, wo wir f|r 12.00 Pfund die Tickets f|r den 18:30-Zug nach 'Kyle of Lochalsh' an der Westk|ste kaufen.
19:25 Der Zug fdhrt ab, knapp eine Stunde zu spdt. Bei rund drei Stunden Fahrzeit werden wir also in totaler Dunkelheit in Kyle ankommen, wo es laut Reisef|hrer keinen Campingplatz gibt. Der Zug ist voll junger Leute, offensichtlich alles Touristen. Vom Zuhvren schdtze ich: Deutschland, Spanien, England, Amerika und Frankreich sind die Heimatldnder. Die Zugfahrt geht durch atemberaubende Landschaft, den nvrdlichen Teil des Glen Affric. Highland-H|gel, moorige Tdler, kaum Zivilisationsspuren, einfach phantastische Landschaft, und die Schienen gehen mittendurch. Die gr|n-gelb bewachsenen H|gel, dazwischen die Tdler, durch die sich Fl|sse mit dunklem Wasser ziehen, meterdicke Torfschichten und kaum grv_ere Vegetation geben einem das Gef|hl, auf einem anderen Planeten zu sein. Abgesichts des sehr feuchten Bodens, der voller T|mpel, Wasserldufe und Morast ist, gebe ich den Gedanken auf, zu Fu_ querfeldein von Kyle nach Torridon zu wandern.
Gegen Ende der Fahrt ist es leider schon etwas dunkel, und wir sehen leider nur noch die Silhouetten der Berge um die Bucht von Kyle. Der Zug kommt um 21:30 an, entprechend flott kam uns die Fahrt auch vor. Wir rasten im Tiefflug |ber holprige Schienen und es rumpelte dabei schon fast bedngstigend.

21:30 In Kyle of Lochalsh |berlegen wir, wo wir die Nacht verbringen. Der winzige Ort liegt am Hang direkt am Meer, dahinter steigen die H|gel auf, im Dunklen ld_t sich kein geeigneter Platz zum Campen ausmachen. Wir beschlie_en, mit den anderen Leuten die Fdhre r|ber zur Insel Skye zu nehmen, bevor sie f|r heute den Betrieb einstellt. Die Fdhre ist f|r Fu_gdnger kostenlos und verbindet die Innere-Hebriden-Insel Skye ueber 200-300 Meter Meer mit dem Festland. Dr|ben angekommen laufen wir in den Ort Kyleakin, um festzustellen, da_ die ganzen Leute in die Jugendherberge gehen, die total |berbelegt ist. Nach einem Moment des Gr|belns laufen wir los, die Stra_e entlang ins Inselinnere, und nach ein paar Kilometern bietet sich in einem Weg, der links von der Stra_e abgeht, die Mvglichkeit, am Ende eines Feldwegs das Zelt aufzuschlagen. Der Boden ist recht feucht, und im Gras stehen einige Pf|tzen, aber der Platz ist von der Stra_e aus nicht zu sehen und abgelegen genug. Wir schlagen das Zelt auf, und merken, da_ der Boden nicht nur feucht, sondern auch steinhart ist. Dann legen wir den Boden der Apsis mit ein paar gro_en Steinen aus und gehen so gegen 22:30 schlafen. Unsere erste Nacht in der Wildnis. Der Boden ist steinig und irgendwelche Steine unter der Isomatte traktieren meinen H|ftknochen.





Mittwoch, 19.8.92, 4.Tag




8:30 Wir stehen auf. Es hat in der Nacht geregnet und gest|rmt, der Boden ist etwas matschig. Wir machen die erste Bekanntschaft mit den gef|rchteten schottischen M|cken: kleine Biester, die zu Millionen das Zelt umschwirren und auf allem sitzen, was ungewohnt aussieht, auf Rucksack, Zelt, ...
Wir marschieren nach Kyleakin zur|ck und setzen nach Kyle of Lochalsh |ber, um im Ort zu fr|hst|cken (Brot, Honig und M|sli), und ich kaufe eine Detailkarte von S|d-Skye und besorge Busfahrpldne im TI. Christian findet seinen Rucksack viel zu schwer, er und Claus beschlie_en, ein Paket zu kaufen und ein paar Klamotten gen Heimat zu schicken. Ich lege meine zweite kurze Hose dazu, weil ich den Eindruck habe, da_ ich sie nicht brauchen werde. Das Paket kostet 15 Pfund Porto, wir packen die Rucksdcke nochmal um und setzen wieder |ber nach Kyleakin, wo um 13:30 der Bus in Richtung Broadford fdhrt.

Von dort aus wollen wir erst ein St|ck der Stra_e entlang und dann einem Rovertrack ins Geldnde bis nach Luib folgen. Gegen 15:30 |berquert der Weg einen Bach und ein Wasserfall ist in Sichtweite. Wir machen dort Pause, laufen den Bach ein St|ck hoch, lassen die F|_e ins Wasser hdngen. Gegen 16:30 geht's weiter, rauf auf eine H|gelkette, keine Hduser mehr im Blickfeld, daf|r aber die typische Moorlandschaft, diesmal mit steilen, schroffen H|geln, die schon recht felsig sind. Nach einer Weile kommt ein See ins Blickfeld, das Zeichen daf|r, da_ wir nun bald Luib erreichen werden. Der Weg wird noch einmal richtig na_, und das, obwohl es tags|ber noch nicht geregnet hat. So gegen 18:00 erreichen wir Luib, wo es laut Detailkarte einen Campingplatz geben soll. Nach einer Umrundung des F|nf-Hduser-Nestes und einer Ortsbesichtigung sind wir sicher, da_ an der Stelle, an der der Campingplatz sein soll, ein Zaun und ein Misthaufen stehen. Wir fragen einen Anwohner, und er meint, der Fehler wdre seit Jahren auf den Karten. Wir haben keine Lust, wieder in die H|gel zu laufen und in der recht feuchten Landschaft zu zelten, und zum Gl|ck soll gegen 21:00 noch ein Bus in Richtung Portree fahren. Wir lassen uns auf einer Schotterfldche nieder und kochen Abendessen, Reis und So_e. Wdhrenddessen kommen dauernd Tornados der Royal Air Force zwischen den H|geln 'rausgeflogen, in max. 50 Metern Hvhe direkt |ber unseren Kvpfen. Spdter lesen wir in der Zeitung, da_ sich aus Schottland die Beschwerden |ber zu tief fliegende Militdrmaschinen hdufen und deshalb Flughvhenmessungen ohne Vorank|ndigung durchgef|hrt werden sollen (na also - Radarkontrollen f|r Tiefflieger).

Nach dem Essen laufen wir noch ein bi_chen am steinigen Strand rum, und dann kommt der Bus um 21:05. Wir fahren in die Ddmmerung und erreichen nach einer halben Stunde Portree. Die Stra_e dahin wurde zum Teil mitten durch den Fels gesprengt.

Dort haben nur noch die Polizei und die Kneipe offen, ich frage bei der Polizei nach dem Campingplatz und bekomme einen fertigen Plan in die Hand gedr|ckt. Zum Gl|ck, denn wdren wir der Wegbeschreibung im Reisef|hrer gefolgt, wdren wir in die falsche Richtung aus dem Ort 'rausgegangen. Der Campingplatz liegt ein bis zwei Kilometer au_erhalb in Richung Staffin auf dem ndchsten H|gel. Der Platz ist recht voll. Wir bauen das Zelt auf, futtern noch was und legen uns schlafen. In der Nacht regnet es etwas, und ein paar Windbven sch|tteln das Zelt.






Donnerstag, 20.8.92, 5.Tag




8:00 Wir stehen auf, duschen, fr|hst|cken, unterhalten uns mit einem Holldnder, der sein Zelt neben uns stehen hat, und haben nicht die geringste Idee, was wir heute tun sollen.
11:00 Wir haben komplett gepackt und gr|beln immer noch, was wir tun wollen. Der Himmel hdngt voll Wolken, es ist recht windig. Wir laufen in den Ort zur|ck und schauen uns um. Im TI suche ich ein paar Informationen zusammen und entwickle den Plan, von Sligachan (welches nur aus einem Hotel und einem Campingplatz besteht) nach S|den durch die Cuillin Mountains nach Elgol, quer durch die Insel an die S|dk|ste zu wandern. Wir planen f|r die knapp zwanzig Kilometer das gesamte Wochenende ein, weil erst montags in Elgol wieder ein Postbus fdhrt. Der ndchste Bus Richtung Sligachan fdhrt aber erst um halb vier, so gehen wir noch in eine Bar und genie_en ein Barmeal; ganz genie_bar, man wird sogar satt. Drau_en bricht inzwischen der Regen los. Ich kaufe noch eine Zeitung, und dann warten wir auf den Bus. Auch hier treffen wir jede Menge Deutsche an der Bushaltestelle, eine Gruppe Italiener, und drei Spanierinnen aus Barcelona, mit denen ich mich im Bus bis Sligachan unterhalte. Der Bus fdhrt p|nktlich und ld_t uns dann in Sligachan planmd_ig im Regen stehen.
16:40 Wir haben in Sturm und Regen das Zelt aufgebaut und eingerdumt. Jetzt, wo wir richtig na_ sind, hvrt der Regen auf. Wir besteigen noch den H|gel hinterm Campingplatz (welcher aus einer schlammingen Wiese und einem Toilettengebdude besteht) und schauen uns die Landschaft an. Im S|den kann man schon einige der Cuillin Mountains sehen. Sehr dramatisch.
19:00 Die M|cken werden wach. Es sind zwar nicht so arg viele, aber sie nerven. Und am BW-M|ckenschutz stvren sie sich wenig. Wir machen Essen (Suppen) und unterhalten uns mit einem Paar aus Brandenburg (oder war's Mecklenburg?). In der Zeitung kann man was von Krawallen in Rostock und von 29 Grad Celsius in Frankfurt lesen. Nicht |bel, verglichen mit den 14-17 Grad Celcius hier. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen.





Freitag, 21.8.92, 6.Tag




8:00 Aufstehen. Die M|cken sind auch schon da, etwas hartndckiger als am Vorabend. Wir waschen ab, knabbern ein paar Kekse, bauen das Zelt ab und marschieren um 10:00 los. Es regnet ein wenig, die vom Vortag feuchten Sachen f|hlen sich widerlich an.
Wir laufen los, in Ponchos geh|llt. Der Weg ist zundchst breit und recht gut, wird dann aber feucht, weil das Wasser aus dem gesdttigten Boden auf dem Pfad abflie_t. Dann kommt noch eine Torfschicht dazu, fertig ist das Schlammbad. Um 11:00 machen wir ein paar Minuten Pause, dann geht's weiter. Kurz vor Mittag, nach \berquerung eines grv_eren Schlammfeldes, machen wir Mittagspause und kochen auf ein paar Felsen Nudeln. Sligachan ist au_er Sichtweite, und au_er ein paar vorbeiziehenden Wanderern sind wir allein. Hinter uns steigt ein felsiger H|gel empor, vor uns liegt ein weites Tal mit Flu_, baumlos wie alles in Schottland. Gegen|ber, auf der anderen Talseite, steigen wieder die Berge empor, von denen dutzende kleine Bdche st|rzen. Als Krvnung des Tages kommt auch noch die Sonne 'raus, und die Niederschldge hvren auf. Um 13:15 geht's weiter. Wir treffen eine junge Amerikanerin, die in Paris arbeitet, und als Tagestour ein St|ck ins Geldnde und wieder zur|ck lduft. Bei einer Pause kosten wir zum erstenmal das torfbraune Wasser aus einem Bach. Es schmeckt nicht mal schlecht. In den Highlands soll man fast |berall, wo gerade keine Schafe stehen, das Wasser noch trinken kvnnen.

Gegen 16:00 erreichen wir Loch na Criitheach, Ziel unserer Tour. Im Geldnde schafft man rund drei Kilometer pro Stunde. Der kleine See liegt in einem Tal, an einer Seite ragen die Berge steil vom Seeufer empor, an der anderen f|hrt der Pfad vorbei, dahinter steigen die H|gel an. Am Ende des Sees gibt es einen Kiesstrand mit Grasstreifen, daneben liegt ein angekettetes Boot. Wir stellen das Zelt halb aufs Gras, halb auf den Kies, rund 6 Meter vom Wasser weg. Die Sonne scheint, Claus und ich schwimmen ein wenig im See, Chris ld_t immerhin die F|_e ins Wasser hdngen. Wir futtern noch M|sli, legen die nassen Sachen im warmen Kies aus, faulenzen rum und liegen in der Sonne. Das sollte sich bitter rdchen ... Um 19:00 entdecken uns die M|cken. Sie m|ssen in dieser Ecke schon lange nichts mehr zu fressen bekommen haben. Es sind Abermillionen; man sieht fast nichts vor lauter Viechern, und unser ganzer Kram liegt noch am Strand verstreut. Wir werfen die Isomatten und Schlafsdcke ins Zelt, legen Steine auf die Sachen, die drau_engeblieben sind, wuchten die Rucksdcke und die Klamotten in die Apsis und verschwinden im Zelt. Schade um den schvnen Abend. Im Zelt werden noch ein paar hundert M|cken erledigt, dann wird Bilanz gezogen. Ich habe alleine am rechten Unterarm 63 Stiche und lief die ganze Zeit in der Badehose rum. Medikamente, Wasser, alles drau_en bei den Mistviechern. Spdter schaffen wir es, die Medikamente und Wasser 'reinzuholen. Nach dem Verarzten legen wir uns schlafen.






Samstag, 22.8.92, 7.Tag




1:00 Ich werde wach von Sturm und Regen.
4:30 Ich werde nochmal wach, gehe kurz raus, alle drau_en gelassenen Sachen sind noch da.
8:00 Wir wachen auf. Drau_en st|rmt es, es ist wolkig und k|hl. Claus schnappt sich Chris' Kamera und klettert auf den ndchsten H|gel und umrundet den See, wobei er einen deutschen Geologiestudenten trifft. Chris und ich gammeln im und ums Zelt rum. So um 11:00 kochen wir Tee, dann Suppe und Kartoffelp|ree mit T|tenso_e.
Nachmittags regnet es stark zum Sturm. Der Wasserspiegel des Sees steigt ein wenig, der Wind treibt beachtliche Wellen in Richtung des anderen Ufers. Wir lesen Zeitung, schreiben Tagebuch, futtern Kekse.

21:00 Es regnet noch immer. Claus und ich ziehen einen Graben vor das Zelt, der das zentimeterhoch auf dem Gras stehende Wasser Richtung See abflie_en ld_t.
22:00 Wir kochen Honigmilch, und Chris versucht, sich mit seinem Messer zu rasieren, was aber mi_lingt.
23:00 Wir legen uns schlafen, drau_en regnet's noch immer. Der Wind hat gedreht und weht jetzt vom See in unsere Richtung.





Mittwoch, 19.8.92, 4.Tag




8:30 Wir stehen auf. Es hat in der Nacht geregnet und gest|rmt, der Boden ist etwas matschig. Wir machen die erste Bekanntschaft mit den gef|rchteten schottischen M|cken: kleine Biester, die zu Millionen das Zelt umschwirren und auf allem sitzen, was ungewohnt aussieht, auf Rucksack, Zelt, ...
Wir marschieren nach Kyleakin zur|ck und setzen nach Kyle of Lochalsh |ber, um im Ort zu fr|hst|cken (Brot, Honig und M|sli), und ich kaufe eine Detailkarte von S|d-Skye und besorge Busfahrpldne im TI. Christian findet seinen Rucksack viel zu schwer, er und Claus beschlie_en, ein Paket zu kaufen und ein paar Klamotten gen Heimat zu schicken. Ich lege meine zweite kurze Hose dazu, weil ich den Eindruck habe, da_ ich sie nicht brauchen werde. Das Paket kostet 15 Pfund Porto, wir packen die Rucksdcke nochmal um und setzen wieder |ber nach Kyleakin, wo um 13:30 der Bus in Richtung Broadford fdhrt.

Von dort aus wollen wir erst ein St|ck der Stra_e entlang und dann einem Rovertrack ins Geldnde bis nach Luib folgen. Gegen 15:30 |berquert der Weg einen Bach und ein Wasserfall ist in Sichtweite. Wir machen dort Pause, laufen den Bach ein St|ck hoch, lassen die F|_e ins Wasser hdngen. Gegen 16:30 geht's weiter, rauf auf eine H|gelkette, keine Hduser mehr im Blickfeld, daf|r aber die typische Moorlandschaft, diesmal mit steilen, schroffen H|geln, die schon recht felsig sind. Nach einer Weile kommt ein See ins Blickfeld, das Zeichen daf|r, da_ wir nun bald Luib erreichen werden. Der Weg wird noch einmal richtig na_, und das, obwohl es tags|ber noch nicht geregnet hat. So gegen 18:00 erreichen wir Luib, wo es laut Detailkarte einen Campingplatz geben soll. Nach einer Umrundung des F|nf-Hduser-Nestes und einer Ortsbesichtigung sind wir sicher, da_ an der Stelle, an der der Campingplatz sein soll, ein Zaun und ein Misthaufen stehen. Wir fragen einen Anwohner, und er meint, der Fehler wdre seit Jahren auf den Karten. Wir haben keine Lust, wieder in die H|gel zu laufen und in der recht feuchten Landschaft zu zelten, und zum Gl|ck soll gegen 21:00 noch ein Bus in Richtung Portree fahren. Wir lassen uns auf einer Schotterfldche nieder und kochen Abendessen, Reis und So_e. Wdhrenddessen kommen dauernd Tornados der Royal Air Force zwischen den H|geln 'rausgeflogen, in max. 50 Metern Hvhe direkt |ber unseren Kvpfen. Spdter lesen wir in der Zeitung, da_ sich aus Schottland die Beschwerden |ber zu tief fliegende Militdrmaschinen hdufen und deshalb Flughvhenmessungen ohne Vorank|ndigung durchgef|hrt werden sollen (na also - Radarkontrollen f|r Tiefflieger).

Nach dem Essen laufen wir noch ein bi_chen am steinigen Strand rum, und dann kommt der Bus um 21:05. Wir fahren in die Ddmmerung und erreichen nach einer halben Stunde Portree. Die Stra_e dahin wurde zum Teil mitten durch den Fels gesprengt.

Dort haben nur noch die Polizei und die Kneipe offen, ich frage bei der Polizei nach dem Campingplatz und bekomme einen fertigen Plan in die Hand gedr|ckt. Zum Gl|ck, denn wdren wir der Wegbeschreibung im Reisef|hrer gefolgt, wdren wir in die falsche Richtung aus dem Ort 'rausgegangen. Der Campingplatz liegt ein bis zwei Kilometer au_erhalb in Richung Staffin auf dem ndchsten H|gel. Der Platz ist recht voll. Wir bauen das Zelt auf, futtern noch was und legen uns schlafen. In der Nacht regnet es etwas, und ein paar Windbven sch|tteln das Zelt.






Donnerstag, 20.8.92, 5.Tag




8:00 Wir stehen auf, duschen, fr|hst|cken, unterhalten uns mit einem Holldnder, der sein Zelt neben uns stehen hat, und haben nicht die geringste Idee, was wir heute tun sollen.
11:00 Wir haben komplett gepackt und gr|beln immer noch, was wir tun wollen. Der Himmel hdngt voll Wolken, es ist recht windig. Wir laufen in den Ort zur|ck und schauen uns um. Im TI suche ich ein paar Informationen zusammen und entwickle den Plan, von Sligachan (welches nur aus einem Hotel und einem Campingplatz besteht) nach S|den durch die Cuillin Mountains nach Elgol, quer durch die Insel an die S|dk|ste zu wandern. Wir planen f|r die knapp zwanzig Kilometer das gesamte Wochenende ein, weil erst montags in Elgol wieder ein Postbus fdhrt. Der ndchste Bus Richtung Sligachan fdhrt aber erst um halb vier, so gehen wir noch in eine Bar und genie_en ein Barmeal; ganz genie_bar, man wird sogar satt. Drau_en bricht inzwischen der Regen los. Ich kaufe noch eine Zeitung, und dann warten wir auf den Bus. Auch hier treffen wir jede Menge Deutsche an der Bushaltestelle, eine Gruppe Italiener, und drei Spanierinnen aus Barcelona, mit denen ich mich im Bus bis Sligachan unterhalte. Der Bus fdhrt p|nktlich und ld_t uns dann in Sligachan planmd_ig im Regen stehen.
16:40 Wir haben in Sturm und Regen das Zelt aufgebaut und eingerdumt. Jetzt, wo wir richtig na_ sind, hvrt der Regen auf. Wir besteigen noch den H|gel hinterm Campingplatz (welcher aus einer schlammingen Wiese und einem Toilettengebdude besteht) und schauen uns die Landschaft an. Im S|den kann man schon einige der Cuillin Mountains sehen. Sehr dramatisch.
19:00 Die M|cken werden wach. Es sind zwar nicht so arg viele, aber sie nerven. Und am BW-M|ckenschutz stvren sie sich wenig. Wir machen Essen (Suppen) und unterhalten uns mit einem Paar aus Brandenburg (oder war's Mecklenburg?). In der Zeitung kann man was von Krawallen in Rostock und von 29 Grad Celsius in Frankfurt lesen. Nicht |bel, verglichen mit den 14-17 Grad Celcius hier. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen.





Freitag, 21.8.92, 6.Tag




8:00 Aufstehen. Die M|cken sind auch schon da, etwas hartndckiger als am Vorabend. Wir waschen ab, knabbern ein paar Kekse, bauen das Zelt ab und marschieren um 10:00 los. Es regnet ein wenig, die vom Vortag feuchten Sachen f|hlen sich widerlich an.
Wir laufen los, in Ponchos geh|llt. Der Weg ist zundchst breit und recht gut, wird dann aber feucht, weil das Wasser aus dem gesdttigten Boden auf dem Pfad abflie_t. Dann kommt noch eine Torfschicht dazu, fertig ist das Schlammbad. Um 11:00 machen wir ein paar Minuten Pause, dann geht's weiter. Kurz vor Mittag, nach \berquerung eines grv_eren Schlammfeldes, machen wir Mittagspause und kochen auf ein paar Felsen Nudeln. Sligachan ist au_er Sichtweite, und au_er ein paar vorbeiziehenden Wanderern sind wir allein. Hinter uns steigt ein felsiger H|gel empor, vor uns liegt ein weites Tal mit Flu_, baumlos wie alles in Schottland. Gegen|ber, auf der anderen Talseite, steigen wieder die Berge empor, von denen dutzende kleine Bdche st|rzen. Als Krvnung des Tages kommt auch noch die Sonne 'raus, und die Niederschldge hvren auf. Um 13:15 geht's weiter. Wir treffen eine junge Amerikanerin, die in Paris arbeitet, und als Tagestour ein St|ck ins Geldnde und wieder zur|ck lduft. Bei einer Pause kosten wir zum erstenmal das torfbraune Wasser aus einem Bach. Es schmeckt nicht mal schlecht. In den Highlands soll man fast |berall, wo gerade keine Schafe stehen, das Wasser noch trinken kvnnen.

Gegen 16:00 erreichen wir Loch na Criitheach, Ziel unserer Tour. Im Geldnde schafft man rund drei Kilometer pro Stunde. Der kleine See liegt in einem Tal, an einer Seite ragen die Berge steil vom Seeufer empor, an der anderen f|hrt der Pfad vorbei, dahinter steigen die H|gel an. Am Ende des Sees gibt es einen Kiesstrand mit Grasstreifen, daneben liegt ein angekettetes Boot. Wir stellen das Zelt halb aufs Gras, halb auf den Kies, rund 6 Meter vom Wasser weg. Die Sonne scheint, Claus und ich schwimmen ein wenig im See, Chris ld_t immerhin die F|_e ins Wasser hdngen. Wir futtern noch M|sli, legen die nassen Sachen im warmen Kies aus, faulenzen rum und liegen in der Sonne. Das sollte sich bitter rdchen ... Um 19:00 entdecken uns die M|cken. Sie m|ssen in dieser Ecke schon lange nichts mehr zu fressen bekommen haben. Es sind Abermillionen; man sieht fast nichts vor lauter Viechern, und unser ganzer Kram liegt noch am Strand verstreut. Wir werfen die Isomatten und Schlafsdcke ins Zelt, legen Steine auf die Sachen, die drau_engeblieben sind, wuchten die Rucksdcke und die Klamotten in die Apsis und verschwinden im Zelt. Schade um den schvnen Abend. Im Zelt werden noch ein paar hundert M|cken erledigt, dann wird Bilanz gezogen. Ich habe alleine am rechten Unterarm 63 Stiche und lief die ganze Zeit in der Badehose rum. Medikamente, Wasser, alles drau_en bei den Mistviechern. Spdter schaffen wir es, die Medikamente und Wasser 'reinzuholen. Nach dem Verarzten legen wir uns schlafen.






Samstag, 22.8.92, 7.Tag




1:00 Ich werde wach von Sturm und Regen.
4:30 Ich werde nochmal wach, gehe kurz raus, alle drau_en gelassenen Sachen sind noch da.
8:00 Wir wachen auf. Drau_en st|rmt es, es ist wolkig und k|hl. Claus schnappt sich Chris' Kamera und klettert auf den ndchsten H|gel und umrundet den See, wobei er einen deutschen Geologiestudenten trifft. Chris und ich gammeln im und ums Zelt rum. So um 11:00 kochen wir Tee, dann Suppe und Kartoffelp|ree mit T|tenso_e.
Nachmittags regnet es stark zum Sturm. Der Wasserspiegel des Sees steigt ein wenig, der Wind treibt beachtliche Wellen in Richtung des anderen Ufers. Wir lesen Zeitung, schreiben Tagebuch, futtern Kekse.

21:00 Es regnet noch immer. Claus und ich ziehen einen Graben vor das Zelt, der das zentimeterhoch auf dem Gras stehende Wasser Richtung See abflie_en ld_t.
22:00 Wir kochen Honigmilch, und Chris versucht, sich mit seinem Messer zu rasieren, was aber mi_lingt.
23:00 Wir legen uns schlafen, drau_en regnet's noch immer. Der Wind hat gedreht und weht jetzt vom See in unsere Richtung.





Freitag, 28.8.92, 13.Tag




9:00 Aufstehen. Es nieselt ein wenig, ein paar M|cken schwirren 'rum. Wir gehen den Hang 'runter, wo der Bach einen Wasserfall hinabst|rzt, und machen ein paar Fotos. Das Fr|hst|ck lassen wir ausfallen.
9:45 Abmarsch, weiter den Rovertrack entlang. Es fdngt bald an zu regnen. Weil gestern die Klamottem unter den Ponchos so na_geschwitzt waren (und sie immer noch feucht sind), ziehen wir die Ponchos nicht an. Es geht eine Weile am Flu_ entlang, dann verlassen wir den Rovertrack, |berqueren einen Flu_, und sind wieder auf einem verschlammten, |berschwemmten Pfad unterwegs. Ab und zu ist im Geldnde ein Steinhaufen aufgeschichtet, an dem man erkennen kann, da_ man noch dem Pfad und keinem Wasserlauf folgt. Rechts von uns mu_ sich das An Teallach-Massiv auft|rmen. Doch leider hdngen schon am ersten Hang die Wolken, und statt Fernsicht sehen wir nur von Windbven gejagten Regen. Trotzdem hat die Landschaft etwas reizvolles, so zwischen H|geln und auf steinigen Kdmmen, mit gelegentlich |ber den Weg laufenden Bdchen.
Es kommen uns insgesamt sechs Leute entgegen, allesamt deutschsprachig, wie wir erst spdter erfahren. Sie gingen die Tour, wie sie im Reisef|hrer vorgeschlagen ist, in S|d-Nord-Richtung, wir gehen sie in Gegenrichtung. Chris rutscht aus und landet bduchlings im Schlamm. Wenigstens war er schon vorher na_. Es kommt ein scharfer, kalter Wind auf, die Finger frieren steif. Allmdhlich wird es wirklich etwas unangenehm in der nassen Kleidung.

Ein paar Schlammfelder weiter fdllt das Geldnde steil ab, und wir steigen neben einem tosenden Bach in einem Einschnitt in ein weites, von steil emprorragenden Bergen umgebenes Tal mit zwei Fl|ssen, die zur rechten Hand in einen See m|nden, ab. Am Fu_ des Berges, von dem wir kommen, finden wir auch planmd_ig die Shenavall-H|tte. Die Landschaft ist in der Hauptsache mit Heidekraut bewachsen, entlang eines Bachlaufs stehen Binsen, unten an den Fl|ssen stehen einige mickrige Stechginster-B|sche, um die H|tte stehen zwei Bdume, unten am Flu_ noch einige mehr. Etwas weiter abwdrts sind einige Steinmauern, vermutlich waren dies mal Stallungen.

12:00 Wir erreichen die Shenavall-H|tte. Hierbei handelt es sich um eine Schutzh|tte f|r Bergwanderer, die die British Mountain Association erbaut hat. Das recht gro_e Steingebdude hat sieben Rdume in zwei Stockwerken, zwei offene Kamine und ein paar Sitzgelegenheiten. Sie kann von jedem benutzt werden, der vorbeikommt und einen Schlafplatz braucht. Wir gehen rein und treffen einen Erlanger Medizinstudenten an, der ebenfalls mit Velbinger-Reisef|hrer unterwegs ist. Als erstes spannen wir eine Schur durch einen der Rdume und werden unsere nassen Sachen los. Dann nehmen wir einen Raum im oberen Stockwerk in Beschlag und packen erst mal den Kocher aus und machen hei_en Tee und hei_e Suppe und futtern M|sli. In der H|tte finden sich ein paar H|ttenb|cher, in denen Reisende ein paar Worte hinterlassen haben. Nach Studium der B|cher steht fest: achtzig Prozent der Besucher sind Deutsche, fast alle mit Velbinger-Reisef|hrer. Wir erkldren die H|tte sogleich zum Franz-Rappel-Fanclub (Autor des Reisef|hrers, der unter anderm folgendes |ber diese Route schreibt: 'Die folgenden Trips gehvren zu den abenteuerlichsten in ganz Schottland! Wanderungen, die durch das grv_te menschenleere Gebiet von Gro_britannien f|hren, - vorbei an einsamen Glens, quer durch die Wildnis durch ein einsame Moore. Weit und breit keine Spuren von Zivilisation, Herden von Hirschen schauen einem verdutzt nach, und Wildbdche m|ssen durch H|pfen von Stein zu Stein |berquert werden, - wdhrend oben die Adler ihre Kreise ziehen...'). Leider ist das Brennholz alle, und bis auf ein paar junger Bdume an den Fl|ssen und zweier Ebereschen vor der H|tte ist nichts in Sicht. Eine Notiz in der H|tte sagt, im Tal zwischen beiden Fl|ssen kvnne man Holz finden. Das ist aber zu weit weg, au_erdem regnet es und die Fl|sse haben Hochwasser.
Ich entdecke, da_ sich an meinem Wanderstiefel die Sohle lvst. Zum Gl|ck hat Chris in Ullapool einen Spezialkleber f|r sowas gekauft, weil ein St|ck von seiner Sohle abgerissen ist. Ich klebe die Sohle an und verschn|re den Schuh mangels Schraubstock mit einer ganzen Rolle Paketschnur. Hoffentlich hdlt's bis morgen, sonst geht die Wanderung in Halbschuhen weiter.

15:00 Der Regen hvrt auf. Claus und der Erlanger laufen das Tal runter Richtung See, ich ziehe mir meine kurze Hose und die Badesandalen an und stapfe durch die voll Wasser stehenden Moorwiesen flu_aufwdrts, um Holz zu suchen. Ich entdecke einige B|sche Kr|ppelwacholder mit trockenen Dsten. Dann kehre ich zur H|tte zur|ck. Als Claus zur|ck ist, sdgen wir noch mit der Sdge aus der H|tte einige tote Dste aus der Eberesche, und gehen dann noch ein paar Kr|ppelwacholder und trockene Heidekrautst|mpfe sammeln. Gegen Abend kommen Rehe. Es sind nur eine Handvoll, aber sie trauen sich ungewvhnlich nahe an uns ran, so bis auf f|nf Meter. Man hdtte sie mit dem Klappspaten erlegen kvnnen.
Mit der einsetzenden Ddmmerung kommen zwei Schotten, die das Wochende zum Hill-Walking nutzen wollen, und richten sich in einem Zimmer ein. Doch damit nicht genug, als ndchstes kommt eine Gruppe von sieben Bergsteigern und verteilt sich in der H|tte. Gegen 23:00 sind wir 17 Leute in der H|tte, und au_er den vier Deutschen alles Schotten! Drau_en im Dunkeln stehen die Rehe dutzendweise und grasen. Wohin man auch leuchtet, es leuchten Augen zur|ck. Drinnen machen wir Feuer im Kamin, unterhalten uns mit ein paar der Schotten, futtern Kekse und trinken Scotch, den die Schotten mitgebracht haben. Um Mitternacht ist es sternenklar, man kann die Milchstra_e sehen. So gegen 1:00 morgens gehen wir schlafen, diesmal nicht im Zelt, sondern in der H|tte - welch Feeling!






Samstag, 29.8.92, 14.Tag





8:00 Die anderen H|ttenbewohner werden aktiv. Im Nebenzimmer werden Schinken und W|rste gebraten. Das rei_t uns aus dem Schlaf. Wir stehen auf, sp|len, kochen Milch f|r M|sli und machen Kaffee. Es nieselt ein wenig, und die Sonne schaut ab und zu durch die Wolken. Der Erlanger steht auch auf und macht sich Fr|hst|ck.
10:15 Die Schotten sind alle weg, unterwegs ins An Teallach-Massiv. Der Erlanger packt seine Sachen und will auch weg in Richtung Dundonell. Gegen 11:00 marschiert er los. Wir hdngen noch ein paar feuchte Sachen in den Wind. Ziel des Tages ist die Carnmore-H|tte im ndchsten Tal, acht bis zehn Kilometer entfernt mit |ber 500 Metern Hvhenunterschied. Eigentlich Schade, denn in Shenavall hdtte man ein paar Tage bleiben m|ssen, um auf die umliegenden Berge zu steigen und die Landschaft zu genie_en. Aber die Vorrdte sind begrenzt, und wir haben f|r die gesamte Tour nur f|nf Tage bei der Polizei gemeldet.
Ich schn|re meinen Schuh auseinander, und siehe da, die Sohle sitzt etwas schief, aber sie hdlt. Sie hielt auch die ndchsten zwei Wochen ohne Probleme.

Mittlerweile regnet es nicht mehr, die Sonne schaut ab und zu 'raus, und der Wind ist nicht mehr allzu stark. Wir packen unsere Sachen zusammen, rdumen in der H|tte etwas auf, machen unseren Eintrag ins H|ttenbuch und verlassen Shenavall gegen 13:00.

Erstes Ziel ist die Jagdh|tte auf der anderen Seite des Tals, jenseits der beiden Fl|sse. Letztere haben etwas Hochwasser, mit Stein-zu-Stein-H|pfen kommt man nicht r|ber. Aber damit hatten wir eh gerechnet und sind in Shorts, T-Shirt und Badesandalen losgelaufen. Es folgen etwa sechs (6!) Flu_durchquerungen durch teilweise mehr als knietiefes Wasser bei ganz beachtlicher Strvmung und sumpfigen Ufern, weil wir alle Mdander erwischen und diese auf der Karte nicht so genau eingezeichnet sind. Trotzdem geht keiner baden. Um uns rum glotzen uns ein paar verwilderte K|he dumm an. Nach |ber einer Stunde sind wir dr|ben, aber immer noch ist die Wiese ein einziges, von K|hen zertrampeltes Schlammloch. Erst ein gutes St|ck flu_aufwdrts finden wir den Pfad wieder. Inzwischen haben wir festes Schuhwerk angelegt, und endlich wird der Pfad mit brauchbarem Tempo begehbar. Wir laufen in einen Taleinschnitt, dann weg vom Flu_. Nun beginnt ein steiler, anstrengender Aufstieg auf rund 530 Meter Hvhe. Wir sehen noch einen Adler, der Blick zur|ck aus mehreren hundert Metern Hvhe offenbart ein Bergpanorama mit herrlicher Kulisse. Neben uns ragt ein 700 Meter hoher Felsen in die Hvhe. Wir machen mehrere kurze Verschnaufpausen, dann haben wir die maximale Hvhe erreicht. Oben ist es relativ flach, auf dem Pfad steht hier und da das Wasser und Schlamm. Auf dem Plateau gibt es ein paar kleine Seen, sonst ist es recht flach und langweilig. Gegen 17:00 erreichen wir einen See mit Sandstrand und machen dort kurz Pause. Dies war ein taktischer Fehler, wir k|hlen in unseren kurzen Kleidern schnell aus. Vor dem Abstieg ins ndchste Tal ziehen wir die langen Sachen an, und Claus ersetzt einen gerissenen Schn|rsenkel. Kurz hinter dem See fdllt der Weg neben einem Bach steil den Hang ab und offenbart einen fantastischen Blick auf Dubh Loch und Fionn Loch (welche nur durch einen Damm getrennt sind) und die sie einschlie_enden, steilen Berge mit ihren unzdhligen kleinen Bdchen. Und dies aus |ber 400 Metern Hvhe!

Beim weiteren Abstieg erspdhen wir noch drei Steinbvcke, die mi_trauisch in unsere Richtung schauen. Im weiteren Verlauf kann man das Tal entlang sehen und kann mehrere Gebirgsketten und Seen in Richtung Westen erkennen. Dann kommt auch das Dach der Carnmore-H|tte in Sicht. Die vermeintliche H|tte entpuppt sich als nobles Jagdhaus, und die Schutzh|tte ist ein paar hundert Meter weiter, ein ehemaliger Stall, aber immerhin Steinwdnde, ein neues Dach und T|ren.

18:00 Wir betreten die Carnmore-H|tte. Drinnen sind zwei Karlsruher Studentinnen, Maya und Uli (Physik und Meteorologie), die heute in zehn Stunden aus Kinlochewe gekommen und um 4:00 aufgestanden sind. Der Boden ist etwas staubig und uneben, aber hier ld_t es sich aushalten. Die beiden Mddels haben auch einen Velbinger dabei. Wir packen den Kocher aus, machen Tee, kochen Reis und So_e, verdr|cken ein paar S|_igkeiten und unterhalten uns. Wir legen noch die Bodenfolie unseres Zeltes aus, damit die Schlafsdcke nicht verstauben, gegen 22:30 legen wir uns schlafen. Die Mddchen wollen recht fr|h weiterlaufen, wir werden den Morgen wie immer locker angehen. Die Nacht ist klar und kalt, am fr|hen Morgen weckt mich der auf's Dach prasselnde Regen kurz auf.





Sonntag, 30.8.92, 15.Tag




8:00 Wir stehen auf. Die Mddchen sind schon krdftig am Packen und wollen zeitig los. Zum Fr|hst|ck gibt's Kaffee und M|sli. Gegen 9:00 sind Uli und Maya mit Einpacken fertig, verabschieden sich und ziehen los in den Regen Richtung Shenavall. Wir w|nschen ihnen angesichts des Regens noch viel Gl|ck bei den Flu_|berquerungen. Dann trvdeln wir wie |blich etwas rum, verbrennen ein paar nutzlos gewordene T|ten, packen unsere Sachen und haben eigentlich wenig Lust, raus in den Regen zu gehen. Vor uns liegt eine Etappe von mehr als zwanzig Kilometern bis Kinlochewe, die teilweise recht ungem|tlich sein soll. Die Mddchen hatten zehn Stunden f|r die Strecke in Gegenrichtung gebraucht.
11:00 Wir ziehen los, eingeh|llt in die Ponchos und fast trockene Klamotten. Zundchst geht es um einen H|gel, dann |ber den schmalen Damm, der Dubh Loch und Fionn Loch trennt. Auf der anderen Seite m|ssen wir erstmal wieder einen Hvhenzug erklimmen. Am Hang links vom Pfad geht eine Familie Steinbvcke spazieren, zwei gro_e und drei kleinere Tiere. Leider ist es ansonsten etwas dunstig, man kann die Aussicht gen Westen von gestern nur erahnen.
Eine ganze Weile geht es wieder auf dem Hvhenzug entlang, auf einem nicht mal allzu schlammigen Pfad. Die Erosion ist gut am Wirken, ein kleiner Bach hat sich metertief in den Boden geschnitten, Hdnge sind abgerutscht, Moorfldchen liegen ohne Bewuchs frei.

Langsam beginnt der Abstieg. Loch Maree kommt in Sicht, der See, an dessen anderem Ufer die Wanderung enden soll. Trotz etwas dunstiger Luft sieht man einige Kilometer weit. Der Pfad f|hrt nun einen Abhang hinunter, |berquert einen Wildbach und erreicht ein Waldst|ck - wir haben Letterewe erreicht. Hierbei handelt es sich um einige wenige Gebdude am Nordufer des Loch Maree, um die ein paar Weiden liegen. Zu erreichen ist der Hof nur per Boot, es gibt keine Stra_e oder Piste hierhin. Wir m|ssen weiter, Richtung Osten am Nordufer entlang, um Kinlochewe zu ereichen. Claus' Schn|rsenkel sind schon wieder gerissen, er fddelt neue ein. Es ist etwas knifflig, auszumachen, wo der Pfad nun weitergeht, wir m|ssen einigemale |ber Zdune klettern und auf's Geratewohl wieder Richtung See gehen, bis wir jenseits von Letterewe wieder auf den Pfad treffen. Um Letterewe herum gibt es tatsdchlich Wald. Alte Eichen, Birken und Kiefern, und viele Pilze am Boden. Au_erdem massig Spuren von Wild. Doch bald darauf lduft der Pfad am Hang entlang, zwischen Heidekraut und Farn, voll von Pf|tzen oder gro_en Steinen. Wir laufen mal ndher, mal weiter von Loch Maree und seinen Inselchen weg am Ufer entlang. Die Ponchos entpuppen sich als zu kurz, die |ber den Weg hdngenden Farnwedel streifen das Regenwasser an unseren Hosen ab. Das Wasser findet auch prompt den Weg durch den Stiefelschaft in die sonst recht wasserdichten Wanderstiefel. Alles in allem sind wir von den Oberschenkeln abwdrts total durchnd_t. Dazu regnet es von oben, und ab und zu bldst der Wind dazu. Einige Kilometer weiter durchlduft der Pfad einen Birkenwald. Dort huscht eine Gemse (oder ein dhnliches, dunkles, schafartiges Tier mit aufspiralten Hvrnern) ins Unterholz und fl|chtet. Ein paar Bdume liegen auf dem Weg, bald ist der Wald zuende und es geht weiter zwischen Farn und Heidekraut. Gelegentlich m|ssen wir einen dank des Regens hochwasserf|hrenden Bach |berqueren und die Steine dazu erst 'reinwerfen. Uns kommen noch zwei Frauen entgegen, die irgendwo im Geldnde einen Berg umrundet haben und etwas weiter Richtung Letterewe zelten wollen. Gegen 17:00 schldngelt sich der Pfad den Hang hinunter zum Seeufer. Man kann in der Ferne die Hduser von Kinlochewe erkennen. Doch es sind noch ein paar Kilometer. Um 17:30 erreichen wir das s|dvstliche Ende des Loch Maree. Das Ufer ist flach, von Schafen freigefressen, und wir beschlie_en, das Zelt hier aufzuschlagen und morgen fr|h in den Ort zu gehen. Unser weiterer Plan: einen Bus in Richtung Achnasheen erwischen und von dort per Zug zur|ck nach Inverness zum Auto.

Wir bauen das Zelt auf, und sind dann auch fertig. Erstmal ruhen wir uns eine Weile aus, und als wir dann |berlegen, was man noch tun kvnnte, kommen die M|cken. Was soll's, ab ins Zelt, zum Abendessen gibt es die letzte Tafel Schokolade und eine Suppe. Die nassen Schuhe, Socken und Hosen werden irgendwie im Zelt verteilt, dann schreiben wir ein paar Sachen auf, |berlegen, wie es nach morgen weitergehen soll, und schlafen ein.






Montag, 31.8.92, 16.Tag




8:30 Aufwachen. Es regnet drau_en. Und die M|cken sind auch schon da, also fdllt das Fr|hst|ck mal wieder aus. Das neue M|ckenschutzmittel funktioniert zwar, aber die Biester finden immer eine Stelle, die man nicht eingeschmiert hat. Wir packen hektisch, ziehen die nassen Klamotten an (das ist ein Gef|hl, das versaut jeden Morgen! Nach dem feuchten T-Shirt und den feuchten Socken die Hose mit nassen Beinen. Und die nassen Stiefel...), bauen in einer Regenpause das Zelt ab und marschieren um 10:05 los. Wir m|ssen noch ein paar Bdche |berqueren, die teilweise recht tief sind, dann erreichen wir die ersten Hvfe, etwas |ber eine Stunde nach dem Abmarsch. In der Ortsmitte erfahren wir dann, da_ wir den einzigen Bus des Tages, der in Richtung Achnasheen fdhrt, um hvchstens eine Stunde verpa_t haben. Wir traben erst mal zum einzigen Laden im Ort, decken uns mit Schokolade und Zeitungen ein und setzen uns dann in ein Cafi und essen Burger und Fish & Chips. Vor'm Laden treffen wir noch zwei deutsche Tramper, denen das Geld ausgegangen ist, und die irgendwie nach Inverness zur Post kommen m|ssen. Sie versuchen eine Weile erfolglos, Autos anzuhalten. Chris watzt plvtzlich los in Richtung Toilette, er hat Durchfall. Es bleibt aber ein Einzelfall, lag wohl an dem anstrengenden Tag gestern. Soeben finden wir auch 'raus, was in unserer kiloschweren Medikamentensammlung fehlt: Kohletabletten.
Taxis gibt es in diesem abgelegenen Nest auch nicht, und die einzige Mvglichkeit, noch irgendwohin zu fahren, ist der Postbus nach Gairloch in die falsche Richtung. Nach einigem Hin und Her und Fahrplanstudieren beschlie_en wir, die neun Meilen lange Strecke nach Achnasheen zu laufen und hoffen, auf der Stra_e schnell genug zu sein, um den 17:00-Zug aus Kyle zu erwischen.

12:50 Wir gehen los und legen ein ordentliches Tempo vor. Es regnet sintflutartig. Die Stra_e windet sich einsam in einem Tal empor, daneben verlduft ein Flu_. Wir versuchen, die in unsere Richtung fahrenden Autos anzuhalten. Einmal hdlt ein Peugeot 205, hat aber nur Platz f|r maximal zwei Leute.
Wir erreichen den hvchsten Punkt der Stra_e, nun geht es wieder etwas bergab. Daf|r sch|tteln uns jetzt Windbven. Wir erreichen einen kleinen See, Loch a' Chroisg, an dessen anderem Ende Achnasheen liegt, es sind nur noch ein paar Kilometer. Bei einem weiteren Versuch, ein Auto anzuhalten, hdlt eine junge Frau mit Kombi an und nimmt uns mit. Wir waren tatsdchlich nicht mehr weit vor unserem Ziel und sind so schnell gelaufen, da_ wir den 15:00-Zug Kyle-Inverness noch hdtten nehmen kvnnen. Doch es kommt anders. Die Frau fdhrt nach Dingwall, einem Stddtchen keine zwanzig Kilometer vor Inverness, und nimmt uns bis dorthin mit. In Dingwall trinken wir erstmal was und suchen dann den Bahnhof. Um 17:00 kommt hier als ndchstes der 15:00-Zug aus Kyle durch, der ndchste Bus noch etwas spdter. Wir nehmen den Zug, treffen noch ein paar Deutsche am Bahnhof, und sind gegen 17:30 in Inverness.

17:45 Das Auto ist auch noch da, wir verpacken den ganzen Kram, und lvhnen 32.50 Pfund Parkgeb|hren. Im Nachhinein sollte man mal 'rauskriegen, was zwei Wochen Falschparken vor der Polizeiwache kostet. Anschlie_end fahren wir an den Stadtrand zum Campingplatz. Der Platz ist gro_ und in gutem Zustand, und er kostet nur 3.00 Pfund f|r die Nacht. Wir duschen, bauen das Zelt auf und durchl|ften es, ziehen endlich trockene Klamotten und Schuhe an, sofern noch vorhanden. Da ich entschieden zu viele Klamotten mit mir 'rumschleppe, habe ich noch eine komplette Montur inklusive Schuhe. Weil der Platz Waschmaschinen und Trockner hat, beschlie_en wir, Kleider zu waschen und im Anschlu_ daran in die Stadt zu fahren, um mal richtig gro_ essen zu gehen, mit Steak und so. Wir waschen zwei Durchgdnge, und die Waschmaschine und der Trockner laufen ewig lange. Dazwischen reden wir mit zwei Nordiren, die uns empfehlen, die Bushmills-Distillerie zu besichtigen, wenn wir sowieso dort den Giant's Causway sehen wollen. Kurz vor 22:00 parken wir in der Innenstadt und gehen einige Stra_en auf der Suche nach einem Restaurant ab. Leider haben schon alle Restaurants au_er einem Nobelladen geschlossen, und so endet der Abend wie er enden mu_: bei McDonald's mit Cheeseburger und Pommes, schlechter Laune meinerseits und Regen.





Dienstag, 1.9.92, 17.Tag




9:00 Die Baustelle neben dem Campingplatz hat uns endlich wachgedrvhnt. Es hat nachts krdftig geregnet. Ich laufe zum Shop des Campingplatzes und hole zwvlf Brvtchen, Marmelade, Butter und Milch zum Fr|hst|ck. Das Fr|hst|ck wird in bewdhrter Weise auf der Motorhaube verzehrt. Anschlie_end stopfen wir die Sachen und das Zelt ins Auto und verlassen Inverness in Richtung S|den, nochmal vorbei am Loch Ness (und immer noch kein Monster zu sehen), erstes Etappenziel auf dem Weg nach Irland ist Fort William.
13:10 Ankunft in Fort William. Wir schicken noch ein paar Postkarten weg, bummeln die Hauptstra_e entlang, und essen in einem Ketten-Restaurant zu Mittag. Anschlie_end bummeln wir noch ein wenig rum, ich gehe Geld umtauschen, kaufe eine Zeitung und Obst. Claus und Chris kaufen Getrdnke, Obst und Knabberzeugs. Wir entdecken einen Autoaufkleber: 'Keep Scotland tidy - run over a tourist!'. Um 14:15 fahren wir weiter mit Ziel Glasgow. Die Highlands werden nochmal so richtig schvn hoch, mdchtig, wild und einsam. Hohe Berge, Tdler mit Fl|ssen, einfach schvn. Hier sollte man sich auch mal ldnger aufhalten (Stichwort 'West Highland Way'). Leider ist es f|r Fotos zu dunstig, und regnen tut es sowieso.
16:20 Loch Lomond! Der grv_te schottische See beginnt zwischen steilen, bewaldeten H|geln und ist voll von kleinen Inselchen. Weiter gen S|den wird die Landschaft etwas flacher. Wir machen eine kurze Pause, trotz leichten Nebels ein paar Fotos, und fahren dann weiter.
17:50 Wir durchfahren Glasgow, eine gro_e, hd_liche Industriestadt. Ldnger halten wir uns hier nicht auf, und fahren einfach durch, weiter Richtung Stranraer, dem Fdhrhafen in S|dwestschottland, der uns nach Nordirland bringen soll. Die Landschaft wird langweilig, nur noch flache H|gel, alles eingezdunte Weide, voll mit K|hen und Schafen. Ab und zu ein paar Getreidefelder.
20:45 Wir erreichen Cairnryan, den ersten der beiden Fdhrhdfen nach Nordirland. Die letzten Kilometer ging die Fahrt an der K|ste vorbei. Drau_en im Meer steht ein hoch aufragender Inselklotz, am Horizont kann man noch die Insel Kintyre erahnen. Wir kaufen in einem kleinen Laden verschiedene Sorten Dosennudeln f|r's Abendessen sowie die obligatorische 2-Liter-Getrdnkeflasche. \berall in England scheint es Cola und Limo ausschlie_lich in Plastikflaschen und Dosen zu geben. Der vrtliche Campingplatz ist ein Caravanplatz f|r die gro_en stationdren Containercaravans. Da aber etwas Wiese frei ist, d|rfen wir f|r 5.00 Pfund zelten. Wir stellen das Zelt auf, kochen die Dosennudeln und planen den morgigen Tag. Ich sortiere schon mal das Informationsmaterial aus, welches wir nicht brauchen werden, und verpacke den Rest.





Mittwoch, 2.9.92, 18.Tag




8:00 Aufstehen, umziehen, Rucksdcke neu sortieren und packen stehen am Beginn dieses Tages. Die Fdhre geht um 14:25 und nicht um 12:30, wie ich dem Fahrplan f|r die Gegenrichtung versehentlich entnahm. Wir fahren nach Stranraer und stellen das Auto auf einen vffentlichen, kostenlosen Dauerparkplatz neben der Pier von P&O Ferries. Dann machen wir einen Stadtbummel, essen Burger und Bratkartoffeln zu Mittag, kaufen Zeitungen und Fdhrtickets. Die \berfahrt kostet mit dem Seacat-Katamaran 18.00 Pfund, mit ISIC-Studentenausweis 14.00 Pfund (womit sich die Anschaffung des Studentenausweises schon gelohnt hat).
-14:00 Wir checken auf der Fdhre ein, und m|ssen durch recht scharfe Kontrollen: die Rucksdcke werden durchleuchtet, wir m|ssen durch einen Metalldetektor laufen. Nordirland ld_t gr|_en. Das Gepdck wird dann auf Gepdckwagen verladen, und wir werden per Bus zur Fdhre gefahren. Es handelt sich um eine relativ kleine Fdhre, einen Katamaran, der sowohl Fahrzeuge wie Passagiere transportiert und bis zu 47 Knoten schnell fdhrt. An Bord gibt es die |bliche Bar/Cafiteria und einen gro_en Raum mit recht gem|tlichen Sitzen. Das Schiff fdhrt vollkommen computer- und satellitengesteuert, auf der Br|cke sind noch zwei Leute, die von Hand das Andocken erledigen und ansonsten den Computer |berwachen.

Rund eineinhalb Stunden spdter erreichen wir den Hafen von Belfast. Von hier aus gesehen ist Belfast eine schmutzige Insdustriestadt. Die Fdhre fdhrt recht langsam in den langestreckten Hafen ein, weil sonst die Bugwellen die anderen Schiffe krdftig sch|tteln w|rden. Beim Verlassen der Fdhre werden wir von Polizisten und Soldaten penibel bedugt, die ihre Maschinenpistolen im Anschlag halten.

Im Fdhrgebdude besorge ich erstmal einen fotokopierten Stadtplan, dann marschieren wir los Richtung TI in die Innenstadt. Hier prdsentiert sich die Stadt mit einer Mischung aus alten Gebduden, neuen Einkaufszentren und breiten Stra_en. Beim TI angekommen, bekommen wir einen detaillierten Stadtplan und eine Campingplatzliste von Nordirland. F|r die Campingpldtze von Irland werden wir an das Irish Tourist Board ein paar Stra_en weiter verwiesen. Dort bekommen wir Material |ber irische Campingpldtze und Busverbindungen, sogar |ber nordirische Einrichtungen. Unser ndchstes Ziel ist Dundalk, eine Stadt s|dlich von Belfast, nicht weit hinter der Grenze in Irland. Claus hat dort Bekannte, die aus dem Saarland stammen. Wir wechseln noch ein paar englische Pfund in irische Pfund (da es nach 16:00 war, konnte man das nur noch zu Wucherkursen im Reiseb|ro machen. Dieses verlangte allen Ernstes auch noch drei Pfund Geb|hren f|r das Einlvsen von Euroschecks!)

Wdhrend wir durch die Stadt laufen und uns ein paar Ecken anschauen, begegnen uns des vfteren die Panzerfahrzeuge der britischen Armee und der nordirischen Polizei, die in gro_er Zahl durch die Stadt fahren. An der ein oder anderen Ecken stehen Soldaten auch so 'rum und halten die Stra_e im Auge.

In der Bankenstra_e hdngt alle paar Meter eine Kamera, die die Stra_e entlangblickt, an den Laternen Schilder: 'Don't leave vehicles unattended!' mit der Bedeutung, da_ alleingelassene Fahrzeuge verddchtig sind und zum Sprengplatz geschleppt werden. Um Gerichts- und Polizeigebdude sind hohe Metallzdune und -wdnde aufgebaut, damit man sie nicht von der Stra_e aus beschie_en kann. Am Bahnhof steht ein Patrouillenfahrzeug und beobachtet ein paar Kinder, die M|ll verbrennen, mit Gewehren im Anschlag. Wir fahren mit dem 18:05-Zug f|r 6.50 Pfund nach Dundalk. Au_erhalb der Stadt kriegen wir zum ersten Mal irische Landschaft zu Gesicht, geprdgt durch Weidebau und Viehzucht, das Land duch Mauern und Zdune in Weidefldchen aufgeteilt. Der Anblick wird schnell langweilig, von wegen gr|ne Insel. Grasgr|n.

19:40 Der Zug kommt in Dundalk an. Man wird beim Verlassen der Bahnsteige nach Fahrkarten kontrolliert, auf Schwarzfahren stehen 400 irische Pfund oder drei Monate Gefdngnis als Strafe. Grenzkontrollen gibt es keine, nichtmal ein Hinweis darauf, da_ man die Grenze |berschritten hat. Auf dem Weg ins Stadtzentrum kommen wir an der Harp-Brauerei vorbei, einer der grv_eren irischen Brauereien. In der Stadt hat das TI schon zu, schvner Mist. Wo campen? Der ndchste Campingplatz liegt rund zehn Meilen au_erhalb, und Claus hat die Adresse der Bekanntschaft vergessen. Auch ein Telefonbuch hilft nicht weiter, sie stehen nicht drin. Mit Hilfe eines Iren schaffen wir es, die Telefonauskunft dazu zu |berreden, die Adresse 'rauszur|cken, obwohl die Leute sogar eine Geheimnummer haben. Doch die Freude wdhrt nur kurz - die Adresse liegt in einem Vorort meilenweit au_erhalb. Man sagt uns, es liege so drei Kilometer vom Stadtrand entfernt. Wir marschieren los, inzwischen ddmmert es. Nachdem wir Dundalk hinter uns gelassen haben, sind links und rechts der Stra_e eingezdunte Weiden zu sehen.
21:30 Wir erreichen eine Ansammlung Hduser, und ein Sta_enschild 'Dundalk 3 1/2 Miles'. Wir fragen einen Passanten nach der Adresse der Bekannten und erfahren, da_ der gesuchte Ort noch mindestens drei Meilen weiter drau_en liegt. Jetzt ist es aber zu spdt, die Entfernung noch zu laufen, wir kdmen zu sehr spdter Zeit unangek|ndigt an. Zum Gl|ck gibt es hier Bed and Breakfast. Wir klingeln an dem Haus, und bekommen ein Zimmer mit Dusche zum Preis von zwvlf Pfund pro Person. Wir schlafen zum ersten mal seit zweieinhalb Wochen nicht im Schlafsack auf der Isomatte.





Donnerstag, 3.9.92, 19.Tag




8:00 Aufstehen, jeder duscht ausgiebig.
9:15 Wir bekommen das Fr|hst|ck serviert, typisch englisches Bacon & Eggs Fr|hst|ck mit Toast und Cornflakes, Tee und Milch.
10:30 Wir marschieren los, die dreieinhalb Meilen zur|ck ins Zentrum von Dundalk. Dort lvsen wir Euroschecks ein, kaufen Getrdnke und eine Irlandkarte, beim TI hole ich ein Verzeichnis von Jugenherbergen und 'Independent Hostels' sowie Busfahrpldne. Claus schreibt noch eine Postkarte an die Bekanntschaft. Um 13:30 wollen wir den ndchsten Expressbus nach Dublin nehmen. Bis dahin sitzen wir an einer Brunnenanlage vor'm TI, ich durchstvbere die Brosch|ren, Claus und Christian schreiben Tagebuch.
13:30 Wir nehmen den Bus nach Dublin (kostet 6.00 Pfund). Es fahren jede Menge Sch|ler mit. Die Fahrt geht durch langweilige, landwirtschaftlich genutzte, kaum abwechslungsreiche Landschaft. Einzig fdllt auf, da_ sdmtliche Stra_enschilder und Ortsbezeichnungen zuerst in Gdlisch, dann in Englisch auf Schildern stehen. So hei_t Dublin beispielsweise Baile Ata Cliath.
16:00 Der Bus erreicht Dublin-City. Dublin macht etwas weniger den Eindruck einer Industriestadt als Belfast. Daf|r regnet es, als wir den Busbahnhof verlassen. Zundchst wollen wir eine Unterkunft f|r die Nacht finden, da es im Zentrum Dublins keine Campingpldtze gibt. Wir steuern ein Hostel an, das ist aber ausgebucht. So wenden wir uns ans TI, die gegen die Geb|hr von einem Pfund ein Zimmer in Kinley's Hostel in der Ndhe des Trinity College vermitteln. Das Zimmer kostet 10.50 Pfund pro Nase, die Unterkunft liegt daf|r aber schvn zentral. Auf dem Weg zum Hostel kommen wir zufdllig noch an dem Reiseb|ro vorbei, welches die 'Travel-Save-Stamp' f|r Studenten verkauft. Dabei handelt es sich um eine Art Briefmarke, die man f|r 7.00 Pfund kaufen kann und die in Verbindung mit dem internationalen Studentenausweis f|r Bahnfahrten 50 Prozent und Busfahrten bis zu 40 Prozent Rabatt bringt. Da wir ab sofort fast nur noch mit Fernbussen reisten, hat sich die Marke gelohnt.
18:10 Im Hostel beziehen wir unser Zimmer. Es ist ein Vierbettzimmer, ein Bett bleibt frei. Dusche und Toilette sind vorhanden. Wir bieten an, das vierte Bett zu belegen, falls jemand vorbeikommt, der unbedingt eine Unterkunft braucht, hdngen ein paar feuchte Klamotten |ber die Betten und gehen in die Stadt.
Nat|rlich wird es eine Tour-de-Fastfood, kein Wunder bei den vielen Ketten, die in Dublin City um Kunden buhlen. Spdter kommen wir zufdllig durchs K|nstlerviertel, und Chris und ich trinken noch ein Guinness in einer Kneipe (das Guinness-Bier wird in Dublin gebraut). Nat|rlich treffen wir auch in dieser kleinen, randvollen Kneipe Deutsche. Als wir gegen Mitternacht ins Zimmer zur|ckkommen, finden wir einen Rucksack und eine Namenskarte auf dem 4. Bett. 'Bates' steht 'drauf, sonst nix. Es findet sich noch eine B|rste mit d|nnen, langen, blonden Haaren auf der Fensterbank, die nicht zu uns gehvrt. Na, dann sind wir mal auf unsere MitbewohnerIn gespannt. Nach Inspektion des Aufenthalts- und Fernsehzimmers, in dem pausenlos MTV lduft (man scheint sich immer auf das niedrigste gemeinsame Niveau zu einigen), gehen wir zum Schlafen in unser Zimmer.

Das Einschlafen gestaltet sich als nicht so einfach, zum einen, weil vor dem Hostel eine der Hauptstra_en verlduft, zum anderen, weil die Betten zu weich und zu kurz sind. So nach eineinhalb Stunden d|rfte ich endlich eingeschlafen sein.






Freitag, 4.9.92, 20.Tag




3:30 Jemand schlie_t die T|r auf, benutzt die Toilette und verld_t das Zimmer recht gerduschvoll dann wieder. Allerdings sind wir alle drei nun wieder wach (und sauer).
3:45 Jemand versucht eine ganze Weile erfolglos, die T|r aufzuschlie_en, was in Anbetracht der Plastikkarten, die als Schl|ssel dienen und die man nur in einen Schlitz stecken mu_, eigentlich nicht so schwer ist. Mir langt's nach einer halben Minute, ich springe aus dem Etagenbett und rei_e die T|r auf. Davor steht ein ziemlich verdutztes blondes Mddchen, welches gerade noch in der Lage ist, mit 'Yes' auf die Frage zu antworten, ob sie Bates sei, dann ins Bett fdllt und einschldft. Jaja, irisches Bier und irischer Whiskey ... jetzt bin ich jedenfalls wieder richtig wach, und schlafe auch erst eine Stunde spdter wieder ein.
8:30 Wir stehen allmdhlich auf. Leider gibt es nur bis halb zehn das im Preis inbegriffene Fr|hst|ck, sonst hdtten wir wohl ldnger gepennt. Unsere Mitbewohnerin, bleich wie eine Leiche und immer noch ziemlich sprachunfdhig, verzichtet auf's Fr|hst|ck. Wir duschen noch schnell, dann gehen wir 'runter in den Speisesaal. Leider ist das Geschirr gerade alle, und die beiden Angestellten waschen lieber erst alle hundert schmutzigen Teller als reihum Teller, Besteck und Tassen. Was uns nach k|rzester Zeit dazu veranlasst, die Fr|hst|ckssachen einfach auf einem Tablett zu stapeln, ein paar Toasts zu rvsten und auch fast ohne Geschirr zurechtzukommen. Zu essen gibt es Toasts, Butter, Marmelade, Tee und O-Saft. Das ist also das 'Continental Breakfast' aus der Brosch|re. Um halb zehn wird man recht r|de darauf aufmerksam gemacht, da_ die K|che schlie_t: das Licht im Speisesaal wird abgeschaltet, und man wird alle paar Minuten dran erinnert, da_ man das Geschirr abliefern soll. Wir gehen hoch, die Rucksdcke packen. Bates liegt immer noch in ihrem Bett und ist fix und feritg.
Gegen 10:15 geben wir unsere Schl|sselkarte ab und verlassen das Hostel. Unser ndchstes Ziel: Galway an der Westk|ste Irlands. Der Zug dahin soll 24.00 Pfund kosten, der Bus blo_ 9.00 Pfund. Mit der Ermd_igung kostet der Bus 6.50 Pfund. 12:30 ist Abfahrt, vorher gehen Claus und Chris noch etwas Geld abheben, wir kaufen Getrdnke und S|_kram, dann kommt der Bus.

12:30 Abfahrt des Expressbusses nach Galway. Die irische Busgesellschaft betreibt eine Vielzahl von Fernbussen, mit denen man an jedes Ende der Insel kommt. Unser Bus fdhrt los, auf der Autobahn mit mindestens 120km/h, spdter |ber Landstra_e durch vdes Gr|nland, durch Steinmauern und Zdune in Weidefldchen f|r Rinder und Schafe geteilt. Stunden spdter kommt Meer in Sicht, wir erreichen Galway gegen 16:30. Galway ist eine kleinere Stadt, aber Hauptstadt des westlichen Teils von Irland. Hier gibt es ein paar Einkaufsstra_en, ein im Vergleich zur Saarbr|cker Saargalerie geschmackvoll eingerichtetes Einkaufszentrum, einen Hafen, der f|r Fischerei und zum Anliefern von Benzin f|r Westirland genutzt wird. Sogar ein College gibt es hier. Und im Park im Stadtzentrum steht eine Stahlplastik, die unserem Serra auf dem Saarbr|cker Campus alle Ehre machen w|rde, aber es ist kein echter Serra, und einen Gr|nen Punkt hat sie auch nicht.
Wir gehen ins TI, kaufen eine Karte der Galway-Bay und erkundigen uns nach dem ndchsten Campingplatz. Dieser liegt drei Kilometer au_erhalb, und gegen 19:40 soll ein Bus in die Richtung fahren (Tip: man erreicht ihn in einer halben Stunde auch zu Fu_: runter zum Hafen, die Hauptstra_e am Meer entlang, dann aus der Stadt raus Richtung Krankenhaus/Sportplatz, dort 'runter zum Meer). Wir nutzen die |brige Zeit zum Stadtbummel, kaufen Lebensmittel, werfen uns etwas Fast-Food 'rein und schicken noch ein paar Postkarten ab.

19:40 Der Bus Richtung Campingplatz fdhrt ab. Der Platz liegt direkt am Meer, mit Blick auf Galway und den Hafen in einiger Entfernung. Ein paar Zelte und Caravans sind da. Wir stellen das Zelt direkt neben die Begrenzungshecke zwischen zwei andere Zelte. Das Nebenzelt rechterhand gehvrt zwei Studentinnen aus Th|ringen, die per Interrail unterwegs sind und auch zwei Wochen in Schottland waren und nun zwei Wochen in Irland verbringen. Ansonsten sind noch Bonner, ein paar Mountainbiker und sogar Franzosen da. Wir kochen endlich mal wieder selber, es gibt Reis mit T|tenso_e, aber immerhin Cola statt Wasser zum Trinken. Es gibt noch einen recht netten Sonnenuntergang zu sehen, und Claus und ich gehen noch zum Strand 'raus. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen - endlich wieder im Schlafsack.





Samstag, 5.9.92, 21.Tag




9:30 Wir stehen auf und kochen Kaffee und Milch f|r M|sli. Wir unterhalten uns mit den Mddchen aus Th|ringen. Gegen 10:30 gehen die Mddels los und wollen per Zug ein wenig ins Land fahren, keltische Grabstdtten besichtigen. Wir packen langsam zusammen und marschieren gegen 12:30 los in Richtung Galway City. Wir wollen den 18:05-Bus nach Doolin nehmen, dem Ort, wo die acht Kilometer langen Cliffs of Moher, bis zu hundert Meter hohe Klippen, beginnen.
Die verbleibende Zeit verbringen wir im Stadtzentrum, sitzen im Stadtpark, lesen Zeitung, kaufen ein paar Fressalien. gegen 18:00 betreten wir den Bus, die knapp f|nfzig Kilometer lange Fahrt kostet inklusive Ermd_igung 4.20 Pfund. Nach einer Weile fdhrt der Bus durch den Burren, eine Karstlandschaft, die durch Menschenhand und Erosion entstanden ist. Die Landschaft liegt voller Kalkfelsbrocken, und es ragen gro_e, kahle und zerkl|ftete Kalkh|gel aus der Landschaft empor. Wdren nicht ab und zu ein paar Bdume dazwischen, kdme man sich vor wie auf dem Mond. Hinten im Bus sitzt eine Gruppe von f|nf jungen Frauen und singt munter vor sich hin irgendwelche Lieder. Sie wollen einfach nur per Bus bis Doolin und wieder zur|ck. Bei einer ziemlich starken Steigung und Serpentinen bekommt der Bus Probleme und schafft den Berg nicht. Der Fahrer sch|ttet einen Kanister Vl nach, fdhrt dann zur ndchsten Tankstelle und f|llt noch zwei Kanister Vl ein.

20:30 Ankunft in Doolin am Doolin Hostel. Der Fahrer verk|ndet, da_ er nicht mehr zur|ck nach Galway fdhrt, sehr zur Freude der Sdngerinnen. Sie quartieren sich im Hostel ein, ich erfrage ein paar Informationen, dann laufen wir den Kilometer bis zum Campingplatz. Der Campingplatz liegt hinter einem H|gel, fast direkt am Meer und neben dem kleinen Pier, von dem die Boote raus zu den Aran-Inseln fahren. Der Platz ist von einer Steinmauer umgeben, hat Duschen, WC und sogar eine K|che, die man benutzen kann. Es ist recht windig, wir m|ssen alle drei beim Zeltaufbau anpacken. Dann kochen wir noch in der Apsis Suppe und Reis. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen.





Sonntag, 6.9.92, 22.Tag




1:30 Ein paar Leute kehren recht lautstark aus dem Ort zur|ck und fangen im Nebenzelt an, Gitarre zu spielen und laut und falsch zu singen. Kurz bevor ich mich dazu entschlie_e, ihnen ein paar Hdringe 'rauszuziehen, hvren sie auf. Nun hvrt man nur noch den Sturm.
7:00 Es regnet und st|rmt.
8:00 Es st|rmt und regnet.
9:00 Es ist windig und verregnet.
12:00 Es hat aufgehvrt, zu regnen. Wir trauen uns aus dem Zelt. Claus und ich gehen am Felsstrrand entlang, zerfurchte, von der Brandung geschliffene Kalkplatten. Es wehen ziemlich krdftige Windbven und jagen gro_e Wellen ans Ufer. Man kann |ber die kleine Bucht die Cliffs of Moher sehen, die sich von hier bis zum Horizont erstrecken.
13:00 Wir lassen unsere Sachen im Zelt, und ziehen, nur mit Kamera und Feldflasche bewaffnet, los in Richtung Klippen. In einem Geschdft werden noch ein paar Schokoriegel erworben, dann laufen wir die Stra_e zu den Klippen entlang, nehmen einen davon abgehenden Feldweg, und laufen an einem Weidezaun entlang, rechts die Felsen und das Meer, links der Zaun und dazwischen nicht selten weniger als ein halber Meter. Noch sind die Klippen nur schrdg abfallend und nicht so arg hoch, und ausgewaschene Hvhlen bohren sich in den Fels. Ich rutsche auf dem nassen Stein aus und schlage mit das Knie auf, neben den M|ckenstichen zum Gl|ck meine einzige Verletzung wdhrend der gesamten Ferien.
Ein St|ck weiter geht es steil bergauf, und von da an fallen die Klippen zwischen 50 und 100 Meter senkrecht ab ins Meer. Viele Seevvgel nisten auf kleinen Felsvorspr|ngen, unten tosen die Wellen gegen die Felsen, oben schubst uns der Wind an der Kante 'rum. Eine tolle Aussicht prdsentiert sich von hier oben.

Gegen 15:00 machen wir eine kleine Rast, direkt am Klippenrand, und dvsen etwas in der minutenweise scheinenden Sonne. Hier oben ist es genauso windig wie auf dem Campingplatz.

Claus spaziert noch ein St|ck weiter die Klippen entlang, Christian folgt ihm wenig spdter; ich bleibe sitzen und schaue die Klippen 'runter. In der Ferne kann man im Tr|ben die Aran-Inseln erahnen.

16:00 Claus und Christian kommen wieder zur|ck, mit einem Paar aus Augsburg im Schlepptau. Sie fahren nach dem Irland-Velbinger, vielleicht sollten wir da mal reinschauen ...?
Im Ort kaufen wir noch ein paar Sachen ein, und am Zelt (mittlerweile st|rmt es bedrohlich stark) kochen wir Nudeln, Reis und Suppe. Einige Windbven schaffen es tatsdchlich, die Zeltkuppel gegen die Biegung der vier (!) Stangen zusammenzudr|cken, aber zum Gl|ck ohne Schdden. Wir ziehen die Abspannschn|re so straff wie es nur geht, die Bven rei_en krdftig am Zelt, aber es hdlt.

So gegen 20:30 liegen wir im Zelt. Die ganze Nacht durch st|rmt es krdftig, und Regen peitscht im Schauern auf's Zelt.






Montag, 7.9.92, 23.Tag




7:10 Aufstehen, da wir den einzigen Bus um 8:40 nach Galway kriegen m|ssen. Zum Fr|hst|ck gibt's Brot und Schokoladencreme. Als Claus zum Abwasch in die K|che geht, findet er dort f|nf oder sechs Leute vor, deren Zelt wohl die Nacht nicht |berlebt hat, und die es vorzogen, in der K|che zu |bernachten. Der Bus kommt um 8:40 und fdhrt tatsdchlich ab Campingplatz, wir hatten schon damit gerechnet, mit Rucksdcken bis zum Hostel joggen zu m|ssen. Im Bus finden sich wieder viele Rucksacktouristen ein, auch aus dem Hostel, nat|rlich auch Velbinger-Deutsche. Der Bus nimmt wieder die bereits bekannte Strecke durch die gespenstischen Felsen des Burren, und kommt um 10:45 in Galway an.
12:00 Abfahrt des Busses nach Donegal im Nordwesten Irlands. Die Fahrt kostet ermd_igt 7.50 Pfund, ohne Ermd_igung 13.00 Pfund. Der Bus ist rege mit deutschen Rucksacktouristen gef|llt. Die Landschaft ist eintvniges, gr|nes Weideland.
Beim Zwischenhalt in Sligo versaue ich mir mein einziges langes Hemd mit wei_er Farbe an einer frisch gestrichenen Klot|r. Auf Donegal zu fahren wir am Meer entlang, es gibt Sandstrdnde, Klippen und Inselchen zu sehen, allerdings in Sturm und Regen.

16:30 Ankunft in Donegal. Ein paar H|gel stehen in der Landschaft, ein paar Meilen vor Donegal ragen einige H|gel steil in die Hvhe. Ein interessanter Anblick. Wir marschieren ins TI und kaufen eine Karte von der Donegal Bay. Die irischen Karten sind im |brigen schlechter und wesentlich ungenauer als die Detailkarten, die man in Schottland in den TIs bekommt. Wir f|llen die Feldflaschen mit Wasser, und wir erkundigen uns nach dem Bus raus zur Slieve League, einem Berg, der in einer 600 Meter hohen Klippe am Meer endet. Donegal ist ein recht kleiner Ort, zwei Geschdftsstra_en, ein paar Wohnhduser, voll vom Tourismus abhdngig. Aber immerhin Verkehrsknoten mit Verbindungen nach Derry, in die restliche Provinz Donegal und nach Sligo, Galway und Dublin.
Claus kauft sich einen weiteren handgestrickten Wollpullover (f|r g|nstige 29.95 Pfund; der andere stammt aus Galway), dann gehen wir zur Bushaltestelle, um auf den Bus zu warten. Inzwischen regnet es auch krdftig.

18:15 Der Bus nach Carrick, dem ndchsten Ort zur Slieve League, fdhrt ab. Ich unterhalte mich mit ein paar Schweizern, im Bus noch einige Rucksacktouristen. Der rothaarige Busfahrer ist gut 'drauf, rei_t eine Menge Spr|che und fdhrt wie eine Wildsau, ein echtes Original. Vielleicht sollten wir im deutschen Vffentlichen Personennahverkehr mal irischen Whiskey einf|hren ...
Die Fahrt kostete als R|ckfahrticket 4.00 Pfund. In Carrick diskutieren wir dar|ber, ob wir gleich das vrtliche Hostel (das einzige himmelblaue Gebdude im Ort) nehmen sollen oder irgendwo wild am Berg campen. Schlie_lich gehen wir campen. Ein paar Kilometer die Bucht runter, etwas den Hang hinauf auf dem Weg zur Slieve League begegnet uns ein dlterer Herr und empfiehlt uns, auf dem Berg vorsichtig zu sein, es wdren auch diesen Sommer wieder Leute abgest|rzt. Wir kommen ins Gesprdch, der Mann ist Amerikaner mit irischen Vorfahren, hat Verwandtschaft in der Gegend und kommt jedes Jahr ein paar Wochen her. Wir wittern eine gute Gelegenheit, unsere Rucksdcke unterzustellen, wdhrend wir auf die Klippe wandern, und er willigt ein, da_ wir am ndchsten Morgen die Rucksdcke bei ihm abstellen kvnnen.

Gegen 21:00 haben wir einen geeigneten Zeltplatz in etwas windgesch|tzter Lage gefunden (was nicht hei_t, da_ es nicht auch dort zugig war, aber immerhin keine Bven). Wir kochen noch was zu Essen, und legen uns schlafen.

Die ganze Nacht durch bldst der Wind und es regnet in Schauern.






Dienstag, 8.9.92, 24.Tag




9:00 Aufstehen, wir zelebrieren das rituelle M|slifr|hst|ck. Chris findet beim Erledigen dringender Geschdfte einen guterhaltenen Schafschddel im Geb|sch, doch aus Platzgr|nden mu_ten wir ihn dortlassen.
10:30 Wir ziehen los, ein St|ck den H|gel 'runter. Der Amerikaner ist gerade nicht da, so stellen wir die Rucksdcke um die Ecke hinters Haus und legen einen Poncho als Ndsseschutz 'dr|ber. Nur mit Feldflasche, Kamera und einem Poncho bewaffnet ziehen wir los, bergauf Richtung Slieve League. Der Weg f|hrt am Hang entlang, durch Heidekraut und mooriges Geldnde. Ein paar Fl|sse kreuzen den Weg, wir f|hlen uns fast wie in Schottland. Schafe in Massen haben sich darauf verteilt. Je hvher wir kommen, desto besser wird die Aussicht auf die Bucht von Carrick und auf's Meer. Irgendwann wird der Rovertrack zum Trampelpfad und dann zur unvermeidlichen Schlamm- und Pf|tzenstrecke auf Torfboden. Ein paar Leute kommen uns von oben entgegen. Oben angekommen, finden wir uns in merkw|rdiger Umgebung wieder: der etwa f|nfzig Meter breite Hang ist sanft abgerundet wie ein H|gelgipfel und total ohne Planzen und Erde, scharfe Steinplatten und Steine ragen aus dem Boden, aber nicht als loses Gervll, alles steckt im Boden fest. Dazwischen befinden sich eine Handvoll Torfstreifen, einen Meter hoch und zehn Meter lang, sie sehen aus wie Inselchen in einem Flu_, obendrauf wdchst Gras, an den Seiten sind sie wie von Wassermassen abgeschwemmt. Auf der gegen|berliegenden Seite geht es recht steil 'runter. Wir haben einen phantasischen Weitblick, jede Menge Seen, einige H|gel, Hduser als winzige Punkte, man sieht hundert Kilometer oder mehr ins Land, und die Sonne scheint. Wir laufen zundchst in Richtung des Gipfels, wo auch ein Steinhaufen liegt, der die Spitze markiert. Kaum sind wir dort, h|llen Wolken den Berg ein. Die Sicht schrumpft plvtzlich auf unter f|nfzig Meter. Wir drgern uns erstmal und hoffen, da_ die Wolken verschwinden, bis wir auf dem schmalen und gefdhrlichen Pfad |ber der Klippenkante sind. Beim Gang |ber den H|gel in Richtung Klippe markieren wir noch die Stelle, an der der Pfad den Hang 'runtergeht, f|r den Fall, da_ der Nebel noch dichter wird. Auf's Meer zu steigt der H|gel noch etwas an, und plvtzlich liegen gro_e Felsklumpen auf dem Boden, wir m|ssen schon vorsichtiger gehen. Der Nebel wird noch etwas dichter. Dann kommen wir an seltsamen Steinhaufen vorbei: Kreise und Halbkreise aus |bereinandergeschichteten Steinen, dutzendweise. Und ein schmaler, zwei Meter langer Steinhaufen mit einer senkrecht stehenden Steinplatte mit eingraviertem Kreuz steht am Rand. Wir rdtseln, zu welchem Zweck sie errichtet wurden; spdter erfahren wir, da sich hier Mvnche vor ein paar hundert Jahren Steiniglus errichtet hatten und zum Meditieren hierher kamen.
Nun fdngt es an zu regnen, erst wenig, doch zusammen mit den aufkommenden krdftigen Sturmbven sch|ttet es auch richtig vom Himmel. Wdhrend Christian gegen seinen Poncho kdmpft und versucht, auf dem Boden zu bleiben, setzen wir uns in einen Steinkreis an eine windgesch|tzte Stelle und |berlegen, was wir tun sollen. Bei dem Wind und Nebel |ber die Klippe gehen scheint mehr als leichtsinnig, und so kehren wir nach zehnmin|tugem Warten ohne Wetterbesserung schweren Herzens um. Hundert Meter weiter unten scheint die Sonne, nur der H|gelkamm ist in Wolken geh|llt. So ein Drger!

14:00 Als wir unser Gepdck abholen, ist der Amerikaner zuhause. Er lddt uns zu einer Tasse Tee und Keksen ein und bietet uns ein paar Sitzpldtze um seinen torfbeheizten Kamin an. Wir unterhalten uns eine ganze Weile |ber alles Mvgliche, von irischer Geschichte |ber Umweltprobleme bis hin zu den Rostocker Krawallen, von denen wir aber auch nur die knappen Artikel in den Zeitungen kennen. Ansonsten erfuhren wir, da_ der Mann am Rande der Rocky Mountains in Colorado wohnt, an einer Hochschule Schuldirektoren ausbildet und jedes Jahr um diese Zeit hierherkommt. Wir unterhalten uns noch |ber irische, amerikanische und deutsche Bildunssysteme (wobei wir erfahren, da_ irische Kinder in der Grundschule Englisch und Gdlisch lernen m|ssen). Gegen 16:00 fdhrt er in den Ort, den M|ll wegbringen. Hier mu_ man seine M|llsdcke zur ndchsten grv_eren Stra_e bringen, damit sie abgeholt werden. Er setzt uns am Hostel ab, wir verabschieden uns und bekommen f|r 5.00 Pfund pro Nase ein Zimmer im Hostel. Wir sind die einzigen Gdste, ab der zweiten Septemberwoche nimmt der Tourismus in Irland und Schottland rapide ab. Wir kaufen im Laden gegen|ber ein, und kochen in der K|che des Hostels Spaghetti Bolognese und ein paar Zutaten. Im Zimmer spannen wir erstmal eine Wdscheleine und hdngen die immer noch nassen Sachen zum Trocknen auf. Chris hdngt seine Euroschecks dazu. Die Etagenbetten sind selbstgebastelt aus normalen Einzelbetten, wacklig, viel zu kurz und viel zu weich. Gegen Mitternacht ziehe ich auf die Isomatte auf den Boden um und liege wesentlich bequemer.





Mittwoch, 9.9.92, 25.Tag




7:30 Aufstehen, duschen, packen.
8:45 Wir stehen an der Stra_e an der Bushaltestelle. Es regnet ein wenig. Der Bus ist der einzige heute, der nach Donegal fdhrt. Gegen 9:00 kommt der Bus, es ist der Fahrer von vorgestern. E d|st in bekannter Fahrweise nach Donegal. Dort kommt etwa eine Viertelstunde spdter der Bus nach Derry. Wir kaufen noch eine Zeitung, geben die letzten irischen M|nzen f|r Schokoriegel aus, und fahren ab. Wir unterhalten uns mit einem Deutschen aus der Ndhe von Frankfurt, der ebenfalls nach Derry und von dort dann nach Belfast will. Beim \berfahren der Grenze von Irland zu Nordirland passieren wir Sperranlagen, die diejenigen an der ehemaligen Zonengrenze weit |bertreffen. Autos werden gefilzt, Gepdck durchsucht. Unser Bus fdhrt durch, hdlt an einer Haltebucht an, ein einzelner Soldat mit Maschinenpistole lduft einmal durch den Bus und schaut sich die Gesichter der Passagiere an. Die sieben Rucksdcke auf der R|ckbank w|rdigt er keines Blickes.
13:00 Ankunft in Derry. Dhnlich wie in Belfast patrouillieren hier Panzerfahrzeuge, um wichtige Gebdude gilt Parkverbot. Die Polizeistation ist abgeriegelt, man kann nur einzeln und im Schrittempo daran vorbeifahren. Davor: schwerbewaffnete Polizisten, Betonsperren auf der Stra_e, zwanzig Meter hohe Maschendrahtzdune gegen Wurfgeschosse. Der nordirische Konflikt brodelt in Derry seit 400 Jahren, ein Konflikt zwischen Protestanten und Katholiken, irischen und nordirischen Republikanern, Briten und Separatisten und mittendrin die Polizei und die britische Armee. Derry wird von einem Flu_ in zwei Hdlften geteilt. Auf einer Seite ist das Katholikenviertel, welches sich selbst als 'Free Derry' bezeichnet. Da Nordirland und vor allem die Protestanten dem protestantischen England verbunden sind, dominieren auch heute noch die Protestanten, was sich im Stadtbild widerspiegelt. Pro-IRA und Anti-England-Graffiti ist hie und da zu sehen.
Inmitten der Stadt finden wir die Altstadt mit Stadtmauer und Burg, alles recht gut renoviert. Darum eine Fu_gdngerzone mit vielen Geschdften. Wir tauschen unsere irischen Pfundnoten in englische Pfund, dann kaufen wir Obst und die obligatorischen Burger. Unser ndchstes Ziel ist der Giant's Causeway in der Ndhe von Bushmills. Bis zur Abfahrt des Busses laufen wir durch Derry.

15:45 Der Bus nach Coleraine fdhrt ab. Coleraine ist eine kleine Stadt mit College, wir bekommen aber nicht viel davon zu sehen, weil bald nach der Ankunft der Anschlu_bus kommt.
17:05 Wir besteigen den Bus von Coleraine nach Portrush. Gegen 17:30 sind wir in Portrush am Busbahnhof. Portrush liegt am Meer und nur noch acht Meilen vom Causeway entfernt.
18:05 Der Bus zum Causeway kommt. Keine zwanzig Minuten spdter sind wir am 'Giant's Causeway Visitor Centre' - kurz nachdem es f|r heute geschlossen hat. Wir laufen den Fu_weg auf der Klippenkante entlang, nach einem kurzen Wegst|ck f|hrt ein befestigter Pfad den Hang 'runter. Dann liegt er vor uns, vom Hang aus verschwindet er im Meer: der Giant's Causeway. Die Legende erzdhlt, da_ der Riese Finn McCool sich eines Tages in eine Riesin auf der Hebrideninsel Staffa verliebte und, um sie besuchen zu kvnnen, den Damm anlegte, indem er die Steinsdulen in den Boden rammte. Dabei handelt es sich um Basaltsdulen, die am Hangrand mehrere Meter weit aus dem Boden ragen, eine neben der anderen, und auf einer Breite von |ber drei_ig Metern wie ein Damm ins Meer f|hren, rund hundert Meter weit, unterm Wasserspiegel vielleicht noch weiter. In einem Prospekt steht, da_ es rund 37000 Sdulen sein sollen.
Nat|rlich ist es etwas st|rmig, und das Meer ld_t hohe Wellen gegen den Damm klatschen. Wir machen noch jede Menge Fotos, solange das Licht es zuld_t, und treten dann zusammen mit einem Dresdner Studenten gegen 20:30 den R|ckweg an. Ich hdtte ja lieber auf den Weiden |ber den Klippen gezeltet, aber Claus und Chris wollten nicht und waren auch nicht zu |berreden. Also laufen wir die rund f|nf Kilometer nach Bushmills, und von dort noch einen Kilometer nach Portballintrae zum Campingplatz, um dort das Zelt aufzuschlagen. Gegen 23:00 schlafen wir ein.






Donnerstag, 10.9.92, 26.Tag




10:00 Aufstehen. Es regnet mal gerade nicht, daf|r st|rmt es so, da_ man keine Handt|cher oder dhnliches drau_en liegen lassen kann. Wir kochen Milch und fr|hst|cken M|sli. Heutiger Plan: Besichtigen der 'Old Bushmills Distillery' in Bushmills, einer |ber zweihundert Jahre alten Brennerei.
12:05 Wir erreichen die Schnapsbrennerei. Die ndchste F|hrung ist um 13:30. Wir lassen uns einen Prospekt geben, und kaufen 'was zu futtern im naheliegenden Spar-Laden. Angesichts der gro_en Auswahl an Chipssorten beschlie_en wir, die Sorten durchzuprobieren, die wie noch nicht kennen. Dabei unter anderem: Beef, Chicken, Worchester Sauce, Krduter, Kdse. Wir k|ren die 'Worchester Sauce Flavor' zu den miesesten Kartoffelchips, die jemals unseren Gaumen passiert haben, und die 'Beef Flavour' landen auf Platz zwei.
13:30 Die F|hrung durch die Brennerei beginnt. Die Anlage ist durchaus modern, ein gro_er Behdlter, in dem Getreide und Enzyme verr|hrt werden, zehn Gdrbehdlter aus Edelstahl mit 44000 Litern Inhalt, und die Destillierhalle mit Kupferkesseln und Dreifachdestillation des Alkohols sind in einem gro_en Gebdude untergebracht. Die Anlage ist computergesteuert, ein Mann sitzt im Leitstand und langweilt sich. Aus den Rohren flie_t in armdicken Strvmen der destillierte Alkohol. Der Alkohol wird nach Destillation in Eichen- und Kirschfdsser gef|llt und bis zu zwvlf Jahre gelagert, bis er genug Aroma und Farbe aus dem Holz gelvst hat. Dann wird er abgemischt, abgeschmeckt, verd|nnt und abgef|llt - bis zu 55000 Flaschen am Tag. In der Produktion arbeiten ganze f|nf Leute, und rund neunzig Leute arbeiten in Verpackung, Transport und Marketing. Im Anschlu_ an die F|hrung gibt's pro Nase ein Gldschen zur Probe - mir schmeckt der Whiskey |berhaupt nicht. Der Scotch in Shenavall war um Klassen besser.
15:10 Zur|ck in der Ortsmitte erkundigen wir uns nach dem Bus in Richtung Belfast, kaufen ein paar Fressalien ein, und laufen zum Campingplatz nach Portballintrae zur|ck. Dort lesen wir erstmal die Zeitungen ausf|hrlich und schreiben ein paar Sachen auf.
19:30 Abendessen. Es gibt Suppe, das restliche Flockenp|ree und Nudeln mit So_e. Gegen 22:30 legen wir uns schlafen. Drau_en regnet es mal wieder, der Wind bldst unverdndert.





Freitag, 11.9.92, 27.Tag




8:00 Aufstehen, duschen, Fr|hst|ck. Diesmal gibt es die allerletzte Portion M|sli sowie Brot und Marmelade. Anschlie_end bauen wir das Zelt ab, verpacken unsere Ausr|stung und machen uns marschfertig.
9:50 Wir laufen zur Bushaltestelle am Bay Hotel, um den Ulsterbus 252 zu nehmen, der an der K|ste der Grafschaft Antrim entlang nach Belfast fdhrt.
10:35 Fast eine halbe Stunde kommt der Bus zu spdt und erlvst uns von Regen und Sturm. Die 'Antrim Coast Road' kann sich sehen lassen - fast immer direkt am Meer vorbei, |ber Klippen, am Strand entlang, durch kleine Hafenstddte.
13:40 Ankunft in Belfast. Auch hier regnet es. Wir gehen zundchst in ein Fish-and-Chips - Restaurant und essen zu Mittag. Dort treffen wir zwei Berliner, die per Auto unterwegs sind.
Die verbleibenden zwei Stunden bis zur Abfahrt wollten wir eigentlich damit verbringen, das Technological College zu besichtigen, aber wir kommen an einem Reiseb|ro vorbei und beschlie_en, bei der Gelegenheit die Fdhre |ber den Drmelkanal f|r die Heimreise zu buchen. Und siehe da, die Leute sind sogar venetzt und kvnnen Buchungen abfragen. So erfahren wir, da_ die billige Fdhre nach Holland auf Tage ausgebucht ist und suchen uns die Route Dover-Calais aus. Wir reservieren f|r Samstag, 15:05 auf Seacat. Dieser Spa_ kostet 140.00 Pfund.

Das Buchen hat trotz Computer enorme Zeit gekostet, wir streichen die Besichtigung und gehen gleich zum Fdhrterminal. Dort kaufen wir Tickets und setzen uns f|r eine halbe Stunde in den Wartesaal. Ich befrage das Personal an den Rvntgengerdten, ob es sich um Rvntgenspektroskopie oder einfaches Durchleuchten handelt (weil die Maschinen zwei Monitore, einen monochromen und einen farbigen, haben), sie meinen aber grinsend, das kvnnten sie mir nicht sagen.

16:40 Abfahrt der Seacat nach Stranraer. Es werden die gleichen Sicherheitsvorkehrungen wie auf der Hinfahrt getroffen. Die \berfahrt ist ruhiger als die Hinfahrt. Gegen 18:00 fdhrt das Schiff in die Bucht von Stranraer ein, wir sind wieder in Schottland. Prompt fdngt es an zu regnen, und der Regenbogen wirkt fast schon hvhnisch.
18:20 Die Fdhre hat angelegt. Wir gehen von Bord, nehmen unser Gepdck in Empfang, und gehen zum Auto. Es ist noch da. Wir rdumen ein, und d|sen los in Richtung Dumfries/Carlisle. Morgen um 14:30 m|ssen wir am S|dende Englands in Dover sein. Die Stra_e ist gut ausgebaut, eine gerade Schnellstra_e, ab und zu ein kleines Kaff. Gegen 20:30 biegen wir in eine Ortschaft ab und wollen tanken. Nachdem das Bargeld etwas knapp ist, wollen wir per Euroscheck zahlen und fragen nach, ob diese akzeptiert werden. Die Gesichter der Leute waren nicht schlecht, sie sahen soeben zum ersten Mal in ihrem Leben einen Euroscheck. Sie wollten ihn auch nicht akzeptieren (aber von etwa sieben Kreditkartengesellschaften hdngen die Karten in der T|r!), so versuchen wir es einen halben Kilometer weiter bei BP. Die Kassiererin wu_te zwar, was Euroschecks sind, aber ihr Chef wollte sie nicht akzeptieren. So tanken wir f|r 5.00 Pfund und fahren weiter. Einige Kilometer weiter treffen wir auf eine Esso-Tankstelle, die Euroschecks nimmt. Bei der Gelegenheit finden wir noch vier Sorten Chips, die es zu probieren gilt, aber keine davon unterbietet 'Worchester Sauce Flavor'.
Gegen 21:00 Uhr fahren wir weg von der Schnellstra_e durch einen grv_eren Ort auf einen Campingplatz. Der Platz ist schon geschlossen, die Toiletten verriegelt. Aber man kann die Wiese noch benutzen. Ein Zelt steht noch da, es ist ein Student aus Halle, der per Fahrrad unterwegs ist. Wir bauen das Zelt auf und futtern die restlichen Fressalien (Reis, Reis, Reis und Suppe). Gegen 22:30 fdngt es an zu regnen, dann plvtzlich hagelt es krdftig. Willkommen in Schottland.






Samstag, 12.9.92, 28.Tag




5:30 Der erste von uns wird wach. Wir stehen auf, packen zusammen. Wir haben noch viele hundert Kilometer vor uns und m|ssen p|nktlich in Dover sein.
6:00 Wir fahren los, auf die Schellstra_e nach Carlisle, dort auf die Autobahn Richtung London. Es fdhrt sich |berraschend gut, kaum stockender Verkehr oder |berholende LKW. Mit Tempo 140 umfliegen wir London. Wir halten nur einmal zum Tanken.
12:20 Wir erreichen Dover - zwei Stunden zu fr|h! Ich gehe mit unserem Ticket zum Schalter der Fdhrgesellschaft und frage nach einer fr|heren Fdhre. Wir werden ohne Mehrkosten auf den Hovercraft um 13:05 gebucht. Dann d|sen wir ans andere Ende des Stadt, wo wir auf das Luftkissenboot fahren.
13:05 Das Luftkissenboot fdhrt los. Es legt ein enormes Tempo vor, nach einer halben Stunde sind wir in Calais. Die Uhren werden um eine Stunde vorgestellt, nun ist es 14:35, Kontinentalzeit. Wir fahren Landstra_e in Richtung Lihge und dann auf die belgische Autobahn. Es folgen noch ein paar eintvnige Stunden Fahrt durch Belgien und Luxemburg, dann erreichen wir Perl, Grenzstadt im Saarland. Noch ein paar Kilometer Landstra_e, dann die Saarautobahn A8 bis Saarlouis, |ber Heusweiler zum Saarbr|cker Kreuz, Merchweiler, Heiligenwald. Um 20:40 sind wir in Heiligenwald, Chris steigt aus, um 9:00 steige ich in Spiesen aus, und f|nf Minuten spdter d|rfte Claus zuhause in Neunkirchen gewesen sein.





Anhang




a) Material




F|r alle, die es interessiert, hier noch eine Liste der Sachen, die ich mit mir herumgetragen habe. Dazu hatten wir noch Medikamente, Verbandsmaterial, Spirituskocher und einiges mehr, doch dies war bei Christian oder Claus untergebracht, ich habe nur meine Sachen registriert. Au_erdem lie_en wir einen Satz frische Klamotten im Auto f|r den Tag der R|ckkehr.

1 Expeditionsrucksack 'Spire 70'
1 Rucksack-Wanderponcho
1 Innenzelt unseres Zeltes
1 Isomatte
1 Schlafsack
1 Klappspaten mit Beil und Sdge
1 Fertigangel (Schnur, Blei, Haken, Schwimmer) auf Halterung
1 Schreibblock A5
1 Hardcover f|r den Block
1 Kugelschreiber
1 Bleistift
1 Edding 3000
1 Tapetenmesser
3 B|cher (Reisef|hrer, Survival, Wvrterbuch)
-diverse Zettel und Heftchen vom Britischen Fremdenverkehrsamt
1 Schottland-Stra_enkarte
1 Irland-Stra_enkarte
1 OS-Karte 'Isle of Skye/Torridon Hills'
3 Dia-Filme
1 Spiegelreflex-Kamera mit Objektiv
1 Brillenetui mit Ersatzbrille und Brillenputztuch
1 Sonnenbrille
1 Armbanduhr, mechanisch
1 Schweizer Messer
2 Geldbeutel
-Euroschecks und Scheckkarte
1 Internationaler Studentenausweis
1 Studentenausweis
1 F|hrerschein
1 Personalausweis
1 Jugendherbergsausweis
2 Auslandskrankenscheine
5 Visitenkarten
1 Notizbuch mit Kalender
1 Taschencomputer
1 Toilettenbeutel mit
Zahnb|rste
Na_rasierer und Klingen
Zahncreme
Waschlappen
Latexhandschuhe
Haarshampoo
Rasierwasser
Mullbinde
Heftpflaster
Sonnencreme (|berfl|ssig, besser Fettcreme mitnehmen)
Fingernagelschneider
Pinzette (wg. Stacheln oder Splittern)
1 Filmdose mit Streichhvlzern und Reiben (wasserdicht)
2 Schachteln Sturmstreichhvlzer
2 Feuerzeuge
2 Riemen mit Schnallen (Ersatz f|r Rucksack)
2 Ersatz-Steckschnallen f|r Rucksack
1 2-Liter-Feldflasche mit Tragetasche
1 Paar Lederwanderstiefel
1 Paar robuste Lederhalbschuhe
1 Paar Einlagen
1 Paar Badesandalen
1 Badehandtuch
1 kleines Handtuch
1 kleines Geschirrhandtuch
1 Kunststoffbrotzeitdose mit Besteck
2 Rollen Toilettenpapier
1 Dose Schuhfett
1 Schuhb|rste zum Fetten
1 Kleiderb|rste
1 Tube Alleskleber
2 Paar Ersatz-Schn|rsenkel
1 Rolle Isolierband
1 Schachtel Schnellverschl|sse f|r Gefrierbeutel
1 Taschenlampe
8 Batterien (4 hdtten gereicht)
2 Liter Spiritus
2 Rollen Paketschnur
4 Scheuerschwdmme f|r's Geschirr
1 Rvhrchen Vitamin-Brause-Tabletten
2 Pdckchen Kaugummi

Kleidung: 1 Shorts (nicht notwendig)
2 dicke Wollpullis
2 lange Hosen
5 Unterhosen (unbedingt testen, ob sie scheuern!)
2 Unterhemden
4 Paar Socken
6 T-Shirts (3 hdtten gereicht)
1 langdrmliges Hemd
1 Badehose (nur zweimal benutzt, eine Unterhose hdtte gereicht)
(f|r's ndchste Mal: vielleicht schnell trocknende Kunstfaser-Kleidung!)
Fressalien: M|sli
Reis
Instant-Kartoffelbrei
T|tensuppen
T|tenso_en
Instant-Tee (Krdutergeschmack)
Milchpulver
Schokolade




b) Probleme mit der Ausr|stung




Hier die Schdden, die an Ausr|stung auftraten.

Wanderstiefel Bei mir: Sohle lvste sich, mit Spezialkleber festgeklebt. Chris: Ein Gummiteil lvste sich, es ging auch ohne. Claus: 4 Paar Schn|rsenkel verbraucht
Poncho Claus: Poncho seitlich aufgerissen. Keine Reparatur. Ich: Druckknvpfe an der Seite mit Draht zugebunden, weil sie aufsprangen. G|rtelschlaufe an der Ponchoh|lle abgerissen. Keine Reparatur.
Taschenlampe Ich: Wackelkontakt. Beseitigt durch Verbiegen der Feder im Batteriefach.
Schlafsack Chris: Im Fu_raum seines Daunenschlafsacks machten sich die Daunen rar. Lvsung durch Klamotten um die kalten F|_e.
Zelt Die Drahtheringe verbiegen sich, Sturmheringe halten das Hdmmern in steinigen Boden aus.
In der Apsis kann mangels Bodenfolie Wasser an die Rucksdcke kommen. Wir legten, wo mvglich, Dste oder Steine unter.




c) Verletzungen/Krankheiten




Bei mir stellte sich ein:

1 Blase am Fu_ nach zwei Tagen (war bald weg) 3 wunde Stellen auf Zehen nach Marsch in nassen Socken 1 aufgeschlagenes Knie (von einem Ausrutscher auf den Cliffs of Moher) hunderte M|ckenstiche (spdter hatten wir M|ckenschutz, bis dahin Systral) leichter Schnupfen
ein paar Kratzer von Geb|schen






d) Kosten




Hier ein paar Preise f|r den Fall, da_ jemand auch einen solchen Trip machen mvchte. In Pfund bezahlte Dinge wurden zum damaligen Kurs von DM2.90 pro Pfund umgerechnet.

Rucksack 'Spire 70': 298,- Preise in DM
Schlafsack Kunstfaser bis -15 Grad: 230,-
Isomatte, geschlossene Poren, einlagig: 25,-
Rucksackponcho: 119,-
Feldflasche mit Tragegurten: 15,-
Wasserfaltkanister 10 Liter: 10,-
Zelt 'Wind River 2' (3 Personen): 800,-
Autofdhre Holland-England: 270,-
Hoverspeed England-Frankreich: 390,-
Personenticket Belfast-Stranraer: 40,-
Wanderstiefel Kunstfaser, wasserdicht: 240,-
Sturm-Spirituskocher Trangia: 99,-
\bernachtung Dublin: 27,-
Campingplatz: im Schnitt 18,-
Kartenmaterial: bis zu 20,-






e) Adressen




Informationsmaterial |ber Irland und Schottland kann angefordert werden bei:

Britische Fremdenverkehrszentrale (Schottland und Nordirland) Taunusstra_e 52-60
6000 Frankfurt 1
Tel. 069-2380711
Fax. 069-2380717
Btx. 22002

Die Btx-Seiten sind auch am vffentlichen BTX-Terminal abzurufen. Stichwort: Gro_britannien.

Irische Fremdenverkehrszentrale
6000 Frankfurt 1

Die Adresse ist leider nicht mehr vorhanden.

ENDE

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