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Korsika: Eine Rucksackwanderung (Deutsch)

  • Submitted by: Christian Blum
  • Submission Date: 10th Feb 2005



(C) Copyright 1993 by Christian Blum, all rights reserved.




Dieser Text gehört mir, mir allein! Einer Verbreitung in elektronischen Datennetzen stimme ich zu, allerdings muß dies unverändert geschehen, und dieser Header muß dranbleiben! Weitergeben erlaubt, persönlicher Gebrauch erlaubt, Profit damit machen verboten! (Oder ich kriege meinen Teil ab...)

Für keine der in diesem Text gemachten Angaben übernehme ich irgendeine Gewähr.

Eine englische Version dieses Textes ist geplant, aber das kann dauern.

Der Text ist im ISO-8859-1 Zeichensatz gehalten; siehe dazu das Kapitel 'Zeichensatz'.






Inhalt




Einleitung
Zeichensatz

Korsika - Daten und Fakten, Land und Leute
Die Landessprache
Vegetation
Die Tierwelt auf Korsika
Wald- und Macchiabrand

Währung und Gelddinge Handwerkszeug (Reiseführer und Karten)

Der GR 20
Übernachtung
Wegmarkierungen
Wasserversorgung
Verpflegung

Essen und Trinken auf Korsika
Charcuterie Corse - Wurstwaren
Fisch und Krustentiere
Fleisch
Käse
Diverses
Wein
Sonstige Getränke

Anreisemöglichkeiten
Flugzeug
Auto / Motorrad
Per Bahn
Der Fähren-Nepp
Unsere Anreise

Ausrüstung
Allgemeines und Gruppenausrüstung
Persönliche Ausrüstung

Mit Fahrrad und Rucksack in Korsika: Gepäcksachen Strom und sowas

Die eigentliche Reise
0. Tag bis 18. Tag

Anhang I (Details zur Ausrüstung und sonstiger Kleinkram)
Anhang II (Adressen)






Einleitung




Dies ist ein Reisebericht über meinen (Rucksack-)Urlaub in Korsika, den ich für interessierte Leser und potentielle Nachahmer um einige Informationen erweitert habe. Wir reisten vom Saarland (im Südwesten Deutschlands) aus mit der Bahn nach Südfrankreich, fuhren von dort mit der Fähre rüber nach Korsika, hielten uns einen Tag an der Ostküste auf, bevor wir die Insel auf dem anspruchsvollen, durch Gebirge führenden Wanderweg GR20 in 10 Tagen zur Hälfte durchquerten. Nach Beendigung der Wandertour hielten wir uns noch 2 Tage im Inselinnern auf, bevor wir mit der Eisenbahn an die Nordwestküste fuhren, um unseren Urlaub am Strand ausklingen zu lassen. Nach 3 Tagen an der Küste reisten wir per Fähre und Bahn über Südfrankreich zurück.

Wir, das sind Markus Koch, Thomas Groß (thgr@stud.uni-sb.de) und Christian Blum (chbl@stud.uni-sb.de). Wir sind 23 Jahre alt und studieren alle Elektrotechnik im sechsten Semester an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken. Wir leben und studieren nicht nur im Saarland, dem südwestlichsten Bundesland (hallo, Baden-Württemberg!) und kleinsten Flächenstaat Deutschlands, wir sind auch alle drei dort geboren.

Wie wir auf Korsika als Reiseziel gekommen sind, das weiß heute keiner mehr so genau. Wir wollten eine solche Tour schon längere Zeit machen, und jetzt hat es sich eben ergeben. Daß Korsika in die nähere Wahl kam und letztendlich gewonnen hat, lag daran, daß wir ein nicht so dicht besiedeltes und abwechselungsreiches Gebiet durchwandern wollten, und genau das haben wir auf Korsika vorgefunden.

Für Thomas und Markus war es die erste längere Tour mit Rucksack; ich war letztes Jahr mit dem Rucksack vier Wochen in Schottland und Irland (siehe Reisebericht Schottland/Irland 1992 von Lothar Fritsch). Aber zusammen waren wir schon zweimal vier Tage 'zur Probe' im Elsaß in Frankreich unterwegs.

Ich habe mich bemüht, aus diesem Reisebericht mehr als nur eine bloße Aneinanderreihung von Stichpunkten zu machen; ob es mir gelungen ist, mag der Leser selbst beurteilen, es ist mein erster. Auf alle Fälle habe ich jede Menge Zusatzinformation für Nachahmer mit hineingepackt. Über Kritik (positive wie negative) freue ich mich, und weitergehende Fragen zur Materie beantworte ich auch gerne, wenn ich kann.

Ach ja, der eigentliche Reisebericht beginnt etwa in der Mitte dieses Textes; das davor dient der Einstimmung und denen, die nach uns kommen.

Ironie und Sarkasmus sowie gespielten Ärger habe ich _nicht_ gekennzeichnet; ich hoffe auf den Verstand des Lesers, der mich nicht für einen Bärbeißer und Idioten halten wird.






Zeichensatz




Dieser Text ist in ISO-8859-1 geschrieben. Für diejenigen, deren Rechner diesen Zeichensatz nicht unterstützt, hier eine kleine Konvertierungstabelle; die übrigen Zeichen in diesem Text entsprechen

ASCII:

Zeichen...dezimal...hex...Beschreibung


--------------------------------------------------------------------------------

..Ä.........196.....C4....großes Ae
..Ö.........214.....D6....großes Oe
..Ü.........220.....DC....großes Ue
..ä.........228.....E4....kleines ae
..ö.........246.....F6....kleines oe
..ü.........252.....FC....kleines ue
..ß.........223.....DF....scharfes s
..é.........233.....E9....e mit accent egu (/)
..è.........232.....E8....e mit accent grave (\)
..ê.........234.....EA....e mit accent circonflex (^)
..ó.........243.....F3....o mit accent egu (/)
..ò.........242.....F2....o mit accent grave (\)
..ô.........244.....F4....o mit accent circonflex (^)
..û.........201.....C9....u mit accent circonflex (^)
..ç.........231.....E7....c mit cedille (,)
..Ç.........199.....C7....C mit cedille (,)
..º.........186.....BA....hochgestelltes o mit Strich (numero)




Achtung Reklame




Für PC-Benutzer empfehle ich eines meiner Programme zum Textlesen:
den Textbrowser READ, erhältlich von garbo.uwasa.fi und diversen mirror sites (wie zum Beispiel wuarchive.wustl.edu) im Verzeichnis pc/fileutil. Das File heißt 'read_202.zip' (eventuell gibt es mittlerweile auch eine neuere Version). READ versteht den ISO-Zeichensatz und kann ihn auch in IBM-ASCII umwandeln. Wer READ dort nicht findet (aber bitte nur dann, wir haben nur eine schwache 64 kBit-Leitung), kann auf pfsparc02.phil15.uni-sb.de (bald pfsparc02.phil.uni-sb.de; 134.96.82.13) im Verzeichnis pub/E-Technik/afd nachsehen. Auf jeden Fall vorher einen Archie konsultieren!






Korsika - Daten und Fakten, Land und Leute




Korsika ist eine Insel im Mittelmeer; es liegt näher an der italienischen als an der französischen Küste, gehört aber zu Frankreich. Obwohl das die Korsen nicht gerne hören, aber dazu später mehr.

Die Insel ist 183km lang und 83km breit, der höchste Berg, der Mt. Cinto, ist 2710m hoch. Mit 8720 qkm ist Korsika die drittgrößte Insel im Mittelmeer. Über 1000km Küste, und immerhin 300km Badestrand, ca. 50 Berge über 2000m. Ca. 86% der Fläche ist Bergland, nur 14% ist Küstentiefland.

Auf Korsika wohnen ca. 240000 Menschen, die sich zu etwa 40% in den Städten Ajaccio und Bastia rumdrücken. Im Schnitt 28 Einwohner pro Quadratkilometer, aber auf Großteilen der Fläche nur 2 Einwohner pro Quadratkilometer.

Korsika ist unterteilt in zwei Départements: Corse du Sud, Hauptstadt Ajaccio, Autokennzeichen 2A, und Haute Corse mit der Haupstadt Bastia und dem Autokennzeichen 2B.

Auf Korsika findet man alles von maritim bis alpin, und das in Ein-Tages-Wanderentfernung!

Das Wetter ist im Sommer warm und trocken, aber im Gebirge findet man noch im Juni Schnee! Juli und August gelten als regensicher; im Mittel gibt es in dieser Zeit zwei Regentage.

Auf Korsika gibt es, vor allem an der Küste, reichlich Telefonzellen, allerdings braucht man eine Telefonkarte. Dann für Auslandsgespräche die 19 wählen, auf den Brummton warten, und dann die Landeskennziffer, z.B. 49 für Deutschland. In Frankreich (und Korsika gehört zu Frankreich) sind alle Telefonnummern (außer in Paris) achtstellig; die ersten zwei Ziffern sind die Vorwahl, für Korsika ist es die 95. Allgemein ist das Telefonieren erschwinglich, etwas billiger als etwa in Deutschland.

Wie schon gesagt, die Korsen sind Franzosen - auf dem Papier. Sie haben aber eine sehr eigene Mentalität, sie sprechen eine eigene Sprache, und wollen großenteils mit Frankreich nichts zu tun haben. Viele Korsen haben französische Vornamen und italienische Nachnamen.

Die Korsen sind ursprünglich ein Berg- und Hirtenvolk; heute leben sie viel vom Tourismus. Generell sind die Ausbildungs- und Berufschancen auf Korsika für junge Leute schlecht, es ist also kein Wunder, daß die Insel immer mehr überaltert. Allerdings ist es auf dem Festland auch nicht mehr viel einfacher, und so bauen sich immer mehr junge Leute wieder eine Existenz auf der Insel aus.

Daß Korsika noch immer zu Frankreich gehört, liegt vielleicht auch daran, daß nur etwa die Hälfte der Inselbewohner wirklich Korsen sind. Der Rest sind Festlandsfranzosen, Algerienfranzosen und etwa 10% Gastarbeiter aus Nordafrika. Dennoch gibt es starke Separationsbewegungen auf Korsika, und ihre Parolen sind allgegenwärtig.

Ein Name ist wirklich wichtig: Pascal Paoli (1725-1807). Sein Name ist allgegenwärtig in Straßen- und Platznamen, er ist der bedeutendste und effektivste Kämpfer für die Freiheit Korsikas und ist eine Art Landesheiliger. Er hat es sogar geschafft, der Insel 14 Jahre Unabhängigkeit zu verschaffen (1755-1769)!






Die Landessprache




Auf Korsika spricht man Korsisch. Das Korsische ist dem Italienischen recht ähnlich; oft haben Wörter nur andere Endsilben. Allerdings ist die Amtssprache Französisch, und so gut wie alle Korsen können Französisch. Insbesondere die jungen Korsen sprechen Französisch, während die Alten untereinander Korsisch reden.

Wer nach Korsika fährt, tut gut daran, Französisch zu können. Mit Englisch kommt man nicht allzu weit, es wird höchstens mal auf Campingplätzen, in Hotels und Informationsbüros gesprochen, aber mit etwa der gleichen Wahrscheinlichkeit wie Deutsch. Wer Italienisch kann, dem sind diese Kenntnisse auf Korsika von Nutzen, denn insbesondere an der Ostküste, die viel von Italienern besucht wird, sprechen viele Italienisch.

Nun soll sich aber keiner von einem Korsika-Besuch abhalten lassen, nur weil er nicht fließend Französisch spricht. Notfalls gibt es ja noch den linken und den rechten Kommunikator, und die Schulkenntnisse kommen schon wieder zum Vorschein, wenn man ein paar Tage auf der Insel ist.

Von uns dreien spricht Thomas Französisch am besten (mitnichten fließend), aber auch Markus und ich können uns verständlich machen. Daß ich in Englisch ziemlich firm bin, hat mir nur selten was geholfen, und daß ich mir vor der Fahrt ein paar Blicke in meine alten Französisch-Schulbücher aufgezwungen habe, habe ich nicht bereut.






Vegetation




Ca. 1/4 der Insel ist mit Macchia bedeckt, ein Gemisch aus wild wuchernden immergrünen Kräutern, Sträuchern und Bäumchen. Mitunter wuchert das Zeug mehrere Meter hoch, aber normalerweise ist es kniehoch. Besonders im frühen Sommer verströmt die Macchia den typisch korsischen Duft, an dem Napoleon 'seine' Insel erkannt haben will. Besonders schön ist die Macchia im späten Frühling und frühen Sommer, weil dann die meisten Büsche und Blumen blühen.

Auch Wald gibt es auf Korsika, vor allem Kiefern, aber auch Korkeichen, Edelkastanien und Buchen. Buchen wachsen auch viel als Gestrüpp, besonders in den höheren Lagen.






Die Tierwelt auf Korsika




Gleich vorneweg: von Zoologie verstehe ich soviel wie die Kuh vom Fliegen. Ich beschreibe die Fauna hier in meinen eigenen Worten nur so weit, wie sie den Korsika-Touristen betrifft.

In Korsika läuft allerlei Nutzvieh frei im Wald rum: sowohl Rinder als auch Hausschweine, Pferde, Esel und Hühner werden hier nicht eingesperrt. An die Begegnung mit ihnen gewöhnt man sich recht schnell, sie ist absolut alltäglich. Insbesondere von den Hausschweinen geht allerdings ein kleines Problem aus: die Biester haben einen phantastischen Geruchssinn, jede Art von Futter finden sie meilenweit, durch Zelte, Rucksäcke und sogar Verpackungen hindurch. Berichten zufolge haben Schweine schon Rucksäcke zerlegt, um an eine Dose (!) Isostar zu kommen. Der sicherste Ort für Rucksäcke mit Futter sind Bäume, denn klettern ist so ziemlich das einzige, was sie nicht können. Wer seinen Rucksack mit Schweinefutter unbeaufsichtigt im Zelt liegen läßt, ist selber schuld, wenn die Tour vorzeitig endet. Allerdings ist man auf den Campingplätzen vor solcherlei Getier sicher; diese Probleme hat man nur in den Bergen, und auch dort nicht überall.

Man muß aber auch eine Lanze für die Schweine brechen: sie sind zwar neugierig und gefräßig, aber ansonsten vollkommen harmlos und lassen sich leicht auf Distanz halten. Wer sie allerdings füttert, ist selber schuld, wenn er sie nicht mehr los wird. Wildschweine gibt es, aber sie sind kleiner als auf dem Kontinent und äußerst scheu.

Korsikas Vogelwelt ist nicht gerade atemberaubend; wer Vögel beobachten will, geht besser nach Schottland, denn hier gibt es vor allem eine kleine Vogelart, die finkenartige Geräusche macht, und natürlich Hühner und Tauben. Amseln gibt es nicht mehr allzuviele, sie wurden in der Vergangenheit fast alle zu Pastete verarbeitet.

Auch Insekten gibt es relativ wenige. Stechinsekten sind besonders selten; wir wurden nur selten gestochen, ganz anders, als auf meinem letzen Urlaub in Schottland. Hier stechen nicht mal die Wespen, die es vor allem an der Küste reichlich gibt und die einen beim Essen ziemlich nerven können, weil sie alles Süße zielsicher attackieren. Am besten stellt man irgendwo eine Schale mit Limo oder Zuckerwasser hin, dann hat man einigermaßen seine Ruhe.

Oben in den Bergen gibt es vor allem drei Sorten Tiere. Eine davon ist eine bis zu 15cm große Eidechsenart, die es überall dort gibt, wo die Sonne viel auf kahles Gestein bratzt. Sie dezimieren in diesen Gegenden die beiden anderen Sorten Tiere so weit, daß man ihnen fast schon dankbar dafür ist. Richtig, die anderen beiden Sorten sind klein und fliegen: eine Art kleine Stubenfliege, die sich besonders dadurch auszeichnet, daß sie Ohrenschmalz mag (und das nervt vielleicht!) und diese gelb-schwarz gestreiften Wespenimitationen, die sich bewegen wie Hubschrauber und dabei ziemlich viel Krach machen. Alle beiden weigern sich entschieden, auf chemische Keulen wie Autan oder auch stärkere Mittel zu reagieren; man kann das Zeug gleich zuhause lassen, es nützt nix.






Wald- und Macchiabrand




Jedes Jahr gehen in Korsika Tausende Hektar Macchia und Wald in Flammen auf. Schätzungen zufolge gehen dabei etwa 10% der Brände von Selbstentzündungen aus, der Rest ist Unachtsamkeit und Brandstiftung. Hirten brandroden für neues Weideland, Touristen schmeißen brennende Kippen sorglos weg, und mancher Wildcamper brennt trotz totalem Verbot ein Lagerfeuer an. Mitunter stöbern die Jäger auch Wildschweine mit Feuer auf.

Die Korsen machen sich aus Wald- und Macchiabränden nicht mehr allzu viel - da hätten sie auch viel zu tun, denn irgendwo brennt es auf der Insel im Sommer immer. Löscharbeiten beschränken sich in der Regel auf bewohnte Gebiete, unter anderem deshalb, weil sie sehr teuer sind. Das Gelände im Landesinnern ist unwegsam bis unzugänglich, es kann also fast nur aus der Luft gelöscht werden. Die alten Löschflugzeuge vom Typ Canadair sind ein teueres Spielzeug, eine Flugstunde kostet immerhin 20000 FF! Denn die alten Kisten verbrennen teueres Flugbenzin statt Kerosin, und zwar eine ganze Menge davon, und haben nur eine Kapazität von 5300 Litern Wasser.

Für die Piloten ist es ein ziemliches Husarenstück, einen Waldbrand zu bekämpfen, denn die Cockpits sind nicht klimatisiert, und Instrumente für Blindflug im dicken Qualm haben die Kisten auch nicht.

Die Brände sind der Hauptgrund für das Verbot, wild zu campieren. Nicht, daß dadurch das Lagerfeuermachen eingeschränkt werden soll, nein, es geht vielmehr darum, die Leute wenigstens nachts an genau definierten Stellen mit Sprechfunk (nämlich den Hütten) zu haben.






Gährung und Gelddinge




Auf Korsika bezahlt man mit Französischen Francs (F, FF oder FRF), die Untereinheit heißt Centimes (cent. oder cts.), und wie der Name schon sagt, sind 100 Centimes 1 Franc. Die Centimes gibt es in Münzen zu 5, 10 und 20, die Francs in Münzen zu 1/2, 1, 2, 5 und 10, und in Banknoten zu 20, 50, 100, 200 und 500.

1 FF ist nicht allzuviel Geld; hier einige Kurse (Stand Ende August 1993). 100 FF entsprechen demnach etwa 30 DM, 17 US$ oder 12 GBP. Ein Deutscher multipliziert mit 3 und teilt durch 10, ein Amerikaner teilt durch 6, und ein Engländer durch 8, um sich ein Gefühl für die Preise zu verschaffen.

Auf Korsika werden Eurocheques überall gerne genommen; nur in Restaurants ist es nicht üblich, damit zu zahlen. Auch alle möglichen Kreditkarten werden akzeptiert, insbesondere Visa ist eine gute Wahl. Mit Reiseschecks gibt es auch keine Probleme, allerdings werden die Reiseschecks von American Express nicht auf Postämtern, sondern nur auf Banken eingelöst. Wer als Deutscher sein Postsparbuch mitbringt, kriegt damit auch in entlegenen Orten Geld, und zwar ab 200 DM in Hunderter-Schritten bis 2000 DM (gleichzeitig der maximale Monatsbetrag). Bargeld in anderen Währungen mitzunehmen, ist nicht allzu sinnvoll, denn das wird generell zum schlechtesten Kurs getauscht. Eine Kombination aus Postsparbuch und Eurocheques ist prima, wer eine Kreditkarte hat, sollte sie ebenfalls mitnehmen. Generell wird bei so ziemlich allen Transaktionen der Personalausweis oder Reisepaß verlangt, was mitunter Probleme gibt, denn auf Campingplätzen ist es üblich, einen solchen zu hinterlegen. Deshalb am besten beides mitschleppen.

Manche Banken lassen sich die Güte, einen Scheck einzulösen, recht ordentlich bezahlen; die Gebühr wird gleich an Ort und Stelle einbehalten. Besser vorher erkundigen oder gleich zur Post gehen, die macht solche Zicken nicht. An Automaten kriegt man nur mit Kreditkarte Geld; die Eurocheque-Karte braucht man da gar nicht erst reinzustecken. Zur Zeit werden Eurocheques bis zu 1400 FF genommen, das entspricht etwa dem europäischen Standard. Die heimische Bank (in Deutschland, über andere Länder weiß ich diesbezüglich nichts) wechselt nach dem zur Zeit der Buchung gültigen Kurs (natürlich zu ihren Gunsten) und schlägt noch so 1-2% Gebühren drauf, mindestens aber 2,50 DM. Deshalb ist es sinnvoll, keine kleinen Läpperschecks auszustellen; besser einmal die Woche auf die Post oder Bank und genug Geld geholt.






Handwerkszeug




Als Reisender in ferne Länder braucht man natürlich einige wichtige Dinge: in erster Linie Karten und einen guten Reiseführer. Aus meiner bisherigen Erfahrung mit Reiseführern heraus kommt für mich nur einer in Frage, den es nicht nur von Korsika, sondern so ziemlich für alle irgendwie interessanten Gegenden in Europa und anderswo gibt: der 'Velbinger'.

Man verstehe mich recht: ich will hier keine Schleichwerbung machen und ich verdiene auch nichts daran, aber diese Reiseführer-Serie hat es wirklich verdient, daß man für sie trommelt. Mit Liebe zum Detail gemacht enthalten sie wirklich alles, was man an Infos so braucht: nicht nur den ganzen Kulturkram, sondern auch, wo man gut und billig ißt und schläft, wie man von hier nach dort kommt, wo die beste Disco ist, wo man was einkaufen kann, wo die Post ist, wo die Banken, wo man welche Sportarten betreiben kann und so weiter und so fort. Natürlich hat Qualität ihren Preis, und das ist die unangenehme Seite an 'Velbingern': für etwa 500 Seiten Paperback bezahlt man zwischen 30 und 45 DM. Man kriegt sie im Buchhandel und direkt beim Verlag.

Eine ähnliche Bücherserie habe ich auch schon in französischen Läden gesehen; etwas Vergleichbares scheint es also auch noch in anderen Sprachen als Deutsch zu geben.

Dirk Schröder / Ursel Pagenstecher
Korsika
ISBN 3-88316-015-6
Verlag Martin Velbinger, Bahnhofstr. 106, 82166 Gräfeling/München
Preis: 36 DM

Für GR 20-Wanderer gibt es eine Alternative bzw. Ergänzung: 'Bergwelt Korsika' von Hans Schymik, Verlag Fink-Kümmerly+Frey, Stuttgart. Allerdings fehlen hier die ganzen nützlichen Kleinigkeiten über die Orte, durch die man kommt, dafür sind die Wanderwege besser beschrieben.






Als Karten empfiehlt der Velbinger folgendes Material:




Michelin Straßenkarte Nr. 90, Maßstab 1:200000. In Frankreich oder vor Ort kaufen, dort billiger!

Corse Nord 73 und Corse Sud 74, Maßstab 1:100000 des IGN (Institut Géographique National), genannt 'Carte touristique IGN/France'.

Aus dem Verlag Didier Richard aus der Serie 'Itinéraires Pedestres IGN' die Karten 'Corse du Nord' (20) und 'Corse du Sud' (23), die fast ganz Korsika abdecken (Maßstab 1:50000). Mein Eindruck von diesen Karten (wir haben sie): eher schlecht. Das Kartenbild ist recht kontrastarm, die Wegführung nicht immer ganz genau, und die Höhenlinierung ist ganz schlecht, dadurch ist es recht schwierig, sich zu orientieren und die Schwierigkeit eines Wegs abzuschätzen. Preis 70 FF in Korsika, etwa 22 DM in Deutschland.

'Les Cartes touristiques locales' im Maßstab 1:25000. Laut Velbinger spitze, aber auch sie kosten etwa 70 FF, und man braucht mitunter eine ganze Menge davon. Man kauft sie vor Ort, gleich nachdem man die Fähre oder das Flugzeug verlassen hat.

Einen Kompaß braucht man kaum. Es scheint eh fast immer die Sonne, und ein Höhenmesser tut beim Wandern im Gebirge viel bessere Dienste. Allerdings ist auch der entbehrlich, denn die Wanderwege sind recht gut markiert.






Der GR 20




Der GR 20 ist Korsikas berühmtester Wanderweg. Er durchquert die Insel auf einer Strecke von 173km von Nordwesten nach Südosten; wer ihn geht, muß sich 9900m hoch und wieder runterschaffen. Trainierte Bergwanderer schaffen das in 82 Stunden, aber der Rekord liegt bei etwa 43 Stunden! Ein gesunder, körperlich einigermaßen fitter Alltagsmensch braucht dafür schon so 15-20 Tage.

Ein Geheimtip ist dieser Weg nicht gerade; zeitweise gibt es sogar Staus! Aber die meiste Zeit geht man schon für sich allein, begegnet vielleicht alle Stunde mal einer Gruppe.

Für die Rätselrater: was GR 20 bedeutet, steht am Ende dieses Kapitels. Hinweis: eigentlich müßte es 'Die GR 20' heißen.






Übernachtung





Es gibt im Tagesabstand Hütten (Refuges), die großenteils vom Parc Naturel Régional de la Corse PNRC gebaut wurden und unterhalten werden. Sie bieten Matratzenlager (Schlafsack mitbringen), Trinkwasser, Gaskocher und Klo, mitunter auch Freiluftdusche für 40 FF pro Nacht und Nase. Wer nur das Gas benutzen will, zahlt 10 FF. Wasser, Klo und Dusche sind auch für Nicht-Übernachter natürlich kostenlos. Bei den Hütten kann man (meist kostenlos) biwakieren und campieren, und zur Hochsaison ist das auch nötig, denn dann sind die im Schnitt 25-30 'Betten' schnell belegt. Bewirtschaftung gibt es normalerweise nicht, alles Futter muß man mitbringen. Während der Sommermonate befindet sich auf den Hütten ein Gardien, meist mit Hüttenhund.

Isomatte und Biwaksack sind aber das mindeste, was man sicherheitshalber mitnehmen sollte. Immer wieder fallen Hütten den Flammen zum Opfer oder sind schlicht zum Bersten voll, und dann ist es gut, wenn man auf eine Übernachtung im Freien eingerichtet ist. Auch ein leichtes Zelt statt der Biwaksäcke ist kein Luxus. Bergerien (Schäfereien) bieten keine Übernachtungsmöglichkeit; auch zelten und biwakieren ist dort normalerweise nicht drin.

Auf jeden Fall genug Geld mitnehmen, man kriegt unterwegs keines nach!






Wegmarkierungen





Der GR 20 ist durchgehend gut markiert, und zwar mit waagerecht übereinander angeordnetem weißem und rotem Balken. Über die Reihenfolge sind sich die Markierer nicht ganz einig, weiß über rot überwiegt aber. Stellen, an denen der Weg die Richtung ändert, haben Doppelmarkierungen, Zubringerwege einfarbige Markierungen.

Oft finden sich kleine Steinpyramiden, die das Auffinden des richtigen Wegs sehr erleichtern. Der freundliche Wanderer tut das Seine zur Erhaltung.

Aber obwohl der Weg gut markiert ist, gehört die Karte unbedingt ins Gepäck, denn verlaufen hat man sich schnell einmal, leicht gerät man auf einen der vielen Zubringerwege.





Wasserversorgung





Auf allen Hütten gibt es Wasser, auf den meisten Etappen gibt es unterwegs Quellen. Aber im Sommer kommt es schon mal vor, daß die ein oder andere versiegt ist, deshalb sollte man immer genug von dem kostbaren Zeug mit sich rumschleppen. Wie wichtig es ist, merkt man erst, wenn man mal keines hat. Entgegenkommende fragen, wie es mit Wasser auf den folgenden Etappen aussieht!




Verpflegung





Ist so eine Sache für sich. Insbesondere im Norden ist es mitunter nötig, in Dörfer abzusteigen, um sich zu verpflegen. Im Süden ist der Nachschub alle 2-3 Tage gesichert. Auf jeden Fall genug Schokolade (dicht verpacken, sie schmilzt!) und ähnliches mitnehmen, das ist ein guter Energiespender für den Bedarfsfall. Reis ist auch recht effizient und schmackhaft, und Nudeln und Flockenpüree sind willkommene Abwechselungen dazu, allerdings kriegt man unterwegs nirgends Tütensoßen! Die sollte man tunlichst von zuhause mitnehmen, wenn man das Zeug nicht trocken runterschlingen will. Suppen gehören ebenfalls ins Gepäck; man kriegt sie aber auch nach.

Für das Frühstück ist Müsli mit Milch aus (Voll-!)Milchpulver nicht schlecht; lieber was mit vielen Kalorien nehmen. Zumindest im Süden kriegt man auch Zwieback und Weißbrot zu kaufen.

Auf den Bergerien kriegt man mitunter Käse, Wurst und Brot zu kaufen, aber darauf verlassen kann man sich nicht.

Wo es überall Futter gibt, steht im Velbinger. Wer sichergehen will, fragt entgegenkommende Wanderer.






Und was zum Geier heißt GR 20?





GR heißt 'Grande Randonnée', übersetzt etwa 'Große Wanderung'. Und 20 ist die ehemalige Nummer des ehemaligen Départements Corse.

Von diesen Wegen gibt es in Frankreich noch mehr, aber der GR 20 ist sicher einer der härtesten und anstrengendsten davon.






Essen und Trinken auf Korsika





Die korsische Küche ist gar nicht mal schlecht, obwohl ich meine diesbezüglichen Kenntnisse aufgrund von Geiz weitgehend aus meinem Reiseführer habe. Typischerweise würzen die Korsen recht ordentlich. In Gaststätten werden fast immer Menüs serviert; sie sind teurer als ein Gaststättenessen in Deutschland, dafür aber auch reichhaltiger. Manchmal ist auch der Wein inbegriffen, aber die Bedienung ist es nie; ein Trinkgeld von etwa 10% wird erwartet. Insbesondere an der Küste gibt es jede Menge Meeresgetier zu essen, aber auch italienische Gerichte wie Pizza und Pasta gibt es fast überall.

Wer billig leben will, kann sich an der Küste in Supermärkten mit allem nötigen eindecken und selber kochen. Wer dabei etwas die einheimische Küche imitieren will, dem seien hier ein paar Speisen ans Herz gelegt.






Charcuterie Corse - Wurstwaren





Auf Korsika gibt es gute Wurst und Schinken, die meist als Vorspeisen serviert werden, aber auch einen prima Brotbelag abgeben. Besondere Spezialitäten sind Coppa und Lonzu, beides Schinken. Lonzu wird im Naturdarm aus würzigem Schweinefilet hergestellt, und Coppa ist ein rollbratenähnliches Zeugs aus durchwachsenem Schweinekamm. Dann gibt es noch den Prizuttu, einen rohen Schinken, butterweich und zart, hervorragend geeignet für die 'casse-croûte', belegte Brote. Figatelli heißen die dunklen Schweinsleberwürste, die man gebraten oder einfach so zu Brot ißt. Salsiccia ist ebenfalls eine - meist gut gewürzte - Würstchenart.

Wer (meiner Meinung nach) etwas sadistisch veranlagt ist, mag 'Pâté de Merle' probieren. Es handelt sich um eine Amselpastete, die mit Myrthe gewürzt wird. Die Produktion ist mittlerweile verboten, aber die Restbestände dürfen noch verkauft werden, und sicherlich wird das Zeugs auch noch produziert.






Fisch und Krustentiere





Sowas ist auf Korsika recht teuer. Das Zeug wird wegen zurückgehender Fangmengen zunehmend importiert. Langusten (korsisch arigosta) werden von den Touristen immer wieder gerne verspeist; am ehesten kriegt man echt korsische Langusten am Cap Corse oder in Bonifacio. Oursins (Seeigel) werden roh (!) oder im Omelett gebacken verspeist. Austern und Muscheln stammen aus den Etangs (Tümpel mit Meeresanschluß) der Ostküste. Auf Märkten oder in Poisonnerien (Fischhandlungen) findet man Daurade (Goldbrasse), ein leckerer Speisefisch mit dicken, gut zu entfernenden Gräten, und Rouget (Rotbarbe), der meist gegrillt auf den Tisch kommt. Eine Delikatesse ist der ziemlich teuere Loup (Wolfsbarsch). Der St. Pierre-Fisch wird gekocht, und Sole (Seezunge) gibt es auch noch. Bekannt sind auch zwei Sorten von Fischsuppen: die soupe de poisson mit geriebenem Käse und geröstetem Brot, und die nicht damit zu verwechselnde Aziminu (Bouillabaisse). Wer's mag, kriegt auch 'Friture du golfe', fingerlange Fischchen in Öl gebacken. Im Landesinnern ißt man Bachforellen.






Fleisch





Sowas haben wir (ebenso wie Fisch) nie gekauft; ich schreibe einfach aus dem Reiseführer ab.

Gigot d'Agneau: Lammkeule oder auch Lammkotelett oder Lammbraten.

Cabri: Zicklein, schmeckt leicht etwas langweilig, als Ragout besser.

Sanglier: Wildschwein steht im Herbst, nach Beginn der Jagdsaison auf den Speisekarten, als Braten oder Ragout, ja sogar als 'Terrine de Sanglier' (Wildschweinsuppe). Marcassin ist Frischling.

Lapin: Kaninchen, gibt's häufig im Inland.

Stufatu: ein Fleischgericht aus Rind und Lammfleisch mit Nudeln und Käse, selten.

Tripes: Kutteln, nicht jedermanns Geschmack, gelten aber als Delikatesse.






Käse





Es gibt auf Korsika eine reiche Auswahl verschiedener Schafs- (Brebis) und Ziegenkäse (Chèvre). Sie sind meist recht pikant und herzhaft und decken ein weites Spektrum an Geschmäcken ab. Man sollte sich aber nicht scheuen, vor dem Kauf eine Riechprobe zu machen: je älter, desto riechiger und dunkler.

Auf Korsika gibt es eine Fliege, die ihre Eier in einige Käsesorten ablegt. Irgendwann ist der Käse dann voller dünner Maden, die beim Reinbeißen sprungartig das Weite suchen. Das ist nun wirklich nicht jedermanns Geschmack, aber die Korsen essen solchen Käse immer noch sehr gerne, denn die Exkremente der Maden verleihen dem Käse einen besonderen Geschmack (nicht, daß wir das ausprobiert hätten). Sowas kriegt man aber sicher nicht in Supermärkten, keine Angst.

Als Spezialität gilt der 'Brocciu', ein quarkähnlicher Frischkäse, würzig und cremig. Nicht zu verwechseln mit dem ähnlich verpackten Brousse, der aus Trockenmilch hergestellt wird. Den richtigen Brocciu gibts nur von Oktober bis Juni.






Diverses





Obst gibt es auf Korsika reichhaltig und zu manierlichen Preisen. Bei der Hitze ist das eine prima Sache.

Brot gibt es fast nur als Weißbrot in den bei den Franzosen üblichen Formen, also als Doppellaib (außen hart, innen nichts, nicht sehr zu empfehlen), als Baguette (dünnes Stangenbrot, gut für unterwegs), als Flûtes (dicker als Baguette, auch Restaurant genannt, unserer Ansicht nach die praktischste Form) und als Panier (eine Art Flûtes mit spitzen Enden). Vollkornbrot kriegt man in den Supermärkten. Wer es sich leisten will, ißt zum Frühstück croissants (Hörnchen) oder pains au chocolat (eine Art schokoladengefülltes Kaffeestückchen).

Honig ist ein beliebtes Mitbringsel; es gibt auf Korsika sehr viele Arten davon, die sich geschmacklich deutlich unterscheiden. Der dunkle Kastanienhonig schmeckt sehr kräftig, fast schon bitter, Honig aus der Cargèse ist würzig, der aus der Balagne mild.

Gâteaux Corse ist ein plätzchenartiges Gebäck, das jeder Bäcker nach seinem eigenen Rezept macht. Als Snack zwischendurch prima.

Weiteres findet sich sicher auch in Deinem Reiseführer, wenn Du mal nach Korsika kommst.






Wein





Auf Korsika gehört, ebenso wie in Frankreich, zu jedem Essen Wein. Das Angebot an korsischen Weinen ist reichhaltig, auch französische und italienische Weine sind zu kriegen, ansonsten guckt man in die Röhre. Wein beliebt allerdings recht teuer zu sein.

Unser Lieblingswein ist der 'Muscat', ein Weißwein mit fast likörartigem Geschmack und 15% Alkohol. Sehr süffig und sehr eigen, und insbesondere recht billig.






Sonstige Getränke





Man kriegt alles zu kaufen, was es auch sonst in Europa gibt. Cola und Limo einer der beiden großen amerikanischen Firmen (die mit dem schönen C) gibt es fast überall, aber mitunter zu unfreundlichen Preisen. Besser nimmt man die französischen Standardgetränke, diverse Limos (unsere Lieblingssorte: Orangina, besonders die nicht so süße Light-Variante) oder gleich Wasser. Kohlensäurehaltige Sprudel sind oft Salzlösungen.

Das billigste Getränk in Gaststätten in entlegenen Gegenden ist nicht selten (neben Wasser) eines der Nationalgetränke der Franzosen: Pastis, ein etwa 45-prozentiger Anisschnaps, den man mit Wasser verdünnt auf Eis trinkt.

Bier ist so eine Sache. Fast überall bekommt man Kronenbourg, und das schmeckt, gemessen an dem, was Deutsche so gewöhnt sind, greulich.

Wer in den Bergen rumlatscht, wird fast überall Quellwasser finden. Wir haben aus allem getrunken, was nicht moderig war, und es hat uns nicht geschadet.






Anreisemöglichkeiten





Dieses Kapitel ist Deutsch, in jeder Beziehung. Soll meinen: ich weiß nur etwas über Anreisemöglichkeiten aus Deutschland, und schreibe deshalb auch nur über diese. Ein gutes Reisebüro kann sicher jedem weiterhelfen.




Flugzeug





Klarer Fall, das ist die schnellste Methode. Und wer sich last- minute-Angebote besorgt, wird schnell feststellen, daß sie auch preislich konkurrenzfähig sein kann! Man spart sich schließlich die Fähre, Autobahngebühren, Spritkosten, Bahntickets, ...

Nachteil: festes Zeitraster. Man muß im Voraus wissen, wann man mit der Insel 'fertig ist'. Für uns schied deshalb ein Flug aus.

Wer in der Nähe von oder in Frankreich wohnt, sollte eventuell einen relativ preiswerten Inlandsflug (Korsika ist Frankreich) in Erwägung ziehen.






Auto / Motorrad





Je nachdem, was man vorhat, ist das eine sinnvolle Methode. Denn die Insel erschließt sich einem nur ganz, wenn man motorisiert ist. Allerdings kann es billiger sein, zu fliegen und sich für ein paar Tage einen Untersatz zu leihen, denn die Fährpreise in in der Saison recht abenteuerlich; bis zu 225 DM sind möglich, je nach Tag. Außerdem schont man den eigenen Wagen, der für das korsische Landesinnere wohl nicht gebaut ist...

Wir haben keine Motorräder und keine Klasse 1-Führerscheine, und das Auto irgendwo stehenlassen (z.B. in Südfrankreich oder Italien, um die Fährkosten zu sparen), ist so eine Sache. Außerdem wollten wir auf Korsika kein Auto haben, das ist beim Wandern nur im Weg.






Per Bahn





Nicht ganz billig. Die Hin- und Rückfahrt über Frankreich kostet ab Saarbrücken etwa 180 DM (Marseille) oder 214 DM (Nizza) (das nennt sich 'Billet de Séjour'), plus die Fahrt nach Saarbrücken. Über Italien anzureisen ist nur für Bayern und vielleicht noch Hessen und Baden-Württemberger lohnend. Generell gilt: beim Vergleichen Bahn- und Fährkosten zusammenzählen! Zwar ist die Fähre von Italien nach Korsika billiger als von Marseille aus, aber schließlich muß man dort auch erst einmal hin.

Es gibt noch eine reizvolle Alternative für junge Leute (bis 24), die es irgendwie schaffen, billig nach Frankreich zu kommen: ein Euro-Domino-Ticket. Es ermöglicht innerhalb einer Zeitspanne eine gewisse Anzahl von frei wählbaren Bahntagen in einem Land. Für Frankreich gibt es beispielsweise ein Dreitagesticket (Bahnfahren an drei Tagen innerhalb von vier Wochen) für 211 DM, und ein Kurzbesuch in Paris ist auch noch gleich mit drin...

Genereller Hinweis: die Leute am Schalter der Bahn werden es mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit nicht schaffen, den billigsten Tarif für Euch rauszusuchen, das müßt Ihr schon selbst machen. Uns wollte eine Beratungstussi doch wirklich über Griechenland schicken... Mag sein, daß es irgendwo auch qualifiziertes Personal gibt, aber auch das kann sich leicht im Tarifgestrüpp der ganzen Landesbahnen verstricken.






Der Fähren-Nepp





Wer mit der Fähre in der Saison nach Korsika einreist bzw. von Korsika abfährt, löhnt für diesen Genuß zusätzliche 30 FF. Weiß der Geier, was das soll und wer die kriegt. Es nennt sich, glaube ich, Korsika-Steuer und wird möglicherweise auch auf andere Einreiseformen erhoben.

Eine andere gute Nummer (zumindest der SNCM): Wenn die billigen Plätze weg sind, muß man tiefer in die Tasche greifen. Man kriegt keinen besseren Platz für das gleiche Geld. Es empfiehlt sich also, Fährtickets so früh wie möglich zu kaufen.






Unsere Anreise





Wir haben uns Billets de Séjour besorgt, das sind ermäßigte Tickets für die französische SNCF, die es ab einer Entfernung von 1000km innerhalb Frankreichs (bei mindestens 5 Tagen zwischen An- und Abreise können Hin- und Rückfahrt zusammengezählt werden) gibt und die 25% Nachlaß auf den normalen Tarif bringen. Sie gelten maximal zwei Monate.

Wären wir über Italien angereist, hätten wir zwar die billigen italienischen Züge nutzen können, allerdings ist die Fahrt bis nach Italien schon so teuer wie die ganze Fahrt durch Frankreich; die Bundesbahn und die Alpenländer machen es möglich.

Auf der Hinfahrt nahmen wir eine Fähre von Marseille aus; sie lag terminlich einigermaßen gut. Allerdings ist die Fähre ab Nizza (besonders für junge Leute) deutlich billiger, was den höheren Bahnfahrpreis nach Nizza wett macht.

Wir haben dabei allerdings eine kleine Dummheit gemacht: wir hatten wegen der Hinfahrt nur Tickets bis Marseille und traten dennoch die Rückfahrt über Nizza an (weil sonst keine Fähre günstig lag). Die Bahnfahrt von Nizza nach Marseille kostete etwa 42 DM, also wären wir günstiger gefahren, gleich Tickets bis Nizza zu nehmen.






Ausrüstung





Gleich eines vorweg: wir waren im August in Korsika, also im Sommer, und dementsprechend beziehen sich alle Angaben zur Ausrüstung auf die Zeit von Mitte Juni bis Mitte September. Genauso setze ich stillschweigend voraus, daß alles auf dem Buckel getragen wird.




Allgemeines und Gruppenausrüstung





Man kann sich darüber streiten, ob man bei einer Wanderung durch Korsika ein Zelt braucht oder nicht. Fest steht, es gibt genügend Hütten (Refuges), in denen man für in der Regel 40 FF übernachten kann. Fest steht auch, daß man biwaken kann, also ohne Zelt, aber eventuell mit einem zusätzlichen Biwaksack um den Schlafsack im Freien übernachten. Wenn man sich jedoch an der Küste aufhalten will, ist es sinnvoll, ein Zelt zu haben. Man kann zwar auch auf den Campingplätzen ohne Zelt übernachten, doch ist es preislich so, daß man zu dritt mit Zelt billiger wegkommt als ohne. Zusätzlich bietet das Zelt nicht nur den Menschen, sondern auch der Ausrüstung einen gewissen Schutz vor Wind und Wetter und Viehzeug. Wenn man im Sommer auf Korsika auch nicht unbedingt Regentage hat, so kommt es schon mal vor (insbesondere im Westteil), daß es tröpfelt bis regnet, weil die Luft den Wasserdampf einfach nicht mehr halten kann. An manchen Tagen ist es (in Küstennähe) dermaßen schwül, daß man bei 25°C es von morgens früh bis abends spät kaum im T-Shirt aushält. Der langen Rede kurzer Sinn: wir hatten ein für drei Personen eher kleines Zelt dabei, und wir haben es nicht bereut. Reparaturhülsen für das Gestänge kriegt man im Baumarkt: sie heißen Alu-Rundprofile, sind als Meterware erhältlich und billiger als die Originalhülsen. Zusammen mit dem Klebeband aus dem Medizinbeutel (siehe unten) kann man mit zuhause abgesägten Stücken eine geknickte oder gebrochene Zeltstange wieder halbwegs gebrauchsfähig machen.

Einen weitereren Heiligen Krieg kann man darüber führen, ob und welche Art von Kocher man mitnehmen soll. Auf den Hütten (Refuges) der Wanderwege stehen Gaskocher für jedermanns Benutzung zur Verfügung, ebenso wie ein wenig Geschirr (aber nicht genug); man kann jedoch einiges an Geld und Ärger sparen, wenn man einen eigenen Kocher hat (die Gasbenutzung in den Hütten kostet 10 FF), und wer sich nicht nur auf solchen Hütten aufhält und sich statt aus teueren Restaurants auch aus dem Supermarkt ernähren will, kommt nicht umhin, einen Kocher mitzunehmen.

Welchen Brennstoff man nimmt, ist Geschmacksache. An der Küste kriegt man alles zu kaufen, nur im Landesinnern ist das Einzige, was es sicher gibt, die Bleuet 206-Kartusche von Camping-Gaz. Brennspiritus ist nur in Orten zu kriegen, die einen Supermarkt haben, allerdings ist das Zeug leicht und kompakt, und deshalb ist es unproblematisch, genug davon mitzunehmen. Ich benutze Brennspiritus aus Überzeugung, denn ich halte ihn für den umweltfreundlichsten aller Brennstoffe, und außerdem läuft mein Lieblingskocher damit. Der Brennspiritus gehört unbedingt in eine Spritflasche aus Aluminium (z.B. Sigg), denn die Verkaufsverpackungen sind nicht immer ganz dicht, und Alkohol quetscht sich (mit seiner geringen Adhäsion) durch die kleinsten Ritzen.

Womit wir konkret beim Kocher wären. Im Gegensatz zu manch anderem Reiseziel braucht man in Korsika nicht unbedingt auf Windfestigkeit zu achten; es gibt im Bedarfsfall genügend rumliegendes Zeugs, um sich einen Windschutz zu basteln. Ein einfacher Gaskocher mit 206er Kartuschen tut gute Dienste, und die meisten nehmen auch einen solchen mit. Wir hatten einen Trangia Sturmkocher aus Aluminium; er enthält zwei Töpfe und einen Kessel nebst einem Spiritus-Brenner, einer Greifzange und einem stabilen Windschutz, der gleichzeitig als Topfständer dient. Ein Deckel, der sich als Bratpfanne gut eignet, ist ebenfalls dabei, und das ganze wiegt etwa 1350g, hat einen Durchmesser von etwa 22cm und eine Höhe von etwa 11cm. Das Teil war schon bei anderen Touren dabei und hat uns auch auf dieser Fahrt gute Dienste geleistet. Von der Kochleistung her ist er dem normalen 206er Gaskocher nicht unterlegen, und bei Wind schlägt er jeden normalen Gaskocher um Längen. Leider ist er mit etwa 100 DM nicht ganz billig; allerdings hat man dann grad alles im Set, was man sowieso braucht.

Wir haben von zuhause aus 1l Spiritus mitgenommen und sind damit (auch ohne die Gasbenutzung in den Hütten) auf der halben Strecke des GR 20 gut zurechtgekommen. Wer den ganzen Weg am Stück gehen will, sollte möglichst oft die Gaskocher der Hütten in Anspruch nehmen, dann reicht der Liter auch für den ganzen Weg.

Was in anderen Gegenden wesentlich ist, nämlich ein wasserfestes Feuerzeug (z.B. mit Piezo-Zünder), ist in Korsika nicht so wichtig. Man sollte allerdings mehrere Feuerzeuge über die ganze Ausrüstung verteilen, denn nur dann ist sichergestellt, daß man immer eines findet und bei Verlust noch welche hat.

Wer sich von der Zivilisation entfernt, sollte an eine gut ausgerüstete Reiseapotheke denken, und das nötigste sollte man auch sonst haben. Der Inhalt unseres Medizinbeutels war dieser:

1 Schere
12 Sicherheitsnadeln, klein
30 ml Betaisodona Lösung zum Desinfizieren von Wunden
100 g Spolera Sportsalbe gegen Zerrungen, Verstauchungen,
Prellungen
20 g Bepanthen Wund- und Heilsalbe
25 g Systral Creme gegen Insektenstiche
10 Metifex 200 Tabletten gegen Durchfall
10 Aspirin 500 Schmerz und Fieber
2 Benuron 500 Schmerz und Fieber
2 Fenistil retard geg. starken u. fläch. Juckreiz
(Sonnenbrand!)
1 Dreieck-Verbandtuch
40 cm Heftpflaster Hansaplast standard 6cm
1 Ro. Hansaplast Standard S Rollenpflaster 5m x 2,5cm,
halbvoll
1 Fixierbinde 8cm
1 Fixierbinde 6cm
2 Verbandpäckchen DIN 13151 mit Kompresse 80x100mm
5 Mullkompressen, steril
1 Drapierbinde

sowie alle Packungsbeilagen. Sinnvoll wäre noch gewesen: Medikament gegen Halsschmerzen, Erste-Hilfe-Fibel, spezielle Fußpflaster. Wer - aus welchen Gründen auch immer - weitere Medikamente braucht, sollte diese in ausreichender Menge mitnehmen, dann gibt es vor Ort keine Probleme mit der Beschaffung.

Um unsere Toilettenbeutel zu entrümpeln, haben wir Zahnpasta und Neutralseife (genannt 'Outdoor-Seife', aber da bezahlt man den Namen) für Haare und Kleider ebenso wie Rasiercreme als Gemeinschaftsgepäck nur einmal mitgenommen.

Wer in ferne Länder mit anderen Sprachen reist, sollte an ein kleines Wörterbuch denken!

Wichtig - weil praktisch - ist ein ausreichender Vorrat von Tüten verschiedener Größen, zum Beispiel Gefrierbeutel und (kleine) Müllsäcke. In Verbindung mit Tütenclipsen aus Plastik (25 Stück 1,50 DM oder so) ist das eine saubere Sache, wenn man mal was feucht wegpacken muß.

Wie zum Beispiel die Sachen zum Geschirrspülen. Hier muß ein Spülschwamm (oder auch zwei) mit, ebenso Geschirrspülmittel (natürlich ein biologisch abbaubares). Mit der Neutralseife von weiter oben wird das Geschirr aber auch prima sauber. Geschirrtuch nicht vergessen!

Leicht vergessen kann man Korkenzieher und Dosenöffner! Wer sowas am Taschenmesser hat, sollte vorher sicherstellen, daß man damit auch eine Flasche/Dose aufkriegt.

Von existenzieller Wichtigkeit ist Klopapier. Nicht zu wenig mitnehmen, das Zeugs kann man für alles mögliche gebrauchen, und außerdem kriegt man einzelne Rollen nicht nach. Unbedingt wasserdicht verpacken! Auf Campingplätzen und Berghütten findet man in Korsika in der Regel keines, das muß man schon selbst mitbringen.

Wer selbst kocht, sollte unbedingt an Gewürze denken! Tee und Vitamin-Brausetabletten sorgen dafür, daß Geschmack ins Wasser kommt.

Selbstverständlich geht eine Kamera mit. Es muß nicht unbedingt eine schwere Spiegelreflex sein, aber eine Pocket ist auch nicht das richtige. Motto: gut aber leicht. Diafilme sind das Richtige für einen solchen Urlaub, 100 ASA tun's; auf jeden Fall von zuhause mitbringen, die sind auf Korsika sehr teuer! Eine Ersatzbatterie für die Kamera sollte man haben.






Persönliche Ausrüstung





Zuerst einmal braucht man einen Rucksack. Wer zwei oder drei Wochen daraus leben muß, kommt nicht umhin, mindestens 50 Liter Stauraum zu haben; 60 Liter ist allemal besser. Noch viel wichtiger aber ist, daß der Rucksack bequem paßt. Wer die Tour mit einem alten Armeetornister macht, ist nicht ganz dicht, denn 15kg zwei Wochen auf den Schultern, das geht schief; ein Hüftgurt mit Hüftpolster ist unabdingbar.

Wie schon gesagt, in Korsika regnet es im Sommer eher selten. Dennoch sollte man an leichten Regenschutz denken; eine leichte Regenjacke reicht völlig. Ich hatte von anderen Touren her noch einen Regenponcho, der bei Bedarf sogar über den Rucksack paßt (böse Zungen behaupten, das Ding wäre ein Zelt ohne Gestänge; auch Worte wie 'Ganzkörper-Kondom' fallen); sowas ist nicht ganz billig und für Korsika nicht nötig. Ein Schirm ist nur was für Hotel-Touristen. Leute, die den nördlichen Teil des GR 20 gegangen sind, haben uns von einem recht ordentlichen Regenguß während eines Gewitters erzählt; wir haben unseren Regenschutz jedenfalls nicht gebraucht. Nicht nur wegen der besseren Wasserfestigkeit, sondern auch der Ordnung halber empfiehlt es sich, alles im Rucksack nochmal in Plastiktüten zu verpacken, was irgendwie rumfliegen könnte oder Wasser übelnimmt.

Zum Thema Schlafsack: Wer sich nur an der Küste aufhält, braucht im Sommer keinen; eine Decke genügt vollkommen. Wer allerdings ins Gebirge vorstoßen will, kann dort mit recht kalten Nächten rechnen (8°C ist nicht ungewöhnlich; es wird auch noch kälter), und hier ist ein guter Schlafsack unentbehrlich, erst recht, wenn man nicht in den Hütten schläft. Mal abgesehen davon, daß sich Kunstfaser-Schlafsäcke sowieso immer mehr durchsetzen, bieten sie den Vorteil, daß sie wasserunempfindlicher sind als Daunensäcke; allerdings bleibt der Daunensack in Packmaß und Gewicht ungeschlagen. In Korsika fährt man mit beidem gut. Ich habe einen Daunensack, Thomas und Markus Kunstfaser, und beides hat sich bewährt; allerdings muß der Daunensack wie überall regensicher verstaut werden, was aber auch für den Kunstfasersack zu empfehlen ist.

Noch ein Tip zum Schlafsack: Der Packsack dient gut als Kopfkissen, wenn man ihn mit Klamotten vollstopft.

Zum Schlafsack gehört die Isoliermatte dazu. Der einzig wichtige Tip hierbei ist: nicht zu dünn und unbedingt wasserabweisend. Wer einen Schwamm als Isomatte mitnimmt, ist selber schuld. Ob es unbedingt das selbstaufblasende, leichte und kleine Superteil für gutes Geld sein muß, läßt sich aber auch bestreiten. Unsere Erfahrung zeigt, daß man für 25-35 DM schon sehr gute Matten kriegt. Mitunter sind auch recht popelig aussehende aber dennoch gute Teile schon für 20 DM zu erhalten.

Isoliermatten sind in der Regel recht kurz (185 cm). Das ist aber nicht weiter tragisch (auch wenn Du größer bist; wir drei sind es auch), denn unter dem Kopf braucht man sie nicht, dort ist ja das Kopfkissen (siehe oben). Lieber die Matte an den Füßen hochschlagen, das verhindert, daß der Schlafsack von Kondenswasser feucht wird, wenn er dort an der Zeltwand anliegt.

Was das Schuhwerk betrifft: wer wandern will, braucht Wanderschuhe. Mit Turnschuhen geht man den GR 20 und andere Wanderwege nicht. Ob es unbedingt die schweren Alpentreter sein müssen oder ob es ein leichter Outdoor-Schuh auch tut? Da es in Korsika selten regnet, ist Wasserdichtigkeit nicht gerade ein wichtiges Kriterium, und wenn der Outdoor-Schuh einem genügend Halt bietet, also eine gut profilierte Sohle hat und den Knöchel umfaßt, dann tut er's. Thomas trug einen solchen Schuh und ist gut damit zurechtgekommen, wenn auch der Schuh nicht ganz so gut davongekommen ist; er zeigte doch danach deutliche Abnutzungsspuren. Markus und ich haben Bergwanderschuhe; ich einen mit Goretex-Leder-Obermaterial, er einen Goretex-Schuh, der sogar steigeisenfähig ist. Im Sommer fährt man mit beidem gut; auf der nördlichen Etappe des GR 20 braucht man im Winter und im Frühjahr Steigeisen. Für die Küste braucht man Sandalen, und wenn man nur dort ist, vielleicht noch Halbschuhe oder Turnschuhe. Thomas und ich hatten je ein Paar Sandalen dabei und konnten sie gut gebrauchen; Markus' Badeschlappen waren manchmal aber auch nützlich, allerdings kann man damit kaum länger rumlaufen.

Wer durchs Gebirge wandern will, kann es sich überlegen, ob er Teleskop-Wanderstöcke mitschleppt. Nützlich sind sie auf jeden Fall, aber teuer und nicht federleicht sind sie auch. Wer sowas schon hat, sollte sie einpacken. Wir hatten keine, und es ging auch so.

An Kleidung braucht man im Sommer nicht allzu viel. Eine Jeans ist so ziemlich das Nutzloseste, was man mitnehmen kann: zu schwer, zu warm und saugt sich voll Wasser und gibt es nicht mehr her. An den meisten Tagen reicht eine kurze Hose (Typ Bermuda-Short, zwei mitnehmen), und für den Abend bzw. den Morgen im Gebirge reicht eine leichte Stoffhose. Kalt ist es im Sommer höchstens nachts, und da liegt man ja im Schlafsack. Je nach Geschmack noch drei oder vier T-Shirts dazu, ein paar Unterhosen, ein paar (klein geschrieben!) Socken (wer wandert: zwei Paar Wanderstrümpfe, gut z.B. die alten Bw-Strümpfe), und fertig. Im Gebirge ist für den Morgen und den Abend ein langärmeliges T-Shirt prima, außerdem gehört eine leichte aber warme Jacke ins Gepäck. Auch wer sich in der Zivilisation an der Küste aufhält, braucht nicht allzu viele T-Shirts, denn die halbe Zeit hält man es sowieso mit T-Shirt nicht aus. Übrigens kann man die nach einer Wandertour im Gebirge nur noch wegschmeißen, es müssen also keine Krokodile drauf sein, aber weiß sollten sie auch nicht sein. Dunkel ist gut, braun oder blau am besten, da sieht man den Dreck nicht so. Badehose nicht vergessen! Obwohl es auf Korsika auch FKK-Strände gibt und man sie an etlichen Stellen im Landesinnern und an der Westküste mangels Publikum auch nicht braucht. Wenn also eine der Shorts zufällig schwimmtauglich sein sollte, ist das eine gute Lösung.

Was man in den Toilettenbeutel tut, bleibt eigentlich jedem selbst überlassen. Es gibt da aber ein paar Dinge, die man leicht vergißt, wie zum Beispiel eine Nagelschere oder Wattestäbchen. Auch Ohrenstöpsel (Typ E.A.R) gehören unbedingt zur Grundausrüstung, denn auf jeder Hütte gibt es einen Schnarcher. Manch eine Haut reagiert auch sauer, wenn sie nach dem Rasieren nicht desinfiziert wird; wer davon betroffen ist, sollte Rasierwasser, natürlich in einer kleinen leichten Plastikflasche, nicht vergessen.

Naß rasieren oder trocken? Auf Fahrt eigentlich kein Thema, denn Strom gibt es nicht überall, und der Elektrorasierer verliert in Sachen Gewicht ganz klar gegen den leichten, nassen Konkurrenten.

Ein Duschgel einzupacken, ist eigentlich nicht nötig, denn mit einem Stück Seife (ruhig ein schon 'abgelutschtes') und der Neutralseife von oben kommt man klar. Wenn es denn unbedingt ein Duschgel sein muß, dann nur eines für ein paar Leute.

In Korsika nicht ganz unwichtig ist die Sonnenmilch, insbesondere für hellhäutige Typen. Welchen Lichtschutzfaktor man wählt, hängt stark von der eigenen Empfindlichkeit ab und von dem, was man im Urlaub machen will. Im Gebirge reicht für Normalhäuter 8, Empfindliche kommen mit 12 gut zurecht. Wer aber den ganzen Tag in der Sonne brät, sollte eventuell etwas höher greifen, wenigstens am Anfang. Den Sonnenschutz kann man auch zum Gemeinschaftsgepäck tun; wir sind drei verschieden empfindliche Hauttypen und hatten jeder unseren eigenen. Wer wandert, sollte vor allem den Nacken und die Schultern gut eincremen (ja, auch wenn man den ganzen Tag im T-Shirt rumläuft!), und aufpassen, daß die Füße keinen Sonnenbrand kriegen. Das klingt vielleicht komisch, aber wenn man sie mal für eine Stunde 'auspackt', haben sie schnell was weg, denn sie sind Sonne nicht gewöhnt.

Ein Handtuch - nicht zu groß, nicht zu klein - und ein Waschlappen sind nützliche Dinge. Insbesondere das Handtuch leidet auf einer solchen Tour, also nicht Mamas bestes Stück mitnehmen.

Brillenträger an ein Brillenputztuch denken! Der Fettfilm geht mit Spülmittel, Wasser und Klopapier am besten runter, aber für zwischendurch ist ein Putztuch gut. Einen kleinen Schraubenzieher für die Brillenbügel dabeizuhaben, kann mitunter sehr hilfreich sein.

Ein ganz wichtiges Utensil für Wanderer ist der Sonnenhut. Eine helle Farbe strahlt die Wärme gut zurück, ein Stoffteil läßt sich leichter feucht halten als ein Strohhut. Was den Nacken bedeckt, ist extra gut geeignet, ansonsten muß man da besonders sorgfältig chemisch vorbeugen. Man kann auch ein Tuch (Taschentuch) hinten an der Hutkrempe befestigen.

Die Taschenlampe gehört auch zur wichtigen Ausstattung. Generell gilt für Rucksackler: je kleiner und leichter, desto besser, aber robust, hell und möglichst wasserfest (in Korsika nicht so wichtig) sollte das Teil auch sein. Einen guten Kompromiss stellen die Alu-Leuchtstäbe für zwei Mignonzellen Typ Maglite AA oder Nachbau dar. Batterien sollte man nur soviele mitschleppen, wie man wirklich braucht; erfahrungsgemäß reichen für 14 Tage Urlaub zwei Batteriesätze dicke, und wenn man nicht verschwenderisch damit umgeht oder in der Gruppe noch mehr Taschenlampen da sind, reicht ein Batteriesatz. Man nehme Batterien mit einem guten Energie-pro-Kilogramm-Verhältnis, also nicht unbedingt die billigsten! Besonders wichtig: eine Ersatzbirne.

Unentbehrlich ist natürlich das Eßwerkzeug. Ein Feldbesteck der Bundeswehr ist zwar teuer und schwer, aber auch sehr funktionell; eine Gabel, ein Löffel und ein Messer aus der Besteckschublade, zusammen mit einem Gummi, tun es aber auch. Dazu noch einen (tiefen) Plastik- oder Aluteller und eine Plastiktasse (wer eine gute Blechtasse hat, die nicht nach Rost schmeckt wie meine, kann die natürlich auch nehmen), und fertig ist die Nahkampftasche.

Ob man nun ein Fahrtenmesser oder so was Hirschfänger-mäßiges braucht, hängt stark vom eigenen Messerfetischismus ab. Ich denke, es ist nicht verkehrt, wenigstens ein Messer in der Gruppe zu haben, daß auch was schneidet. Bei der harten korsischen Salami kann das lebenswichtig sein.

Eine Trinkflasche (oder zwei) braucht der Wanderer natürlich auch. Hier gibt es seit einiger Zeit eine gute und sehr viel billigere Alternative zur beschichteten Aluflasche: die PET-Mehrweg-Flasche. Ehrlich, die Dinger sind hervorragend geeignet! Welches Gesamtvolumen man braucht, hängt vom eigenen Bedarf ab; mit 2 Litern kommt man zurecht, aber mehr schadet nicht.

Ein Taschentuch oder zwei, nicht nur für die Nase. Die alten aus der Grundwehrdienstzeit, so man welche hat, tun's ganz prima. Ein paar Papiertaschentücher sollte man auch haben; dreckige Hände hat man dauernd, und ich war mit meiner Nasenbluterei, die mich verfolgte, auch gut damit bedient. Und nicht vergessen: man kann ein Taschentuch auch als Nackenschutz benutzen.

Papier und Stifte, nicht nur für den Reisebericht im Usenet. Man muß immer mal wieder was notieren, zum Beispiel Abfahrtszeiten.

Wer gern liest, sollte ein Buch mitnehmen. Das nimmt zwar Platz weg und wiegt was, aber das tun all die anderen unnötigen Sachen, die man so dabei hat, auch. Es ist schon ein Unterschied, ob man beim Warten auf den Zug Löcher in die Wand starrt oder nicht.

Die Sonnenbrille ist auf jeden Fall dabei. Insbesondere am Strand, wo viel Licht reflektiert wird, ist es sonst schnell unangenehm, und außerdem sieht man ohne so uncool aus.

Der Profi nimmt noch etwas Schnur (dünn, leicht und fest, zum Beispiel eine gute Drachenschnur) für eine Wäscheleine und Notschnürsenkel mit, außerdem ein paar Wäscheklammern.

Weitere Einzelheiten finden sich in Anhang I.






Mit Fahrrad und Rucksack in Korsika: Gepäcksachen





Auf Korsika gibt es die gleichen Probleme wie überall: wohin mit dem Rucksack, wenn man ihn mal für eine Zeitlang los sein will? In Bahnhöfen und in einigen Fährhäfen gibt es Gepäckaufbewahrungen, Schließfächer habe ich nur in Fährhäfen gesehen. Die Preise für Gepäckaufbewahrung liegen so bei 16 FF pro Tag und Gepäckstück, die Öffnungszeiten sind recht unterschiedlich. Auf Campingplätzen habe ich keine Möglichkeit der Gepäckaufbewahrung gesehen, allerdings haben wir schon ab und zu das Zelt samt Gepäck (aber ohne Wertsachen und über das ganze Zelt verteilt) alleingelassen, und es es ist nie was weggekommen.

Die korsische Eisenbahn befördert Rucksäcke kostenlos, ebenso die (meist privaten und wenigen) Buslinien. Auf den Fähren sind Rucksäcke kostenloses Handgepäck; es stehen Schließfächer zur Verfügung, aber die sind teuer. Wer einen Kabinenplatz hat, kann sein Gepäck dort lassen; zumindest die Fähren der SNCM haben Zahlenschlösser an den Kabinentüren.

Auch Fahrräder sind unproblematisch. Auf Fähren werden sie kostenlos befördert (jedenfalls haben wir das von anderen gehört), und in Zügen gibt es in den Gepäckabteilen sogar Haken an der Decke zum Aufhängen der Räder, und soviel ich weiß, kostet auch das Mitnehmen von Fahrrädern in Bussen und Bahnen nichts.






Strom und sowas





Auf Korsika gibt es die europaüblichen 230 V 50 Hz. Die Steckdosen sind runde Vertiefungen in der Wand mit zwei Löchern und einem hervorstehenden Dorn (für den Schutzleiter) und ohne Nut oder Kontaktfedern, also so wie überall in Frankreich. Deutsche Schukostecker passen nicht, aber die Gummiteile an Haarfönen sollten passen (ich hab's nicht ausprobiert!), denn der Lochabstand und der Durchmesser der Bohrungen ist der gleiche wie beim deutschen Schukostecker, und notfalls kann man mit dem Taschenmesser etwas nachhelfen. Die flachen Eurostecker, wie man sie an Elektrorasierern und Radios findet, passen problemlos. Für so absolut unentbehrliche Dinge wie Bügeleisen gibt's im Elektrohandel zuhause Adapter zu kaufen, und wer nicht merkt, daß der erste Teil dieses Satzes ironisch gemeint ist, ist selber schuld.

Wer aus England kommt und 240 V-Geräte hat, kann diese problemlos verwenden. Vorsicht bei Rasierern für 60 Hz! Nicht nur, daß diese von der Spannung her meist nicht passen, auch die Frequenz macht Probleme, da die meisten Elektrorasierer nur bei Nennfrequenz arbeiten können. Nicht so allerdings Akkurasierer, denn die haben einen Gleichstrom-Motor und können mit so ziemlich allem aufgeladen werden.

Auf Hütten (Refuges) gibt es in aller Regel keinen Strom. Die Hütten haben zwar Solarpanels und Akkus, aber die 'Bordspannung' beträgt 24 V und ist nicht zugänglich. Wer also wandert, sollte sich naß rasieren und den Haarfön daheimlassen, denn den braucht man auf Korsika sowieso nicht.

Wer einen Fernseher mitnimmt, sollte darauf achten, daß das Teil die französische Secam-Norm verdauen kann. Das ist nicht die gleiche Norm, wie sie in Osteuropa oft verwendet wird! Für Rundfunk werden die weltweit gebräuchlichen Modulationsarten und Bänder benutzt, also UKW von 88-108 MHz in FM und Mittelwelle von 520 bis 1620 kHz in AM. Außerdem kommt vom Festland her noch alles Mögliche auf Kurz- und Langwelle (beides AM) rein.

An Batterien kriegt man auf Korsika alles zu kaufen, was man auch sonst in Europa findet. Wer ein Hörgerät hat oder spezielle Batterien für den Fotoapparat braucht, sollte sich allerdings Ersatzbatterien einpacken, das spart Ärger.






Die eigentliche Reise





Unsere Reise beginnt am 10. August 1993. Weil das eigentlich noch kein 'richtiger' Reisetag ist, numeriere ich ihn in guter Computertradition mit Null.

Alle Zahlen im Stil von 12.34 sind Uhrzeiten in MESZ (Mitteleuropäischer Sommerzeit), die in allen Ländern gilt, durch die wir auf unserer Fahrt kommen, alle Preise sind, wenn nicht anders angegeben, pro Person zu verstehen.

Die Abkürzung Hm hinter Zahlen bedeutet Höhenmeter.






0. Tag





Thomas' Bruder sammelt uns, die wir über einige Kilometer verstreut wohnen, mit dem Auto ein und fährt uns zum Saarbrücker Bahnhof, wo wir um 19.18 einen D-Zug der SNCF (Societé Nationale des Chemins de fer Français) besteigen. Die Tickets haben wir bereits zwei Tage vorher bei einem authorisierten Reisebüro erworben; die Bahnfahrt von Saarbrücken nach Marseille kostet uns pro Person 183 DM hin und zurück. Wir haben drei Abteilplätze reserviert, was sich im Nachhinein allerdings als unnötig erweist, denn die betreffenden Kurswagen (sowas gibt es bei der SNCF noch) sind nur schwach besetzt, und wir haben unser Abteil auf der ganzen Fahrt für uns allein.

Um Marseille nicht zu verpassen, stellt Thomas den Wecker seiner an einer Kordel hängenden Stoppuhr. Als vorsichtiger Mensch macht er zuerst einen Testlauf, und stellt dabei fest, daß unser einziger Wecker - nicht geht. In der Annahme, daß wir richtig schlafen könnten, schreibt er einen Zettel für den Schaffner, den er an die Tür pinnt. Im Nachhinein gesehen ein sinnloses Unterfangen, denn unsere Karten hat er schon gesehen, und zwischen Nancy (so 22.00) und Marseille hält der Zug nicht, also geht der Schaffner auch nicht durch die Wagen.

Mit drei Leuten in einem Sechserabteil zu schlafen, erweist sich als nicht ganz so einfach, denn die Sitze sind in zwei gegenüberliegenden Reihen zu je dreien angeordnet. Thomas' und mein Versuch, eine solche Dreierreihe als Liegefläche zu teilen, breche ich irgendwann ab und lege mich mit der Isomatte auf den Fußboden. Viel schlafen ist dort aber nicht, denn ohne Polster kriegt man jede noch so kleine Erschütterung ab, und hart ist es auch noch.

Der Zug fährt vor allem auf dem ersten Teil der Strecke eher langsam und macht viele Halts auch außerhalb von Bahnhöfen. Man kann die Fenster des vollklimatisierten Abteils nicht öffnen, und so kann ich nicht sehen, warum diese Halts gemacht werden. Allerdings habe ich mehrmals rote Signale gesehen und vermute daher, daß bei der SNCF genau wie bei der Deutschen Bundesbahn (DB) so, daß nachts Güterzüge Vorrang haben. Möglicherweise wird der Zug auch auf offener Strecke zusammengestellt, denn auch aus anderen Rchtungen kommen Kurswagen mit anderen Zügen, die in Richtung Marseille-Nizza (Nice) fahren. Die Aufenthalte sind schon recht nervig; zum Beispiel stehen wir von 20.20 bis 21.10. Ab Nancy fährt der Zug dann bis Marseille durch (also nur noch Halte außerhalb von Bahnhöfen), wo er dann um 05.15 mit sieben Minuten Verspätung ankommt, aber das gehört schon zum






1. Tag





Was macht man in Marseille um 05.15 in der Frühe, wenn es sogar noch dunkel ist? Nun, wir sortieren in unserem Gepäck herum, verteilen dies neu und verstauen das neu, stellen fest, daß niemand ein Wörterbuch dabei hat, und nachdem so die erste Viertelstunde rum ist, gehen wir zum Alten Hafen (Vieux Port). Dort liegt eine Menge von Yachten, und wir können auch beobachten, wie Fischer Vorbereitungen für den allmorgentlichen Verkauf von allem möglichen treffen, was einmal geschwommen ist.

So gegen 08.00 machen wir den Fährhafen ausfindig, von dem aus unsrere Korsikafähre um 21.00 gehen wird. Thomas und ich radebrechen mit einer Frau am Informationsschalter der Fährgesellschaft SNCM Ferryterranée (Societé Nationale Maritime Corse Méditerranée), die selbstverständlich nur Französisch spricht, mit dem Ergebnis, daß wir unsere Rucksäcke als Handgepäck mit an Bord nehmen können und daß unsere Fähre an der Mole J1 anlegen wird. Sie sagt uns auch, wo wir die Karten herkriegen, aber so ganz verstehen wir das nicht.

Während sich Thomas und Markus auf die Suche nach dem Verkaufsschalter für die Tickets machen, lasse ich meine Blicke durch die Wartehalle schweifen. Beim Lesen eines Hinweisschildes lerne ich, daß es im Französischen nicht nur 'verboten' (interdit) und 'streng verboten' (strictement interdit), sondern auch noch 'genaugenommen schon verboten, aber weil Du es bist und heute so schönes Wetter ist' (formellement interdit) gibt. Genauso halten es die Franzosen auch mit ihrem neuerdings geltenden Rauchverbot an öffentlichen Orten. Zu sagen, daß sie es schlicht ignorieren, wäre zu wenig; man kann fast sagen, daß sie es tolerieren, daß jemand versucht hat, ihnen die Gauloise zu vermiesen, ohne daß sie gleich wie wild um sich schlagen. Man hat schon den Eindruck, daß es eine 'jetzt gerade'-Mentalität ist, die sie dazu bringt, vor der Nase von Aufsichtsbeamten die Feuerzeuge aufblitzen zu lassen.

Ich habe gerade meine Sozialstudien beendet, als Markus und Thomas wieder auftauchen. Sie haben die Tickets außerhalb des Gebäudes auf der anderen Straße im Büro der SNCM gekauft; die Fahrt kostet uns drei insgesamt 1257 FF. Die billigsten Kabinen waren schon weg; das heißt aber nicht, daß man die nächsthöhere Kategorie zum gleichen Preis bekommt, das heißt schlicht, daß man Pech gehabt hat.

Weil es wohl kaum angebracht ist, in einem zugequalmten Warteraum stundenlang rumzusitzen, machen wir uns auf die Socken. Schließlich sind wir in Marseille, wo noch niemand von uns war, und zu sehen gibt es in dieser Stadt für einen Tag allemal genug. So 6-8 km kommen dabei schon zustande, bis wir gegen 20.00 zum Fährhafen zurückkehren. Unser Gepäck tragen wir dabei mit uns rum, denn Schließfächer kosten ordentlich Geld, und sie sehen nicht sehr vertrauenerweckend aus. Währenddessen hat Thomas noch die gute Idee in die Tat umgesetzt, ein kleines Wörterbuch (Dictionnaire) zu erwerben. Aus Langeweile packe ich noch den kleinen Schraubenzieher aus, den ich für die Bügel meiner Brille mitgenommen habe, und schaffe es damit, den Wecker zu flicken (war bloß eine Kontaktfeder verbogen).

Um 20.10 schiffen wir uns dann ein. Das heißt, wir versuchen es. Leider haben wir vergessen (bzw. es nicht geschnallt), unsere Tickets an einem anderen Schalter mit Bordkarten zu vertauschen. Wir holen das nach und stellen uns von neuem an.

Auf der Bordkarte ist für jeden Kabinenpassagier ein eigener vierstelliger Zahlencode vermerkt, der seine Kabinentür öffnet; scheinbar registriert ein Computer genau, wer wann welche Kabinentür geöffnet hat, was mir auch sinnvoll scheint, denn mitunter teilt man eine solche Kabine mit wildfremden Menschen und hat sein ganzes Gepäck drin.

Wir haben eine Viererkabine für uns allein. Sie enthält einen Schrank mit kratzigen Wolldecken und zwei Leitern zu den zwei Etagenbetten, und - Luxus! - ein Waschbecken. Dieses Waschbecken ist der Unterschied zur niedrigsten Kategorie und kostet uns etwa 20 FF. Niemand von uns nimmt die kratzigen Wolldecken - wir bevorzugen unsere Schlafsäcke. Vorher machen wir aber noch unsere Runde durch das Schiff und halten uns während dem Ablegen mit bloß 20 Minuten Verspätung an Deck auf.

Wie von den Franzosen nicht anders zu erwarten, sind alle Hinweise und Ansagen (Ausnahme: Rettungstafeln frz./engl.) ausschließlich in französischer Sprache gehalten. Aber das raubt mir nicht den Schlaf.






2. Tag





Um 06.30 werden wir wach; die Schiffsbesatzung weckt mit Dudelmusik. Nachdem wir das teuer bezahlte Waschbecken recht ausführlich genutzt haben und unser Gepäck wieder auf unseren Buckeln ruht, gehen wir an Deck. Die Ostküste von Cap Corse ist steuerbord zu sehen, und nach einiger Zeit kommt Bastia, die Hauptstadt des Distrikts 'Haute Corse', des nördlichen Korsika, in Sicht. Wir laufen gegen 07.50 mit genau der Verspätung ein, mit der wir auch abgefahren sind.

Bastia ist mit etwa 50.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Korsikas. Vom ganzen Ambiente her ist diese Stadt eher italienisch als korsisch, nicht nur von der Architektur her, auch die Betriebsamkeit ist für die Insel untypisch.

Wenn man mit dem Schiff anlegt, landet man gleich am großen Place St. Nicolas, eine große Freifläche mit Bäumen, Bänken, Denkmal und was so dazugehört. Hier gibt es auch gleich die Informationen vom Syndicat d'Initiative, das ist das, was man in englischsprachigen Ländern mit 'Tourist Information' bezeichnet. Wir holen uns dort einen Busfahrplan, dem wir entnehmen, daß unser Bus die Ostküste entlang schon um 08.30 geht. Wir beschließen, auf den um 16.00 zu warten, und besorgen zuerst mal ein Frühstück, das wir natürlich auf selbigem Platz im Schatten einer Palme einnehmen. Danach bummeln wir über den Boulevard Paoli, die Lebensader Bastias, wo wir uns Wanderkarten besorgen. Wir besuchen den Justizpalast, die Kirche Ste. Marie (sehenswert, aber schwer zu finden), die Zitadelle (der Bereich, der nichts kostet).

Wenn man durch die Altstadt Bastias läuft, verliert die Stadt viel von dem putzigen Aussehen, das sie vom Schiff aus hat. Kaum ein Haus hat intakten Putz, dafür hängen an den Außenwänden jede Menge Kabel und Rohre. Auch der Verkehr kann sich mit jeder Festlandsstadt messen; kein Wunder, denn auf 10 Korsen kommen 7 Autos, und die anderen haben Mopeds und Roller. Wenn dann noch die Touristen mit ihren Benzinkutschen einfallen, wird's halt etwas eng auf den Straßen.

Bastia hat eine funktionierende Infrastruktur mit vielen Geschäften, Telefonzellen an jeder Ecke und sogar zwei Supermärkten in der Innenstadt, was es als Ausgangspunkt für Touren ins Landesinnere empfiehlt.

Einige Zeit verbringen wir auch am Alten Hafen, wo wir im Schatten liegen (es ist Mittag, und da hält man auf Korsika 'Siesta', denn es ist sowieso alles geschlossen und viel zu heiß, um etwas zu unternehmen) und zeitweise die Füße ins Wasser baumeln lassen. Am Place St. Nicolas setzen wir uns in ein Straßencafé; eine Flasche Mineralwasser (900ml, mit 3 Gläsern) kostet uns stolze 30 FF, ist dafür aber das erste kühle Getränk seit zwei Tagen.

Wir gehen zum Busbahnhof, das heißt zur Rechtsabbiegespur gegenüber dem Postamt. Die Fahrkarten gibt's auch gleich dort; die Fahrt nach Favone (an der Ostküste, nördlich von Porto Veccio) kostet 90 FF und findet in einem nagelneuen Kässbohrer-Bus statt. Der Fahrer startet Autoradio und Motor (in der Reihenfolge), und nach einigen Minuten Fahrt passiert es, die zwei Monitore treten in Akton: vor unseren Augen und unseren Ohren (und das nicht zu knapp) quietschen Reifen und fliegen die Autos samt Fetzen und Kugeln. Innerhalb von 10 Minuten hat es schon ein halbes Dutzend Leute gekostet. Der Streifen, der uns da die Busfahrt-Romantik zerstört, heißt 'L'Opération Corned Beef', ein Film mit deutschem Bösewicht, erkennbar an seinen Gedichten.

Während der Fahrt sieht man auf der rechten Seite die Berge (beziehungsweise die küstennahen flachen Hügelchen; die im Landesinnern sind doch noch etwas höher), mit Macchia bewachsen. Links sieht man während der ganzen Fahrt Badestrand, und immer wieder Badestrand. Wer nach Korsika will zum Baden und Braten, der fährt am besten zur Ostküste.

Irgendwann hat der Fahrer ein Einsehen. Er stellt zunächst den Ton leiser, irgendwann ganz ab, und dann ist es mit dem Buskino ganz vorbei; wer jetzt wissen will, wie es weitergeht, muß halt in die Videothek.

An einem Bistro legen wir 10 Minuten Fahrpause ein. Als ich den Bus kurz verlasse, merke ich, daß die Klimaanlage des Reisebusses fantastisch funktioniert: die Hitze trifft einen wie ein Hammerschlag, man meint, gegen eine Wand zu laufen. Draußen stehen Fahrgäste und befriedigen sich selbst pulmonal; um nichts in der Welt würde ich die kühle Luft im Bus gegen heißen Rauch aus Kippen tauschen.

Plötzlich muß unser Bus merklich bremsen, weil ein Auto sich aus einer Einfahrt zu weit vorwagt. Unser Fahrer umfährt das Hindernis, steigt aus und redet dem Autofahrer mal gründlich ins Gewissen.

In Favone angekommen, gehen wir zum Campingplatz, wo wir nach einigem Suchen einen freien Platz auftreiben. Wir 'latzen' uns (wenn man bei einer 4-5-Portionen Miracòli-Packung für 3 Leute davon überhaupt sprechen kann) - die erste warme Mahlzeit seit zwei Tagen. Danach köpfen wir eine Flasche Wein (Muscat Doux - ein korsischer Weißwein mit immerhin 15 vol %), der so schmeckt wie irischer Whiskey - und auch so zuschlägt. Der Geschmack ist etwas streng, aber man gewöhnt sich dran, und dann läuft er runter wie Öl (30 FF die 750ml-Flasche).

Um 21.00 ist es dunkel, was vor allem daran liegt, daß wir uns hier doch schon etwas näher am Äquator befinden, wo die Dämmerung naturgemäß kürzer ist. Dennoch, Hygiene muß sein. Wir tappen zum Sanitärblock, wo ich auf diesem staubigen Campingplatz doch tatsächlich einen Laubfrosch und einen Gelbrandkäfer, ein Tier, das nicht laufen, sondern nur schwimmen kann! Wie auch immer der dort hingekommen sein mag...

Nachts mache ich kaum ein Auge zu. Am Anfang ist es so heiß, daß ich es nicht mal im T-Shirt aushalte, geschweige denn im Schlafsack. Bis 02.00 kühlt es dann aber soweit ab, daß ich mich in den offenen Schlafsack legen kann, und irgendwann so gegen 03.00 muß ich dann doch eingeschlafen sein.






3. Tag





Zuerst die Routine: aufstehen, duschen, rasieren, Zelt abbauen und alles verstauen. Das Frühstück besteht aus Müsli-Riegeln. Wir tappen nach Favone, wo Thomas einen Laden findet und mit stolzgeschwellter Brust mit Baguette (für Nicht-Franzosen: ein dünnes, stabförmiges Weißbrot) und ein paar Würstchen zurückkommt. Zu den Würstchen gibt es nur zu sagen, daß sie vermutlich immer noch in der Mülltonne am Strand liegen.

Um 09.10 machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Conca, Richtung Landesinneres. Wir schaffen den etwa 9 km langen Weg in 1h 40 min (im Velbinger steht 3-4h in Gegenrichtung). Wir sind jetzt auf 250 m und halten Siesta vor dem Garagenladen, in dem wir 9 (in Worten: neun) Liter Flüssigkeit eingekauft und gleich 6 (in Worten: sechs) Liter davon abgepumpt haben. Das ist auch dringend nötig, denn wir sind wirklich durch eine Gluthölle gegangen: so gut wie kein Schatten, und die Sonne ist wirklich unbarmherzig. Markus fällt dazu sofort die Reklame für ein Getränk ein...

Uns kamen auf dem Weg eine Menge fröhlicher Rucksackler entgegen - die haben's hinter sich.

Während wir da so liegen oder sitzen, kommt eine kleine, schwarze Katze vorbei. Sie ist sehr zutraulich, reibt sich an meinem Bein und läßt sich auch streicheln. Thomas hält ihr zunächst einen seiner Schuhe unter die Nase, was sie dadurch quittiert, daß sie sich angewiedert abdreht, aber als er ihr einen meiner Schuhe hinhält, ergreift sie die Flucht. Ich kann's gut verstehen.

Gegen 14.00 brechen wir auf und nehmen die erste Etappe des GR 20 in Angriff. Die Angabe im Velbinger (4-5h in Gegenrichtung) hat uns dazu ermutigt; wenn diese Zeitangabe so bemessen ist wie die für den Weg zwischen Conca und Favone, sollten wir das locker schaffen.

Nach wenigen hundert Metern finden wir einen Brunnen, der reichlich das liefert, was wir (für bares Geld und nicht billig) eingekauft haben und jetzt bereits 100Hm nach oben geschafft haben: Trinkwasser. Wir befeuchten unsere Käppis, und unterdessen kommt uns ein Franzose entgegen, der uns erzählt, er sei etwa sieben Stunden von Col de Bavella aus unterwegs gewesen, und die Paliri-Hütte (unser Etappenziel) habe er vor etwa fünf Stunden verlassen. Der Kerl sieht recht fit aus, und zum ersten Mal kommt uns der Gedanke, daß wir den Weg bis Paliri heute vielleicht nicht mehr schaffen; wir gehen trotzdem weiter, denn Zeit haben wir bei der Anreise schon genug vertrödelt.

Der Weg ist hart: wenig Schatten, fast nur bergauf. Gegen 16.30 erreichen wir eine Kaskade von kleinen Badegumpen, und mich kann nichts, aber auch gar nichts davon abhalten, eine Runde in einer davon zu schwimmen. Nach einer Viertelstunde FKK-Bad in recht kaltem Wasser fühle ich mich erfrischt; Markus läßt sich nicht davon abhalten, diesen erhabenen Moment des erfrischt aus der Gumpe Steigens auf Zelluloid zu bannen.

Gegen 17.00 gehen wir weiter. Wir kommen allerdings nicht weit: wie auf Kommando fangen bei mir beide Knie an, Amok zu laufen; die sie haltenden Muskeln krampfen, und auch Massieren mit Spolera schafft nur vorübergehende Abhilfe. Nach einigem hin und her gehen wir (bzw. schleppe ich mich) zu den Gumpen zurück. Davor befindet sich nämlich eine ebene Sandfläche, die sich vorzüglich zum Campieren eignet (was auch eine Reihe von Schildern mit Inhalten wie 'Camping Bivouac Feux Interdits' etc. nicht ändern kann). Schon beim Baden hatte ich allerdings festgestellt, daß das Wasser etwas moderig schmeckt; nach etwas Erholung steige ich (natürlich ohne Gepäck) entlang der Gumpen den kleinen Wasserfall (insgesamt vielleicht 50 Hm) hoch und stelle fest, warum dem so ist: bevor das Wasser seinen Weg über den Wasserfall und die Gumpen nimmt, läuft es mit wenig Gefälle (und deshalb langsam) durch einige Wasserlöcher, die unverkennbar (was Nase und Augen im Einklang feststellen) Wildschweinen zum Suhlen dienen!

Dennoch, abgekocht ist das Wasser in Ordnung und schmeckt auch recht gut. Thomas und Markus nehmen auch noch ein Bad, und diesmal bin ich derjenige, der fotografiert. Rache muß sein. Wir verdrücken eine Ladung Reis (Schwimmen macht hungrig), und ich koche noch etwa 3 Liter Wasser für den nächsten Tag ab. Das Zelt ist schnell aufgebaut, meine Hüftkuhle (die in der letzten Nacht definitiv gefehlt hat) ist schnell gewühlt, und müde von den ungewohnten Strapazen des heutigen Tages schlafen wir schnell ein.






4. Tag





Kaum beginnt es hell zu werden (06.00), stehen wir auf, essen ein Häppchen, packen unsere Siebensachen und gehen gegen 07.00 los. Schon recht bald merken wir, daß wir Glück (sic!) gehabt haben, daß ich gestern nicht mehr weiterkonnte, denn wir hätten den Weg niemals bis zum Einbruch der Dunkelheit geschafft, und zum Übernachten ist kein Platz, den wir noch finden, besser geeignet als der mit den Verbotsschildern. Außerdem ist das Laufen in der Kühle des Morgens wesentlich angenehmer als in der Mittagshitze des Vortags.

Dennoch ist der Weg sehr hart: wir steigen von 550m (Gumpen) auf etwa 1100m, wieder ab auf 900m (steil!) und dann auf 1060m (Paliri-Hütte), und als wir gegen 12.00 dort ankommen, bin ich ein Wrack. Das Wasser hat gerade so eben gereicht, um den ärgsten Durst zu stillen. Unterwegs gab es zwar eine gekennzeichnete Quelle, doch war diese leider schon dem fortgeschrittenen Sommer erlegen.

Obwohl ich in den letzen 48h (gemessen am Energieverbrauch) nur wenig gegessen habe und vor Erschöpfung fast umfalle, kann ich nichts essen; der Versuch, mir einen Schokoriegel einzuverleiben, scheitert kläglich.

Wir kommen dann also doch irgendwie zur Paliri-Hütte, wo schon circa 15 Personen rumlungern. Ich lasse meinen Rucksack fallen, schnappe mir meinen Trinkbecher samt einer Wasserflasche und falle 50m den Weg zur Quelle hinunter, wo ich mich erstmal darunterlege und mich vollaufen lasse. Ca. 2l verleibe ich mir sofort ein und etwa 1l in Schlucken von etwa 100ml innerhalb von Minuten. Gut, daß es bei dieser Hütte (wie bei allen, die wir noch besuchen) Wasser reichlich und in guter Qualität gibt.

Aus meinem Quasi-Koma erwacht, sehe ich, daß es bei dieser Refuge sogar Klo und Dusche, ja elektrisches Licht (Solarzellen und Akkus) gibt!

Richtig wieder zu Kräften komme ich allerdings erst wieder, nachdem ich mich über Instant-Tee, Instant-Tee mit Milch und konzentrierten Instant-Tee mit Milch bis zu drei Tellern Spargelcremesuppe vorgekämpft habe; der Magen mußte buchstäblich an die Nahrungsaufnahme gewöhnt werden. Das alles klingt vielleicht sehr dramatisch; sicher war die Situation nicht gefährlich, aber doch recht unangenehm.

Diese Roßkur nehmen die Verdauungsorgane denn auch nach kurzer Zeit übel und quittieren sie mit Dünnschiß. Die aufgesuchte Toilette hat mich (für den Ort, an dem wir hier sind) angenehm überrascht: Typ Französisch (also ein Loch im Boden), mit allerdings defekter Wasserspülung, einem Wasserhahn und einem roten Plastikeimer. Die Gebrauchsanleitung hängt an der Tür, aber man kommt auch leicht selber drauf.

Zu der Sitzgruppe, auf der wir uns kurz nach unserer Ankunft niedergelassen haben, kommt der Gardien (Hüttenwart) und fragt, ob wir eine Kuh gesehen haben. Haben wir nicht. Aber hier gibt es sehr viele sehr muntere Eidechsen, die die Tageshitze offenkundig besser vertragen als wir. Wir vertreiben uns die Zeit mit Schlafen, Schreiben (ich) und Skatspielen, und gegen Abend gehen Markus und ich duschen. Es handelt sich um einen Bretterverhau mit einem Schlauch, und zusammen mit dem eiskalten Wasser, das da rauskommt, ist das eine wirklich urige Sache.

Erst jetzt merke ich, daß meine Edelstahl-Tasse Rost angesetzt hat. Weil ich es genau wissen will, fülle ich sie mit heißem Salzwasser und lasse sie eine Weile stehen. Das Wasser wird braun, und ich schleppe die Tasse bloß noch mit, um sie den Leuten im Laden, wo ich sie gekauft habe, zu zeigen.

Während wir zu abend essen, kommt eine junge Frau vorbei und kassiert die Platz- und Gasnutzungsgebühr von 10 FF. Später am Abend sitzen wir mit einem Paar aus Nürnberg zusammen, daß die Tour von Nord nach Süd gemacht hat, und köpfen die Flasche Wein, die Thomas im Schweiße seines Angesichts und zu unserer jetzigen Freude hochgeschleppt hat. So erfahren wir den neuesten Hüttentratsch, d.h. was sich alles gegenüber dem Velbinger (den sie natürlich auch haben) geändert hat. Die Nacht ist dann, wie nicht anders zu erwarten, kurz und ereignislos.






5. Tag





Morgens stelle ich fest, daß ich mir die kleinen Zehen so malträtiert habe, daß ich kaum die Schuhe anziehen kann. Wir haben eh nur eine kurze Etappe von etwa 2 1/2 Stunden vor uns und bleiben den Morgen da. Die Zeit vertreiben wir uns mit Dauerskat, und um 14.00 ist Abmarsch mit dünnen Frotteesocken und _ohne_ Pflaster kann ich einigermaßen laufen.

Die Etappe ist zwar kurz, geht aber über Berg und Tal und Stock und Stein und ist stellenweise fast alpin. Mitunter ist es nützlich, schwindelfrei zu sein (ich bin's weitgehend). Die Wegführung hat sich gegenüber Velbinger und Karte etwas geändert, aber wir erreichen Col de Bavella, einen kleinen Ort an einer Paßstraße, leicht bis 17.20. Ein Blick in das dortige Geschäft zeigt 'Boissons frais': sofort wird zugeschlagen; wir kaufen Lebensmittel für drei Tage.

Es gibt im Ort keinen Campingplatz und die Übernachtung in der Auberge kostet für Rucksackler den Extrasonderpreis von nur 160 FF, aber ein Kneipier hat nichts dagegen, wenn wir hinter seinem Etablissement (neben der Güllegrube) zelten, jedenfalls sagt uns das eine junge Frau aus der Küche, die sogar Deutsch spricht. Nachdem wir dort unser Zelt aufgeschlagen haben und beim Essen sind, klärt uns eine andere Frau auf, daß es sich hier um einen Nationalpark handelt, die Grundstücke mitnichten Privateigentum sind und somit das allgemeine Campingverbot auf Korsika Gültigkeit hat. Selbst die Häuser der Ortsbewohner werden bloß geduldet. Sie verweist uns aber sehr freundlich auf den Platz um die alte Kapelle, wo Campieren toleriert wird. Uns ist es eigentlich recht, denn die Güllegrube ist ein unangenehmer Nachbar.

Wir ziehen also um zur Kapelle, bauen auf und legen uns hin, nachdem wir vorher noch einem Italiener unseren Korkenzieher (an Thomas' Schweizer Taschenmesser) geliehen haben und dafür einen Schluck Wein eingeheimst haben. Eine Kuh bimmelt uns aus nächster Nähe in den Schlaf. Ich stopfe mir was in die Ohren; andere haben da scheinbar größere Probleme damit. Selbst durch die Stopfen höre ich, wie andere Jagd auf die Kuh machen.






6. Tag





Wir stehen gegen 06.15 auf, kämpfen eine Weile gegen die Faulheit, bauen das Zelt ab und frühstücken. Das Gegenteil davon ist schon schwieriger, weil im weiten Umkreis überall Zelte und Schlafsäcke mit Inhalt rumliegen, aber mit etwas Geduld und etwas Wagemut ist es zu schaffen. Während wir am Packen sind und gerade noch die letzten paar Sachen in die Rucksäcke stopfen, kreuzen zwei Gendarme auf. Sie stehen am ersten Zelt, reden mit den (desinteressierten) Zeltinsassen und scheinen etwas zu schreiben. Weil Polizisten nichts umsonst schreiben, leiten wir den beschleunigten Rückzug ein; mittlerweile ist es 08.15, und es ist zu verstehen, daß um diese Zeit niemand mehr an diesem Ausflugsziel rumliegen sollte, der die Andacht des Ortes stören könnte. Die gleichen Gendarmen haben uns sogar nachher an einem Kiosk freundlich gegrüßt; wir haben uns scheinbar mit unserem frühen Abmarsch an ungeschriebene Regeln gehalten.

Am Dorfbrunnen ergänzen wir unsere Wasservorräte. Ein weiterer Besuch in dem kleinen Laden macht klar, daß es hier keinen Brennspiritus zu kaufen gibt; nicht, daß uns der schon ausgegangen wäre, die Suche danach ist rein informeller Natur, denn auf solche kleinen Läden werden wir noch öfter treffen.

Hier noch einmal Col de Bavella in Kurzform: in der Auberge Übernachtung mit Frühstück für 160 FF. Im Laden kostet eine 1,5l-Flasche Limo/Cola/sonstwas 15 FF und ist gekühlt; auch ansonsten gibt es in dem Laden eine Menge Eß- und Trinkbares. Beim Wildcampen an der Kapelle sollte man sich einen etwas von der Straße entfernten Platz suchen und bis 08.00 verschwinden. Der Brunnen im Ort liefert gutes Trinkwasser. Busse fahren 1x am Tag Richtung Porto Vecchio (abends um 18.30) und Ajaccio (morgens um 08.00).

So gegen 09.00 nehmen wir die heutige Etappe in Angriff. Der Weg geht vom Col de Bavella aus erst mal so 200Hm bergab und erweist sich als recht beschwerlich, da recht grobes Geröll einen dazu zwingt, große Stufen (bis Kniehöhe) zu nehmen. Dann allerdings beginnt der Weg, sehr langsam und sehr viel glatter anzusteigen, und erfreulicherweise (erfreulich trotz unserer großen Vorräte) finden wir alle paar hundert Meter Wasser, das man gut trinken kann. Wir nehmen es vor allem zum Befeuchten unserer Kopfbedeckungen, denn die Sonne beginnt allmählich mit der alltäglichen Marter. Bis 12.00 steigen wir, nun deutlich steiler, bis auf etwa 1250m bergan, wo wir im Schatten einiger Bäume erst einmal Siesta halten, bis die gröbste Mittagshitze vorbei ist.

Wir erreichen die Bergerie (Schäferei) d'Asinao gegen 17.00; sie ist verlassen. Insgeheim hatten wir gehofft, hier Käse kaufen zu können, aber dafür ist es wohl schon ein bißchen spät im Jahr. Wir steigen gleich noch die 100Hm höher zur Refuge d'Asinao hinauf, wo wir die heutige Etappe beenden. Gute Zeltplätze sind keine mehr frei; wir beschließen, einmal das Übernachtungsangebot einer Refuge auszuprobieren. Eine solche Refuge hat neben den Räumlichkeiten des Gardien zwei gar nicht allzu große Räume, von denen der eine ein Aufenthaltsraum mit Tischen, Bänken und Gaskochern und der andere ein zweistöckiges Matratzenlager ist. Die Übernachtung samt Gasbenutzung kostet 40 FF. Diese auf 1540m liegende Hütte bietet im Bedarfsfall (also an fast allen Tagen zur Hochsaison im Sommer) bis zu 35 Personen Platz.

Der Weg von Col de Bavella zur Refuge d'Asinao war nicht gerade leicht, aber wir haben ihn uns durch unsere Unwissenheit auch unnötig schwer gemacht: wir schleppten mehr als 8 Liter Wasser in der Gegend herum, dabei gab's das am Weg wirklich reichlich. 1 Liter pro Person hätte sicherlich ausgereicht, aber gebranntes Kind scheut halt das Feuer.

Gegen Abend kreuzt doch tatsächlich jemand mit dem idealen Transportmittel auf: zwei Eseln. Vermutlich versorgt er den Gardien, der übrigens so ziemlich alle Sprachen zu sprechen scheint: Deutsch und Englisch sind neben Französisch, Italienisch und Korsisch die Sprachen, in denen ich ihn innerhalb kurzer Zeit reden höre (na ja, zumindest für 'hallo' hat es gereicht).

Hier treffen wir zum ersten mal auf eine Gruppe, die uns noch längere Zeit auf den Fersen bleiben wird. Sie besteht aus einem (wie uns scheint) französischen Paar, einem weiteren männlichen Begleiter (mit blondem Haar und Gitarre) sowie einem älteren, dunkelhaarigen und einem jüngeren, blonden Mädchen. Die Mädchen sprechen untereinander ein schauderhaft schnelles und undeutliches Englisch; auch mit dem Blonden unterhalten sie sich meist auf Englisch. Zusätzlich können sie aber auch noch recht gut Französisch.

Wenn an dieser Gruppe etwas auffällig ist, dann daß das blonde Mädchen schier ohne Pause am Quasseln ist. Außerdem ist es eine feine Sache, jemanden (nämlich den Blonden) Gitarre spielen zu hören; es verleiht dem Hüttenleben ein wenig Romantik.

Daß die Hüttenschlaferei nicht das Gelbe vom Ei ist, habe ich mir schon vorher ausgerechnet, denn bei mehr als 30 Leuten in einem Raum dreht sich spätestens alle Minute jemand um, und rein statistisch sind garantiert drei Schnarcher dabei. Schon nach etwa einer halben Stunde auf dem überfüllten Matratzenlager, auf dem man sich kaum rühren kann, finde ich meine Befürchtungen bestätigt: es raschelt in einem fort, und geschnarcht wird a capella. Irgendwann muß ich dann aber doch eingeschlafen sein.






7. Tag





Wir stehen zwangsläufig recht früh auf, denn die anderen tun das auch, und natürlich ist trotz aller Rücksichtnahme kaum mehr an Schlaf zu denken, wenn nebenan gefrühstückt wird. Wir schließen uns dem allgemeinen Gefuttere an und brechen gegen 08.00 auf. Als wir nach etwas über drei Stunden am Gipfelkreuz des 2134m hohen Incudine stehen, wissen wir, was wir geschafft haben: 550Hm auf ungefähr 800m horizontaler Strecke! Bei uns zuhause nennt man das 'die gladdisch Wand nuff'. Dann noch weitere 150Hm bequemer Anstieg, und wir werden für die derbe Strapaze mit trotz dunstiger Luft guter Aussicht belohnt.

Am Gipfelkreuz hisst Thomas eines seiner T-Shirts als Flagge; die dahinter steckende Symbolik ist die, daß es sich um ein Kurs-T-Shirt seines Erdkunde-Leistungskurses aus der Schulzeit handelt und er das Bild seinem damaligen Lehrer als Rätsel und Postkarte zugleich von zuhause aus zuschicken will. Mal sehen, ob er herausfindet, wer ihm das Bild zugespielt hat, und wo es aufgenommen wurde.

Auf dieser höchsten Erhebung weit und breit findet sich auch noch ein Relais der Feuerwehr und Bergrettung. Solche Relais gibt es auf Korsika massenhaft; sie werden mit Solarenergie und Akkus betrieben und ermöglichen erst die Funk-Kommunikation auf der buckligen Insel.

Nach einiger Zeit holt uns unser Schatten in Form der französisch-englischen Gruppe ein, und natürlich ist die Blonde wieder am Quasseln. Ich weiß nicht mehr genau, wann wir den Spitznamen geprägt haben, aber spätestens ab dort nennen wir sie bloß noch 'das Radio'. Der Blonde war der Gruppe vorangeeilt und hielt bei unserer Ankunft sein Nickerchen unter dem Gipfelkreuz. Ein Paar (sic) Berliner machen das obligatorische Gipfelfoto von uns.

1 1/2 Stunden später steigen wir auf der anderen, etwas flacheren Seite des Incudine wieder einige hundert Meter ab bis zur ehemaligen (weil bis auf die Fundamente zerstörten) Refuge Pedinielli. Der Velbinger klärt uns hierzu auf, daß die Verwaltung des PNRC (Parc Naturel Régional de la Corse) die Hütte nicht mehr aufbaut, weil es 'aufgrund gewisser soziologischer Eigenheiten der umliegenden Bevölkerung' keinen Sinn machen würde (sprich: sie würde wieder abgefackelt werden, warum auch immer).

Weil hier die nächste Quelle einige hundert Meter weit weg ist (und noch dazu 50Hm den Berg rauf), gehen wir noch eine halbe Stunde weiter bis zu einer Hängebrücke über einen Bach, wo jemand einen kleinen Verkaufsstand aufgeschlagen hat. Natürlich ist er teuer, und das Sortiment ist - vorsichtig ausgedrückt - sehr beschränkt (um nicht zu sagen: geradezu lächerlich klein). Hundert Meter weiter lassen wir uns nieder, und die Show beginnt.

Wir kochen uns was zu essen (natürlich Reis), und kaum haben wir was auf dem Teller, kreuzt ein Rudel von genau 12 wilden Hausschweinen auf. Sie schnüffeln mit ihren steckdosenartigen Rüsseln in der Gegend rum, und ihnen kann natürlich nicht entgehen, daß wir da was Eßbares haben. Es gelingt uns jedoch leicht, die eigentlich schon etwas scheuen Tiere auf Distanz zu halten; enttäuscht über unsere ablehnende Haltung vergnügen sie sich an einer alten Feuerstelle einige Meter weiter. Man glaubt es kaum: sie kauen genüßlich die Holzkohle! Irgendwann haben sie auch davon genug und trotten zu einer etwa 50m entfernten matschigen Stelle, wo sie in der Gegend rumsauen. Schließlich sind sie weg - aber nicht lange, denn der Köter des Budenbesitzers nebst zwei Komplizen scheucht sie wieder auf, und zusammen treiben sie sie wieder in unsere Richtung. So geht das ungefähr vier Stunden lang: die Schweine verziehen sich, und die Tölen stöbern sie wieder auf. Um 18.00 haben wir die Faxen dick; wir gehen den etwa 1,5km und 150Hm weiten Weg zur ehemaligen Refuge Pedinielli zurück ---- um dort vom Regen in die Traufe zu kommen!

Hier hat sich nämlich in der Zwischenzeit eine Halbhundertschaft Halbstarker (es scheint sich um eine oder zwei Schulklassen zu handeln, die Kids sind so 11-15 Jahre alt) niedergelassen (natürlich auf allen brauchbaren Zeltplätzen)! Wir ärgern uns gründlich, dann stellen wir unser Zelt auf eine ackerartige (na gut, halt nicht ganz ebene) Fläche. Ein gerade ankommender Italiener ohne jegliche Fremdsprachenkenntnisse scheint uns nach der Lösung für das Zwergenproblem zu fragen; auf Verdacht schicken wir ihn zu den Schweinen und haben ihm damit bestimmt einen Gefallen getan. Markus und Thomas gehen zur Quelle, um Wasser herzuschaffen.

Währenddessen kann ich beobachten, wie die Raubtierfütterung beginnt, und ich habe das zweifelhafte Vergnügen (während ich dies schreibe), Waggesknirpsen zuzuhören bei der Klärung der weltbewegenden Frage, ob man die Milch vom Gas holen muß oder nicht, bevor man den Flockenpüree einrührt. Die 'Für'-Sprecher gewinnen. Ich bin mal gespannt, wieviel Abfall morgen hier rumliegen wird.

Dem Zauber nach, den die Zwerge veranstalten, sind sie heute höchstens fünf Kilometer gelaufen - in Turnschuhen und mit leichtem Gepäck; das heißt, die Bergwelt Korsikas wird sie nicht allzu lange ertragen müssen. Ich fühle mich ein bißchen wie Henry Wilt, der 'Held' meiner Ferienlektüre, der der Ignoranz der Welt im Speziellen und der Menschheit im Allgemeinen den Kampf mit ungewöhnlichen Mitteln angesagt hat, und ertappe mich ehrlich bei Gedanken, wie ich denen die Hölle so heiß wie sie uns machen könnte. Das Zwergengeschrei hallt hundertfach von den umliegenden Bergen zurück; man glaubt kaum, wieviel die plärren müssen, um an ein Stück Schokolade zu kommen.

Als wir hier ankamen, meinte Thomas, daß jetzt eigentlich nur noch ein Flugzeug hier abstürzen müßte, und der Tag wäre perfekt. Gerade kommt eins vorbei, aber es bleibt lieber oben, als hier zwischen die Blagen zu fallen, und ich kann es ihm wirklich nicht übelnehmen. Ich beschließe, nächstes Jahr nach Mallorca zu fliegen, da ist es bestimmt ruhiger.

Bitte, lieber Leser, glaube mir, ich hätte lieber etwas vom Zauber der mich umgebenden Berge, vom Reiz der rasch abwechselnden Landschaft (von alpin bis mitteleuropäisch bewaldet) und vom Rot der im Westen untergehenden Abendsonne geschrieben, aber heute ist mir nicht mehr danach, und ich lege deprimiert den Schreibblock weg.

Hah! Nur, um ihn gegen 20.30 wieder in die Hand nehmen zu müssen, denn gerade beginnen die Blagen damit, Korsika in Brand zu stecken! Überall im Landesinnern ist offenes Feuer aus sehr gutem Grund streng tabu, und die belassen es nicht bei einem Lagerfeuer, es muß gleich mannshoch werden! Na, hoffentlich fangen sie nicht noch an, zu singen. Doch, sie tun's! Und legen Stämme auf, die wohl morgen noch glühen. Thomas und ich sind uns einig, daß uns nur die Sprachbarriere davon abhält, die Knirpse samt ihrer Aufsicht mal gründlich zusammenzustauchen, aber wenn man nicht mal die Sprache richtig spricht, macht man sich bei einer solchen Bande doch bloß lächerlich (schließlich waren wir auch mal jung). Wir sprechen mit einer Französin, die neben uns mit ihrer Familie zeltet, und sie ist genauso darüber erregt wie wir. Kraft ihrer Sprachfähigkeiten übernimmt sie den Part des Loswetterns, und das Feuer wird tatsächlich kleiner; der Funkenflug läßt nach.






8. Tag





Wir stehen gegen 07.15 auf, um festzustellen, daß die halbe Meute schon abgerückt ist. Der Rest setzt sich eine halbe Stunde später in Marsch; sie gehen in Richtung Incudine. Thomas' Feuerlöschkontrolle ergibt, daß sie ganze Arbeit geleistet haben; offenbar hat die Französin gestern genügend auf den Betreuer eingeredet.

Heute ist Waschtag, sowohl für mich als auch meine Kleidung. In der Nähe gibt es eine kleine Felsvertiefung, in der sich das Wasser eines kleinen Bachs etwas staut (für nach uns kommende: immer den Hinweisen 'poubelle' nach...). Zum Trinken würde ich es nicht unbedingt nehmen, aber zum Waschen taugt es allemal. Ich verwende dazu einen Topf vom Trangia und etwas Neutralseife, die Thomas unter dem Namen 'Outdoor-Seife' zu echten Outdoor-Preisen erstanden hat. Erstaunlicherweise geht der Mief sogar aus den Klamotten raus, ebenso der gröbste Dreck; von 'sauber' kann man allerdings nicht sprechen, aber wen interessiert das schon inmitten von sehr viel Nichts?

Wir machen uns auf den Weg zurück zu dem Halsabschneider (eigentlich sind es mehrere in einer Art Schichtbetrieb) am Fluß und frühstücken dort, was recht teuer aber nicht nur meiner Ansicht nach einem Müslifrühstück vorzuziehen ist.

Anschließend gehen wir das, was auf der Karte aussieht wie 4km mit 300Hm Anstieg, davon ein gutes Stück auf einem Bergrücken. Wir kommen zuerst durch eine Gegend, die unserem heimischen Wald zum Verwechseln ähnlich sieht, ebenso wie eine saftige Wiese, auf der Rindviecher und sogar Blumen stehen!

Und dann: peng, wieder in den Alpen. Unsere ebene Strecke auf dem Bergrücken entpuppt sich als die Tour der sieben 1800er. Der Weg läßt keinen Gipfel aus, und für die vielleicht 1,5km brauchen wir locker zwei Stunden. Die Strecke muß alpin genannt werden: man muß stellenweise klettern, und ein Kreuz weist unmißverständlich darauf hin, daß es nicht ganz so einfach ist, denn hier hat es vor ein paar Jahren einen Landsmann von uns gekostet. Einige Passagen sind so eng, daß wir mit unseren Rucksäcken echte Probleme kriegen, und mitunter muß man irgendwie 1,5m nach unten, wobei das 'unten' eine schiefe Ebene ist.

Dennoch, gegen 16.30 langen wir in drei Stücken (zu je einem Menschen mit Rucksack) auf der Usciolu Hütte in 1750m Höhe an; wir campen etwas unterhalb davon. Gleich nach der Ankunft wird verdientermaßen geduscht; was braucht der Naturfreak dazu mehr als Wasser und Sonne? Die 'Dusche' ist ein Bretterverhau, der nach drei Seiten hin abgeschlossen ist, nur nicht zu den etwa zehn Zelten im unteren Bereich des Campingplatzes; das erste ist etwa zehn Meter entfernt, und um diese Zeit herrscht reger Betrieb. Für die Dusche muß man zeitweise sogar anstehen, und es ist schon lustig weil ungewohnt, hier Männlein und Weiblein in trauter Eintracht wie von Gott geschaffen in einer Schlange stehen zu sehen. In einem Andrangsloch kommt dann unser Auftritt: das Wasser ist so kalt, daß man eh nicht drunter stehen bleibt, also macht sich einer naß, der andere seift sich ein, der dritte wartet auf seine 'time slice'. Alles in allem ein echtes und nasses Vergnügen, an dessen Ende wir uns sauber und erfrischt fühlen.

Nach uns macht doch tatsächlich ein junger Mann (etwa in unserem Alter) - zur allgemeinen Erheiterung - die Nummer mit der Badehose! Seine Verrenkungen, die dazu dienen, sich überall zu waschen, aber nichts zu exponieren, wirken wie ein Augenmagnet, zumal er eine knallrote Badehose trägt. Sicher hätte ohne dieses Leuchtsignal niemand hingeschaut; das hat er nun von seiner Genierlichkeit.

Die Freiluft-Wasseraktivitäten und der beschwerliche Weg haben uns hungrig gemacht; wir werfen den Kocher an, und natürlich gibt es Reis, diesmal in Ermangelung von Soßen mit Spargelcreme-Suppe, was sogar erstaunlich gut schmeckt. Allerdings kann man unsere diesbezügliche Objektivität durchaus in Zweifel ziehen, denn mit Hunger im Bauch schmeckt so ziemlich alles.

Der Gardien der Usciolu-Hütte bietet gekühlte Getränke an: Limo/Cola/Bier (Kronenbourg) 0,2/0,25l für 13 FF. Eine Pulle roter Landwein (ohne Etikett, 750ml) kostet 25 FF; wir genehmigen uns je ein Bier (oder besser das, was die Franzosen als Bier bezeichnen) und eine Flasche Wein. Seine Wurst für 50 FF kann er behalten; das ist mehr als der dreifache Ladenpreis!

Hier treffen wir die Radio-Gruppe wieder; weiß der Geier, wo die die letzte Nacht verbracht haben. Mittlerweile grüßen wir uns schon nur noch mit Handzeichen.

Nachts kommt Sturm auf, und ehe wir es merken, ist das Zelt voll Staub, denn der Platz um uns herum liegt voll davon. Schlimmeres verhindern wir dadurch, daß wir die Schotten dicht machen. Die Nacht ist laut und kalt; der eisige Wind heult etwas, und der gegen das Zelt prasselnde gröbere Sand sorgt für den gleichen akustischen Eindruck, den ein Regen machen würde.






9. Tag





Um circa 08.00 verlassen wir die Usciolu-Hütte. Wir steigen ab auf etwa 1500m, wo wir bei einem Einsiedler sogar Wasser finden. Eine Siesta verkneifen wir uns heute, in der Hoffnung, nicht nur bis zum Etappenziel Refuge Prati zu gehen, sondern gleich noch bis zum Col de Verde. Daraus wird allerdings nichts, denn unsere heutige Etappe entpuppt sich als beinhart. Nach einem in der Endphase echt derben Ansteig auf 2000m geht es immer 50Hm hoch und runter, bis wir mindestens 1000Hm zusammen haben... ich bin ziemlich fertig, als wir auf der Refuge Prati (1840m) ankommen, und schaffe die nächste Etappe heute ganz sicher nicht mehr.

Etwa zwei Stunden später kommt die Radio-Gruppe, also Handzeichen und grinsen. Eigentlich erstaunlich, wie gut die beiden Mädchen die Tour durchhalten; sie quasseln immer noch ohne Unterlaß.

Der Rest des Tages ist ereignislos; auch hier oben ist es sehr zugig und nach Sonnenuntergang saukalt. In unserem Zelt, das zwischen Rindviechern auf der Weide steht, verziehen wir uns früh in die warmen Schlafsäcke.






10. Tag





Irgendwann nach 08.00 gehen wir los; der Weg geht zunächst so 50Hm bergan. Dort erwartet uns bereits sehnsüchtig ein wirklich rauher Abstieg um immerhin 600Hm, den wir aber gut hinter uns bringen, obwohl die Knie davon nicht allzu begeistert sind. Wir sehen ein, daß Wanderstöcke vielleicht doch sinnvoll sind.

Noch vor 11.00 kommen wir nach Col de Verde, wo wir Rast an einer Kneipe machen, die Sandwiches anbietet - aus nichts als einem Drittel Flûtes und Schinken (Lonzu) oder Salami oder Käse für stolze 22 FF! Wir genehmigen sie uns trotzdem, denn wir haben nicht nichts richtiges gefrühstückt in der Erwartung, hier was besseres als Müsli zu kriegen (und natürlich auch, um unsere diesbezüglichen Vorräte zu schonen), aber dafür trinken wir halt nichts außer Wasser, und das gibt's am Brunnen reichlich und kostenlos.

Als wir mit unseren Sandwiches fertig sind, kommt die Radio-Gruppe. Nach der üblichen Handzeichen- und Grins-Begrüßung futtern sie sich durch einige Chipstüten und trinken auch einiges; offenbar spielt Geld für sie keine Rolex, denn beides ist hier wirklich teuer.

Eigentlich wäre jetzt die heutige Etappe schon beendet, aber wir hängen noch eine dran, die etwa 15km lang ist und sich bis auf drei kleinere Stellen (Anstiege) wirklich gut geht. Es gibt zwischendurch einen Bach, der in der Nähe einer Hängebrücke (allmählich werden die Brücken interessanter weil größer und höher) zum Fußbad einlädt, was wir in Anbetracht der Tatsache, daß gerade Siesta-Zeit ist, auch annehmen. Allerdings ist das Wasser so kalt, daß man die Füße nicht allzu lange im Wasser lassen kann, wenn man am gleichen Tag noch darauf angewiesen ist.

Mit Wasser ist diese Etappe überhaupt gut ausgestattet; man braucht nicht mehr als einen Liter pro Person zu schleppen, denn bevor der alle ist, findet man neues.

(Auf der Karte) Kurz vor unserem Etappenziel geht es dann erstaunlicherweise sehr viel mehr bergan, als man aus der Karte herausliest. Wir landen nach anstrengenden etwa 150Hm bei einer Bergerie, auf der allerdings nichts verkauft wird. Immerhin gibt's gutes Wasser in rauhen Mengen, und es tut schon gut, da den Kopf drunterzuhalten und den Mund dabei aufzumachen.

Nach kurzer Rast schaffen wir uns weiter bis Capanelle, eine Ski-Lift-Basisstation mit einigen Bergerie-Häusern, einem 'Hotel' mit Laden und Matratzenlager sowie zwei klitzekleinen Refuges und einigen recht mäßigen Möglichkeiten, Zelte aufzubauen, kombiniert mit einer Straße. Wir ergänzen im recht gut sortierten kleinen Laden (aber kein Spiritus!) unsere Vorräte so weit, wie wir sie für heute abend brauchen, unter anderem zwei Dosen, die laut Etikett ein Gemisch aus weißen Bohnen, Würstchen und Salamischeiben enthalten. Allerdings schmeckt das Zeug dermaßen scheußlich, daß Nachfolgern davon wirklich nur abgeraten werden kann. Markus und ich schnappen noch ein paar Pastis (das ist das billigste Getränk in der Kneipe, ein 45-prozentiger Anisschnaps, den man 1:5 mit Eiswasser verdünnt trinkt), bevor wir uns aufs Ohr hauen. Klar doch, daß in der Kneipe die Radio-Gruppe sitzt. Das Einschlafen wird allerdings sabotiert von einem extrem lauten Mofa, dem geschwätzigen Wirt, der vor der Tür in nur einer halben Stunde einen Gast verabschiedet und seiner Schwäche für Pferdezucht, die einen Hund und seinen Sohn längere Zeit damit beschäftigt, die Viecher zusammenzutreiben und zusammenzuhalten. Außerdem läuft bis in die halbe Nacht hinein ein Dieselaggregat für diejenigen im Hotel, die unbedingt noch pinkeln gehen müssen und dabei im Dunkeln nicht zurechtkommen, denn ans Stromnetz sind die hier nicht angeschlossen.






11. Tag





Als wir am Morgen aufwachen, finden wir um unser Zelt herum starke Spuren von Schweineaktivität, aber unsere Ausrüstung habe sie verschont (da war eh nichts für sie drin). Ein Pferd steht da und hält den Verkehr auf; ich überzeuge es davon, das woanders zu tun.

Für das Frühstück und den nächsten Tag kaufen wir im Laden ein, allerdings nicht viel, denn heute ist für uns die letzte Etappe angesagt. Wir haben beschlossen, in Vizzavona auszusteigen, weil wir erstens für unsere erste längere Bergtour eigentlich genug haben und weil wir zweitens den Rest unserer knapp bemessenen Zeit lieber damit zubringen wollen, noch etwas anderes als das Landesinnere zu sehen.

Die heutige Etappe ist sehr angenehm und überhaupt nicht anstrengend, außerdem gibt es reichlich Wasser. Mit kleinen Ausnahmen geht es nur bergab. Wir kommen durch viele Gebiete, in denen die alljährliche Plage Waldbrand gewütet hat, und als wir und nachmittags Vizzavona nähern, rieche ich es deutlich: Feuer. Man kann es auch sehen, wenn man in den Himmel guckt: das ist nicht der normale Gipfeldunst, denn der ist nicht gelb-grau. Durch meine Feststellung beunruhigt, ziehen Markus und Thomas im Schritt deutlich an, und ich schließe mich, so gut ich mit meinen etwas lädierten Füßen kann, dem Tempo an.

Vizzavona erreichen wir gegen 14.45, allerdings nicht, indem wir der Ausschilderung oder unserer Karte folgen. Diese leiten einen um den ganzen Ort herum, und mein untrüglicher Ortssinn (*Eigenlob*) führt uns schnurstracks aus dem Wald zum Bahnhof.

Vizzavona ist ein fürchterlich verschlafenes Nest mitten im Nichts. Hier gibt es zwar 'Hotels', aber nur Verkaufswagen mit lachhaftem Sortiment, und noch dazu teuer. Wir lösen am Bahnhof gleich unsere Tickets nach Corte (23 FF), der Zug fährt um 15.48. Beim Warten auf dem Bahnsteig treffen wir mit einer Menge Deutscher zusammen; später lernen wir sechs davon noch näher kennen. Wir erfahren von ihnen, daß es zwei Täler weiter brennt; für uns hat also keine Gefahr bestanden.

Eine Fahrt mit der transkorsischen Eisenbahn ist ein Erlebnis besonderer Art. Es handelt sich um eine Schmalspurbahn mit etwa 1m Spurweite, auf der recht moderne, aber auch recht alte Dieseltriebwagen fahren. Die Spurweite genau anzugeben, macht allerdings keinen Sinn, denn sie ist überall anders... die Gleise sind nämlich in einem wirklich miesen Zustand. Betrieben wird diese Bahn von der CFC (Chemins de Fer de la Corse). Für die vielleicht 30km nach Corte braucht die Bahn etwa eine Stunde; ich habe keinen Sitzplatz und muß mich gut festhalten, um nicht quer durch den Zug zu fliegen. Gepäck in die Gepäcknetze über den Sitzen zu legen, ist sinnlos. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auf dem Boden liegt, also legt man es lieber gleich dorthin.

Die Strecke windet sich durch enge, stark überhöhte Kurven, geht durch viele unglaublich knapp bemessene Tunnel und erklimmt beachtliche Steigungen. Während der Fahrt kann ich einen Waldbrand beobachten, dem wir, wie wir bald sehen werden, noch recht nahe kommen.In Corte am Bahnhof rufe ich zuhause an. Ich kann mir denken, daß in den Nachrichtensendungen zuhause wegen dem Sommerloch die alljährlichen Waldbrände überall in der Welt gezeigt werden und will meine Eltern (und die der anderen) beruhigen. Tatsächlich war am Abend vorher mal wieder was zu sehen, und mein Anruf kam gerade zur rechten Zeit. Ich sage ihnen aber lieber nicht, daß ich aus meiner Telefonzelle heraus einen prima Blick auf einen Waldbrand habe, der bei Corte einen Berghang verwüstet und über dem sich die Löschflugzeuge und die Beobachtungshelikopter gerade in die Quere kommen.

Corte ist DAS Zentrum Inner-Korsikas und heimliche kulturelle Hauptstadt der Insel. Nicht, daß es mit seinen 5000 Einwohnern besonders groß wäre, nein, aber immerhin hat diese Stadt sogar eine eigene Universität! Außerdem war Corte von 1755 bis 1769 Hauptstadt Korsikas. Die Hauptattraktion der Stadt ist die mittelalterliche Zitadelle, die einzige im Landesinnern von Korsika. Corte ist ganz und gar auf den Tourismus eingerichtet: es gibt viele Übernachtungsmöglichkeiten, viele Banken und Campingplätze.

Wir traben vom Bahnhof aus in die Innenstadt, wo wir erst einmal unsere Vorräte ergänzen, denn irgend etwas müssen wir heute abend schließlich essen, und es soll ganz bestimmt kein Reis werden. Stattdessen wird es Tortellini mit Gemüsesoße und geriebenem Käse geben. Es tut gut, zur Abwechselung mal wieder größere Mengen Flüssigkeit mit inhärentem Geschmack zu trinken.

Von Rucksackkollegen kriegen wir den Tip, einen ruhigen, abgelegenen Campingplatz hinter der Zitadelle aufzusuchen. Wir teilen unser Wissen mit einer Gruppe von vier Mädchen und zwei Jungen, die wir am Place Paoli treffen und die wir schon vom Bahnhof in Vizzavona kennen. Sie kommen aus Franken irgendwo zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall, und schließen sich uns gleich an. Der Campingplatz 'A la Ferme U Tavignanu' hält, was uns davon versprochen wurde: nichts außergewöhnliches, aber nicht teuer, schön ruhig, gute Plätze, gute Sanitäranlagen, viel Schatten.

Wir sind noch nicht lange da, als wir feststellen müssen, wie klein doch die Welt (mal wieder) ist: auf dem Platz gibt es doch tatsächlich nicht bloß Saarländer, nein, sie müssen auch noch ausgerechnet aus Landsweiler, bloß zwei Kilometer von meinem Zuhause entfernt, kommen! Ich kenne sie allerdings nicht, und wir lernen sie auch nicht richtig kennen, denn meinem (allerdings sehr oberflächlichen) Eindruck nach handelt sich um ziemliche Tranfunzeln, die immer entweder ungelegen (zum Essen) oder zu spät (zum Schlafengehen) kommen.

Den ganzen Abend über beobachte ich, wie die Löschflugzeuge vom Typ Canadair tief über unsere Köpfe hinweg das Feuer anfliegen. Nachts fliegen die Kisten nicht, dazu fehlt ihnen die technische Ausstattung. Bis zum Einbruch der Dunkelheit ist das Feuer jedenfalls noch nicht gelöscht, denn über dem Bergrücken, der die direkte Sicht vom Campingplatz aus versperrt, sieht man ein fahles Licht, und da es genau im Norden liegt, ist es nicht der Mond.

Wir sitzen den ganzen Abend mit den Franken zusammen. Sie haben eine Gitarre und zwei gleiche Liederbücher mitgebracht. Wir unterhalten uns über die beiden GR 20-Teile (sie sind den nördlichen Teil gegangen), und zwei von ihnen und Markus machen von der Gitarre reichlich Gebrauch, während die anderen dazu singen (und natürlich singen wir viiiiel besser als die Blagen!). Gegen Mitternacht (natürlich haben wir nicht so lange gesungen) beschließen wir den lustigen Abend und lassen uns von weit entferntem, polyphonem, ja fast schon a capella-haftem Gekläffe und Gejaule eines Dutzends Köter zwiebeln. Allerdings nicht lange, denn wir schlafen sehr schnell ein.






12. Tag





Weil heute Sonntag ist, schlafen wir aus, vor 08.30 steht keiner auf, und vor 13.00 kommen wir vom Campingplatz auch nicht weg. Es gibt einiges zu tun, insbesondere muß etliches mal wieder gewaschen werden, und heute ist Materialpflege angesetzt.

Danach machen wir Corte unsicher. Die Zitadelle ist mit ihrem hoch emporragenden 'Adlernest', sozusagen eine kleine Festung in der Festung), ein Ort, den man alleine schon wegen der Aussicht auf Corte einfach besuchen muß.

Nahe bei der Festung treiben wir nach unserem Rundgang einen Laden auf, der auf Sonntag Getränke in großen Flaschen und sogar gekühlt zu anständigen Preisen verkauft, und das ist gut so, denn wenn wir unseren momentanen Durst in Gasthäusern stillen müßten, wären wir um einiges ärmer.

Wir fragen am Bahnhof, ob man uns Auskunft geben kann über Abfahrtszeiten in Nizza und Marseille - man kann nicht. Von Computern keine Spur, nicht einmal ein armseliges Kursbuch! Man ruft für uns auch nicht extra in Nizza an, denn ein Anruf auf das französische Festland ist fast so teuer wie ein Auslandsgespräch. Das Syndicat d'Initiative (TI) besteht nur aus dem Eintrittskartenverkäufer an der Zitadelle - wir fragen erst gar nicht. Ein Anruf auf dem französischen Festland ist fast so teuer wie einer in Deutschland, und so beschließen wir, unsere Leute zuhause dafür einzuspannen. Ein erster Anruf fordert die Auskünfte an, und ein zweiter eine halbe Stunde später liefert uns die gewünschten Informationen. Ohne dieses Wissen können wir die Fährverbindungen nicht so auswählen, daß wir nirgends außerhalb eines Verkehrsmittels über Nacht bleiben müssen. Warum das am zwölften Tag schon aktuell ist? Weil Markus schon recht bald nach Hause will, denn er muß sich noch auf einige Prüfungen vorbereiten und möchte auf Nummer Sicher gehen.

Um 16.30 sind wir wieder auf dem Campingplatz und nehmen unser Mittagessen (Ravioli) ausnahmsweise mal nicht kurz vor dem Schlafengehen ein. Dabei und danach lernen wir eine Jura-Studentin aus Frankfurt/Main kennen, die in Heidelberg studiert und sich zur Zeit allein auf Korsika rumtreibt. Ihre Mutter ist Griechin, und dementsprechend war sie schon oft in Griechenland und ist auch sonst schon viel in der Welt rumgekommen; sie hat also einiges zu erzählen.

Zusammen mit ihr und Thomas gehe ich zum naheliegenden Tavignanu-Fluß schwimmen (allerdings ist ihr dann das Wasser zu kalt, um mit mehr als den Füßen reinzugehen), was sich als eine sehr angenehme Erfrischung erweist. Danach legen Thomas und ich (Schwimmen macht eben hungrig) noch einen zweiten Gang (bestehend aus einer Suppe und einer Dose Mais) ein.

Heute abend ist unser Kreis auf zehn Personen angewachsen; die Franken sind auch noch da, sie fahren morgen nachmittag nach Ile Rousse weiter. Gesungen wird jedoch nicht, dafür Tee getrunken und geredet, bis sich einzelne nach und nach verziehen und sich die in den umliegenden Zelten liegenden Leute genug beschwert haben.






13. Tag





Wir stehen zeitig auf, denn wir wollen, bevor wir um 09.34 mit dem Zug nach Calvi fahren, noch eine Bank besuchen, und haben dazu ein hübsches Stück zu laufen. Ich löse einen Scheck ein; dann müssen wir aber schon recht schnell zum Zug gehen, den wir gerade noch erreichen. Die Fahrt kostet 69 FF und geht über Ponte Leccia, wo wir mit einer halben Stunde Wartezeit umsteigen müssen. In einer Epicerie decken wir uns mit Frühstück und Getränken ein, denn die Fahrt ist lang und unsere Mägen fast leer.

Kurz nach 10.30 kommt dann unser Anschlußzug; es handelt sich um ein etwas älteres Modell: wir fahren mit offenen Türen und verstehen vor lauter Fahrtlärm unser eigenes Wort nicht. Den Zug begleitet ein Schaffner, den man am treffendsten mit dem Wort 'Berufshektiker' beschreiben kann. Er rennt bei jedem Halt um den Zug herum, obwohl es nichts zu rennen gibt, er redet viel, wo es nichts zu reden gibt, und er fuchtelt herum, wo es nichts zu fuchteln gibt. Insbesondere schafft er es, jeden aussteigenden Passagier persönlich zu interviewen, ob er/sie auch sein/ihr Gepäck schon hat, und jedem einsteigenden Passagier weist er den (seiner Meinung nach) richtigen Wagen zu. Mit einem Korsen bin ich einer Meinung, es handelt sich bei diesem Schaffner um ein Unikat und sicher nicht um einen echten Korsen, denn kein Korse würde sich in der Hitze so hektisch verhalten.

Die Fahrt dauert insgesamt etwa drei Stunden. Wir kommen durch das Gebiet bei Novella, von dem vor zwei Tagen in den Zeitungen zu lesen stand, daß dort über 1000ha Wald gebrannt haben, und es sieht dort auch wirklich furchtbar aus. Wer das gesehen hat und immer noch brennende Zigaretten wegwirft, dem spreche ich jeden Charakter ab.

Bis L'Ile Rousse (Hafenstadt im Norden) schlängelt sich der Zug durchs Gebirge und durch Tunnel, aber ab dann fährt er nur noch direkt am Strand entlang, nur durch wenige Meter Sand vom Meer getrennt. Wer seinen Urlaub am Strand mit möglichst nahem Campingplatz verbringen will, der sollte das irgendwo zwischen Calvi und L'Ile Rousse tun: einfach an einer der zahlreichen Stationen aus dem Zug aussteigen, man kann nichts verkehrt machen.

Obwohl uns die Hitze quält und das Meer lockt, halten wir tapfer durch bis Calvi und sehen uns nach unserer Ankunft erst mal die Stadt an. Calvi liegt an der Küste auf einem Sporn und hat etwa 3700 Einwohner, beherbergt aber in der Saison bis zu 30000 Touristen. Es ist eine lebhafte und voll auf den Tourismus ausgerichtete Stadt, aber irgendwie wirkt das doch nicht aufdringlich, sogar der Verkehr hält sich einigermaßen in Grenzen.

Calvi hat einen großen Yachthafen und einen sehr großen Ortsstrand, an dem man vielen sportlichen Aktivitäten nachgehen kann. Die eigentliche Altstadt liegt im Wahrzeichen Calvis, und das ist wieder mal eine Zitadelle. Bloß ist diese hier so groß, daß sie wirklich ein eigener Ort ist, mit Fremdenlegions-Kaserne, der Kirche St. Jean-Baptiste, Geschäften und etlichen Wohnhäusern.

An der Zitadelle wird gegessen, danach lockt der Strand, doch auf dem Weg dorthin decken wir uns in einem Supermarkt noch mit Essen und Trinken ein. Der Strand ist flach, mit sehr feinem weißen Sand und genügend Platz für jedes Handtuch. Ich bin nicht zu halten und gehe gleich ins Wasser - und erlebe gleich einige Enttäuschungen. Man muß schon 200m weit gehen, um überhaupt schwimmen zu können (denn das Ufer ist seeeeehr flach), und das Wasser ist so warm wie im Hallenbad am Warmbadetag; von einer Erfrischung kann man kaum reden. Markus kriegt die Wassertemperatur raus: 27°C, die Luft ist kaum wärmer (30°C), dafür ist es aber unglaublich schwül.

Wir liegen noch eine Zeitlang faul rum (und schwitzen dabei!), dann machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Der erste, der uns über den Weg läuft (bzw. wir ihm), heißt 'Camping International', und weil wir keine Lust haben, noch weiterzulaufen, nehmen wir ihn. Es ist ein eingezäunter Acker, aber wir finden einen Platz, der eben genug zum Schlafen ist. Kaum ist es dunkel, dreht ein halbes Dutzend stockbesoffener Italiener in der Nachbarschaft auf und macht Zoff bis nach Mitternacht, sie grölen und versuchen zu singen, was im Absingen der ersten (und aus guten Gründen nicht mehr gesungenen) Strophe des Deutschlandlieds ('Deutschland, Deutschland, über alles') mit italienischem Touch seinen traurigen Höhepunkt findet - ich bin sprachlos, und wenn es Deutsche gewesen wären, würde ich mich schämen. Zusätzlich schlägt jemand den ganzen Abend in einiger Entfernung auf Bongos rum - wenigstens er macht dem Namen des Campingplatzes alle Ehre.






14. Tag





Wir werden von einem - noch stundenlang anhaltenden - monotonen Sprechgesang in französischer Sprache (vermute ich), verquickt mit einigen Rhythmusgeräten aus einem Autoradio geweckt und wachgehalten und fragen uns, ob wir, wenn wir höflich fragen, das Singsang-Gelaber gegen zeternde Italiener eintauschen können, aber die liegen noch im Koma. Es wird geduscht, was gleich wieder zu einem garstigen Erlebnis wird, denn das warme Wasser reicht bloß für eine Minute, die Türen schließen nicht richtig (nicht daß wir uns genieren, es zieht bloß unangenehm), es gibt keine Ablagemöglichkeiten. Die anschließende Benutzung der Waschbecken ist ebenfalls fast unmöglich: die Wasserhähne sind etwa einen halben Meter über den Becken angebracht, haben wahnsinnig Druck, werden über Druckknöpfe bedient und haben eine Nachlaufzeit von weniger als einer Sekunde. Dafür hängen die Spiegel so tief, daß man sieht, ob man den Reißverschluß der Hose aufstehen hat, aber vom Gesicht sieht man nichts.

Selbst die übelsten Fährnisse können uns nicht davon abhalten, gegen 11.00 am Strand anzulangen, wo wir, ausgestattet mit kühlen Getränken, die nächsten drei Stunden zubringen.

Um 15.00 schlägt dann die Stunde des Abschieds. Markus trennt sich von uns und bleibt in Calvi, von wo aus er heute abend mit der Fähre nach Nizza (Nice) fahren wird, um von dort aus per Zug über Marseille zurück nach Saarbrücken zu kommen. Thomas und ich (und das meine ich ab jetzt mit 'wir') fahren mit einem von einem Reisebüro organisierten kleinen Bus für 35 FF nach Galéria; wir sind die einzigen Fahrgäste, und der Fahrer ist nicht angeschnallt. Außerdem fährt der Bus mit 15 Minuten Verspätung, was aber zu unserem Vorteil war, denn sonst hätten wir ihn nicht gekriegt.

Nach einer halben Stunde sind wir am Ziel unserer Träume. Galéria ist ein verschlafenes Nest mit etwa 300 Einwohnern, an der Westküste zwischen den Klippen gelegen. Auf Tourismus sind die Leute allerdings eingerichtet: es gibt Hotels, einen Campingplatz, eine Post (die auch Bank spielt), zwei Epicerien, diverse andere Läden und sogar - einen Supermarkt, der jeden Tag (auch sonntags) von 08.00 bis 20.00 geöffnet ist!

Wir gehen direkt zum Strand, es ist ein Kiesstrand, was uns aber sehr recht ist, denn feinen Sand hat man spätestens nach einem Tag überall in der Ausrüstung, und dort gehört er nicht hin, weil er keine Miete zahlt. Mit Kies gibt es dieses Problem nicht, und man geht und liegt fast genausogut darauf. Außerdem ist an Kiesstränden das Wasser klarer, weshalb Taucher solchen Stellen gerne den Vorzug geben.

Im Gegensatz zum Strand von Calvi ist es hier nicht so heiß, und das Wasser ist doch tatsächlich noch erfrischend! Man kann zwar nicht behaupten, daß wir hier am Strand die Einzigen wären, aber von Betrieb kann man nicht reden.

Wir lassen uns auf dem örtlichen 'Camping Idéal' nieder, der zwar nicht so ideal ist wie sein Name, aber zumindest die Stellflächen für Zelte sind schattig und gut. Was sich dadurch etwas ändert, daß sich ein Pärchen aus Rottweil/Deutschland neben uns einquartiert und sich den ganzen Abend lang einen Spaß daraus macht, spätestens alle paar Minuten die Welt von ihrem Glück wissen zu lassen in Form von Kreischen, Lachen und ähnlichen Lautäußerungen (muß ich deutlicher werden?). Um 01.00 wird meine Frage, ob das Ganze auch etwas leiser vonstatten gehen könnte, positiv beantwortet, gerade noch rechtzeitig, bevor ich zu frustriert werde...

Aber das Beste kommt noch. In dieser Nacht lernen wir, wo das ganze Wasser herkommt, daß wir bisher auf Korsika getrunken haben: richtig, es regnet. Und zwar gleich ordentlich, mit Blitz und Donner. Unser Zelt besteht die Regentaufe gut, aber natürlich finden wir in der Nacht wenig Schlaf. Thomas korrigiert mich gerade, er hat gut geschlafen, aber der ist auch ein Meisterschläfer, und deshalb zählt's nicht.






15. Tag





Am Morgen scheint wieder die Sonne. Nach dem nächtlichen Regenguß riecht Korsika gleich ganz anders, etwa so wie Kiefernnadel-Schaumbad. Der ganze Platz ist naß, und die Luft ist so schwül, daß sich das auch den ganzen Tag nicht mehr ändert.

Wir stehen gegen 09.00 auf. Die Benutzung der (Kalt-)Duschen erweist sich als mehr abenteuerlich als ideal (oder auch 'international'); die sicherste Methode ist, möglichst wenig mit hinein zu nehmen, was nicht naß werden darf, den Rest an die Dachbalken hängen, dann den Druckknopf mit dem Fuß zu bedienen (sonst kommt man nicht rechtzeitig weg und kriegt die kalte Ladung voll ab) und sich neben den Strahl zu stellen (dann trifft einen genau die richtige Menge Wasser). Daß die Toiletten vom französischen 'Loch-im-Boden'-Typ sind, ist ja nicht weiter schlimm, aber stinken müßten sie nicht unbedingt.

Hier heute im T-Shirt rumzulaufen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn dazu ist es viel zu schwül. Man kann die Luft wirklich mit dem Messer schneiden. Wir verbringen den Tag mit Klippenklettern, Schwimmen und Tauchen mit einer eigens dafür von Thomas angeschafften gelb-rosa Kindertauchbrille für 15 FF. Mittags tröpfelt es noch ein wenig, aber es reicht nicht, um davon nasser zu werden, als man durchs Schwitzen eh schon ist. Der Regen hat auch keineswegs für Abkühlung gesorgt, denn das kann Wasser ja nur, wenn es auch verdunstet, und hier hat es nur deshalb geregnet, weil es für das viele Wasser absolut keine Möglichkeit gab, in der gesättigten Luft zu bleiben.

Und weil wir heute so viel produktives geleistet haben, werden wir mit einem ruhigen Abend und einer noch ruhigeren Nacht belohnt.






16. Tag





Bevor wir zum Bus gehen, um wieder nach Calvi zurückzufahren, suchen wir noch die örtliche, in einem Hinterhof gelegene Metzgerei auf. Hier im ländlichen Gebiet gibt es die korsische Charcuterie in guter Qualität zu vernünftigen Preisen, und zwei Würste sollen uns als Mitbringsel für die Lieben zuhause dienen. Die Salami ist so beschaffen, daß wir uns um die Haltbarkeit keine Sorgen machen müssen: sie hängt im Laden an der Decke und ist also einiges gewöhnt. Hier schreiben die Leute aus dem Ort noch beim Metzger an; nur die Touristen zahlen in bar. Thomas hebt auf der örtlichen Post noch etwas Geld von seinem Postsparbuch ab.

Punkt 10.00 kommt unser Bus, und ein anderer, wieder nicht angeschnallter Fahrer bringt uns - vor jeder Kurve hupend - nach Calvi, wo wir die in unserem bisherigen Programm noch fehlende Zitadellenbesichtigung nachholen und diverse Besorgungen erledigen. Dabei kaufe ich mir ein T-Shirt (angeblich XL, sitzt aber wie M, und dabei mag ich XXL, weil's so schön luftig ist), weil ich auf der Heimfahrt gerne was anziehen will, was nicht nach Büffel riecht (99 FF, wirklich schön, meine Schwester wird's mir sicher abknöpfen), und Thomas kauft eine Limonade mit Minzgeschmack, und diese entpuppt sich als die erste Flüssigkeit in diesem Urlaub, die niemand trinken will. So wie niemand gerne den Mundinhalt nach dem Zähneputzen statt ihn auszuspucken runterschluckt.

Um 14.35 geht unser Zug nach L'Ile Rousse, und wir haben tatsächlich das Glück, wieder auf unseren Lieblingsschaffner zu treffen und können das Schauspiel wieder genießen. Während der Fahrt bekommen wir wieder eine Lehrstunde in 'Wie stecke ich mit möglichst geringem Aufwand Korsika in Brand?': Eine Gruppe von Italienern qualmt (entgegen der neuen Doktrin, die Rauchen in Nahverkehrsmitteln ganz verbietet, was aber niemanden wirklich interessiert) und wirft die noch brennenden Kippen in trockendes Gestrüpp. Keiner schert sich drum.

In L'Ile Rousse angekommen, beschließen wir, uns erst einmal um unsere Fährtickets zu bemühen, denn wir wollen morgen früh mit der Fähre nach Nizza (Nice) übersetzen. Dazu laufen wir etwa einen Kilometer zum Kai mit den Büros der SNCM, um dort an der Hintertür einen handgeschriebenen Zettel zu finden, daß es die Tickets in einer Reiseagentur am anderen Ende der Stadt gibt! (Erinnert Dich das nicht auch an den Anhalter durch die Galaxis?) Schon übel gelaunt geht's dort hin, wo sich auch schon andere eingefunden haben, jedenfalls stehen wir gut eine halbe Stunde in der Schlange, was vor allem daran liegt, daß vor uns jemand nicht bloß Tickets kauft, sondern sich noch den (idiotensicheren) Fahrplan auseinanderschrauben läßt. Als wir endlich an der Reihe sind, werden wir auch noch abgeneppt: wir kriegen nur Tickets mit Zuschlag für Komfort-Sitze (1. Klasse) mit der Begründung, daß die anderen Plätze schon alle weg sind. Und das bei einer Überfahrt, die bei Tag stattfindet und bei der wir sowieso nach Möglichkeit die ganze Zeit an Deck sind und bei der sich sowieso jeder auf den Platz setzt, der ihm paßt! Leider fehlen uns vor Ärger und aus Mangel an Sprachkenntnissen die Worte, und wir fügen uns in unser Schicksal und zahlen die 37 FF supplément (Zuschlag) zum Fährpreis von 199 FF (für junge Leute).

L'Ile Rousse ist übrigens eine Touristenstadt mit 2500 Einwohnern und einem Verkehr, der jeder Großstadt alle Ehre machen würde. Auf unserem Weg zum Campingplatz treffen wir auf eine Kreuzung, auf der ein Polizist mit maximaler Effizienz beharrlich den Verkehr stört und dabei höchst nervenbelastend dauernd auf einer Trillerpfeife rumbläst. Zwei Kollegen knöpfen sich zwei Kids auf einem Motorroller vor, und nach dem Gesichtsausdruck zu schließen war's für sie eine teure Erfahrung. Die beiden Flics suchen sich bald neue Opfer (da sind ja noch die vielen Falschparker...), und wir gehen irgendwann aufgrund von Atemnot (in Deutschland hätte es bei solcher Luft Smogalarm gegeben) unserer Wege, die uns nach einiger Zeit zu einem guten Campingplatz namens 'Les Oliviers' führen.

Wir erklären dem Menschen am Schalter, daß er, um morgen Geld von uns zu kriegen, schon früh aufstehen muß, denn unsere Fähre geht um 08.00, und wir gehen spätestens um 06.30 los. Das veranlaßt ihn dazu, zu unserer Freude von den üblichen Gepflogenheiten mit einem hinterlegten Dokument und dem Kassieren bei der Abreise Abstand zu nehmen; wir zahlen gleich und hinterlegen nichts.

Man kann diesen Campingplatz kaum genug loben, erst recht, wenn man vom 'Camping Idéal' kommt: die sanitären Anlagen sind zahlreich, sauber und funktionell, das warme Wasser wird per Sonnenkollektor geheizt, und teurer als 'Idéal' oder 'International' ist der Platz nicht, ganz im Gegenteil, denn hier zahlen wir keine Kurtaxe.

Trotzdem, auch der beste Platz hat seine Nachteile: man kommt sich bis nach 23.00 vor wie auf dem Mittelstreifen der Autobahn. Es ist kaum zu glauben, für wieviele Menschen es lebensnotwendig ist, daß ihr fahrbarer Untersatz direkt neben ihrem Zelt die Nacht verbringt, natürlich auf ebenem, weichem Boden.






17. Tag





Wir stehen früh auf, so gegen 05.15, und machen zur Abwechselung mal den Krach, wenn andere schlafen wollen. Dachten wir jedenfalls, doch um diese Zeit oder kurz danach sind hier schon eine Menge Leute auf, die auch die Fähre kriegen wollen.

Der Weg dorthin läuft sich schneller, als ich gedacht habe, und so können wir schon um 07.00 sehen, wer unsere billigeren Plätze hat: ein Rieselrudel Kids umlagert die Laderampe. Als sich die Schotten öffnen, lassen wir sich die Blase erst mal an Bord drängeln und stehen erst auf, als es nötig ist. Obwohl wir die guten Tickets haben und der Zugang zu den einzelnen Bereichen am Anfang kontrolliert wird (und uns somit ein Platz sicher wäre), gehen wir erstmal an Deck, wo ich halb auf einer Bank liegend sogar einnicke - bis der Regen kommt und uns ins Innere treibt. Wir lassen uns nach nun schwieriger Platzsuche in unsere Komfort-Sessel fallen (es sind Pullman-Chairs). Das ganze nennt sich 1. Klasse und zeichnet sich dadurch aus, daß hier und nirgendwo sonst die Kinder Nachlauf spielen und in perfekter Kakophonie durcheinanderplärren, während im Bereich der 2. Klasse, wo alle Stühle besetzt sind, die müden Rucksackler schlafen und himmlische Ruhe herrscht; ich verfluche die SNCM. Außerdem ist hier das Buffet geschlossen, wie ich nach dem vergeblichen Versuch, zu schlafen, beim Auftreiben eines anregenden Getränks leider feststellen muß, und dort, wo wir jetzt mit den billigen Karten sitzen würden, ist es geöffnet.

Ich mache mich also auf den Weg dorthin, um mir eine Tasse Tee zu holen. Doch 'thé' ist auf diesem Schiff eine unbekannte Substanz, und der 'Café au lait', der mir stattdessen in einer Plastik-Suppenschale vorgesetzt wird, schmecht einfach greulich. Dafür schmecken die Chips, die ich dazuerwerbe, nach nichts. Mit Wehmut erinnere ich mich an die schottischen Fähren im letzten Urlaub mit prima Service, prima Tee, vielen Sorten Chips, viel Ruhe und freundlichem, mehrsprachigem Personal, daß man nicht auf Französisch anreden mußte, sondern konnte. Die SNCM hat es nicht mal nötig, die Sicherheits-Durchsagen in Englisch zu wiederholen. Zwar gibt es Labertafeln in Französisch und Englisch, aber wer nicht ahnt, daß 'Brassière de Sauvetage' Rettungsweste heißen könnte, wird sie im Bedarfsfall auf diesem Schiff nicht finden, denn die Aufbewahrungsorte sind nicht mal mit Piktogrammen versehen, geschweige denn mehrsprachig beschriftet. Der miese Pott heißt übrigens 'Esterel'; meide ihn wie die Pest, wenn Du kannst.

Mit einer schlappen Dreiviertelstunde Verspätung laufen wir gegen 14.00 in Nizza (Nice) ein, wo es zu unserer Freude gerade schifft, und das nicht bloß im Hafen. Wir laufen vom Alten Hafen aus über den Promenade des Anglais, die Strandpromenade, bis zum Zentrum und gehen dann zum Gare SNCF, dem Bahnhof, wo unser Zug um 20.20 abfahren wird. Die Auskunftei ist wohlorganisiert: man zieht eine Nummer und wartet, bis man per Display zu einem Beratungsschalter gepfiffen wird. Wir haben Billets de Séjour von Marseille nach Saarbrücken, und sowohl jemand vom Bahnhof Saarbrücken als auch der Mensch vom Reisebüro haben uns gesagt, daß es möglich sei, die Tickets unter Wahrung der 25% Ermäßigung auf Nizza umzuschreiben (natürlich gegen Zahlung der Differenz). Doch die Tussi am Schalter hält es bloß für nötig, uns immerfort auf Französisch und in recht gutem Englisch zu erklären, daß, wenn man mit dem Zug von Nizza nach Marseille fahren will, weil man ab dort ein Ticket hat, man einen Fahrschein von Nizza nach Marseille lösen muß. Ich kann mich wirklich nur mit Anstrengung soweit beherrschen, ihr nicht zu sagen, daß sie es nicht mit Vollidioten zu tun hat. Aber nach drei sprachlich einwandfreien Versuchen, ihr klarzumachen, was wir von ihr wollen (Thomas' Französisch und besonders mein Englisch sollten dafür wirklich gereicht haben), und dreimal 'Non, ... bla bla bla ... Ticket de Nice à Marseille' ohne Hinweis darauf, ob man uns nun falsch informiert hat oder nicht, geben Thomas und ich entnervt auf. Immerhin, sie nimmt einen Eurocheque, ohne zu maulen. 142 FF weniger.

Abgebrannt, wie wir sind, decken wir uns in einem Billig-Supermarkt mit Baguettes und Dosenwurst ein und halten ein lukullisches Mahl auf einer Bank an Straßenrand, Bleivergiftung inklusive. Anschließend laufen wir ein paar mal quer durch Nizza, eine Stadt, in der man es durchaus ein paar Stunden aushält, essen hier was, gucken da was, und besteigen so gegen 20.15 unseren Zug. Wir sitzen exakt im gleichen Abteil im gleichen Wagen wie bei der Hinfahrt!

Zwischendurch taucht ein französisches Ehepaar auf und macht sich mit der Bemerkung, sie hätten hier Plätze reserviert (haben sie nicht) und das sei Wagen 121 (ist er nicht, es ist Wagen 112), breit, aber bald darauf verduften sie wieder. Sie haben ganz alleine herausgefunden, daß das hier kein Liegewagen und kein Schlafwagen ist; sie brabbeln die ganze Zeit was von 'waggon lits'. Ist halt doch nicht ganz so einfach mit den Kurswagen und den schwierigen Zahlen auf den Fahrscheinen. Außerdem werden niemals Abteilplätze in der Reihenfolge vergeben, in der sie die Plätze angeblich hatten; als alter Bahnhase bin ich mir da sicher. Abgesehen von dem kleinen Störfall haben wir die ganze Nacht das Abteil für uns allein, das heißt, für jeden eine Ruhebank bestehend aus drei Sitzen. Dementsprechend gut schlafen wir bis auf zwei Störungen um 23.30 und 05.00: richtig, Fahrkartenkontrolle.






18. Tag





Eigentlich ist es kein richtiger Tag mehr: um 09.07 treffen wir mit nur drei Minuten Verspätung in Saarbrücken ein, wo wir nach einem Anruf zuhause von meinem Vater abgeholt werden.




Anhang I - Unsere Ausrüstung





Ich versuche hier, einmal detailliert aufzulisten, was sich in meinem Rucksack alles befand. Dabei führe ich nicht nur persönliche Ausrüstung auf; vergleiche das Kapitel 'Ausrüstung'. Alles ist _INKLUSIVE_ der Kleidung, die ich bei der Abreise am Leib trug.

1 Rucksack Jansport Spire 60l
1 Schlafsack Daune, leicht, kleines Packmaß und nur etwas
zu warm
1 Isoliermatte (55x185 cm)
1 Stoffhose von einem alten Trainingsanzug
1 lange Kunstfaserhose mit Innenmaterial Baumwolle
1 Kunstfaserjacke mit Baumwolleinsatz (zusammen ein
Trainingsanzug)
1 Schwimmshorts (als solche aber nie benutzt)
1 Badehose
4 T-Shirts
4 Unterhosen
1 Paar Sportsocken
2 Paar Strümpfe Bw
1 Paar Wanderschuhe, eher robustes aber nicht zu schweres
Modell
1 Paar Sandalen
1 Sonnenhut, weißer Stoff
1 Brille samt Etui und Putztuch (ich bin Brillenträger)
1 Eßbesteck (Feldbesteck Bw)
1 Plastikteller, tief
1 Edelstahltasse (hat nichts getaugt, besser Plastik)
1 Taschenlampe 'Maglite AA' samt Batterien (3 Sätze,
zuviel)
2 Feuerzeuge
1 Trangia Sturmkocher Alu, groß, mit 2 Töpfen,
Deckel/Pfanne und Kessel
1 Klappmesser, groß, scharf und schwer
1 Rolle Klopapier
1 Toilettenbeutel mit
1 Zahnbürste
1 Kamm
1 Seife
1 Pinzette
1 Naßrasierer samt Ersatzklingen
1 Rasierspiegel
6 Wattestäbchen
1 Satz Ohrenstöpsel Typ E.A.R
1 Nagelschere
1 Schraubenzieher für Brillenbügelschrauben
2 Insektenschutzmittel, Autan und eine 'Keule' aus
Schottland
1 Sonnenmilch (Nivea LF 12)
1 paar Streichhölzer (wasserdicht verp., keine Reibfl.
erf.)
5 alkoholgetränkte Brillenputztücher
1 Lippenstift, LF 4
(was scheinbar fehlt, ist Gemeinschaftsausrüstung,
siehe Thomas)
1 Waschlappen
1 Handtuch (wer geht schon ohne?)
1 Geschirrtuch
2 Päckchen Papiertaschentücher
2 Sigg Trinkflaschen (je 1l)
1 Umhängegeldbeutel
1 normaler Geldbeutel
1 Buch: Tom Sharpe, Trabbel für Henry
18 (!) Schokoriegel (nicht nur ich war froh damit...)
3 Tafeln Schokolade (dito.)
diverse Fahrtverpflegung
etliche Plastiktüten
Tütenclipse
Bargeld (1050 FF)
Eurocheques samt Karte
Personalausweis
Reiseführer

Von Thomas habe ich eine exakte Auflistung seines Rucksackinhalts. Es finden sich (wie bei mir) in der Liste auch einige Dinge, die zur Gruppenausrüstung gehören.

1 Rucksack 65l von McKinley
1 (zu) warmer Schlafsack (Kunstfaser)
1 Isoliermatte (einfachstes Modell, aber gut, siehe
'Ausrüstung')
1 kurze Hose
1 Schwimmshorts
1 lange Stoffhose
1 Regenhose
1 Regenjacke
2 Paar Strümpfe, Modell Bw
2 Paar Sportsocken
3 Unterhosen
1 Bw-Unterhose als Schlafanzug
1 Unterhemd
3 T-Shirts
1 langärmeliges T-Shirt
1 Fleece-Jacke
1 Paar Wanderschuhe 'Outdoor light'
1 Paar Birkenstock-Sandalen
1 Sonnenhut Typ 'Sombrero', schwarz
1 Kopftuch mit angenähtem Augenschirm
1 Sonnenbrille mit Etui (zum Anclipsen an den Rucksack)
1 Eßbesteck
1 Plastikteller, tief
1 Plastiktasse
2 Spülschwämme
1 Taschenlampe Typ 'Maglite AA' Nachbau
1 Kerze
1 Feuerzeug
1 Trillerpfeife
1 Skatspiel
1 Taschenmesser (Typ +)
1 Wecker, an einer Kordel zum Umhängen, gleichzeitig Uhr
1 Wäscheleine (starke Drachenschnur, etliche Meter)
1 Bauchtasche zum Umschnallen für Papiere etc.
1 Umhängegeldbeutel
1 Geldbeutel Typ Hosentasche
1 Toilettenbeutel mit
1 Rasierspiegel
1 Haarbürste
1 Naßrasierer
1 Tube Rasiercreme
1 Zahnbürste
1 Tube Zahncreme
1 Flasche Sonnenmilch (Nivea LF 16)
1 Lippenstift, LF 10
1 Seife
100 ml Neutralseife ('Outdoor allround')
1 Pinzette
1 Rolle Toilettenpapier (natürlich recycled)
2 Waschlappen
2 Handtücher
2 Taschentücher Bw
2 PET-Mehrwegflaschen 1,5l als Trinkflaschen
10 Müsliriegel Schoko
+ Reiseproviant für Hinfahrt (Salami und Brot)
mehrere Plastiktüten
Personalausweis
Führerschein
Studentenausweis
Postsparbuch + Karte
Bargeld (700 FF, 100 DM)
Kopie von Krankenversicherungspolice
Adressen für Postkarten
Fährprospekt
Bahntickets
Thomas' Kommentar zu seiner Ausrüstung: 'Mit meiner Ausrüstung lag ich ziemlich gut, ich würde sie fast genauso wieder zusammenstellen, wenn ich nochmals ginge. Auf dieser Tour war der Schlafsack (Komfortbereich bis -4°C, extrem bis -10°C) zu warm, da hätte es ein dünner Hüttenschlafsack (gegebenenfalls zusammen mit der Fleecejacke) auch getan (der wäre leichter und im warmen Zelt angenehmer gewesen). Hätten wir aber den alpineren nördlicheren Teil noch begangen, wäre der wärmere Sack vielleicht unentbehrlich gewesen. Ähnliches gilt für Regenhose und -jacke: beides habe ich nicht gebraucht, aber wenn's anders gelaufen wäre ... Heute würde ich statt Christians Spiegelreflex (1300g, für Ungeübte wie mich unpraktisch zu bedienen, sperrig) lieber meine Kompaktkamera (automatic, Zoom bis 105mm, 450g) mitnehmen. Das Taschenmesser und die Pfeife waren ebenfalls entbehrlich.'

Die ganze Fahrt (alles inklusive) hat uns pro Nase übrigens etwas über 800 DM gekostet, und wir waren nicht übermäßig verschwenderisch. Ganz so billig ist Korsika also nicht.






Anhang II - Adressen





Hier eine Auflistung aller Adressen in Sachen Korsika, die mir vorliegen. Ich habe KEINE EINZIGE davon ausprobiert; sie stammen aus Reiseführern und Prospekten.

Infos zur Bahnfahrt in Frankreich gibt's hier:

SNCF, Rüsterstr. 2, D 60325 Frankfurt/Main
SNCF, 31 Effingerstr., CH 3001 Bern
SNCF, Opernring 1, A 1010 Wien

Und über Korsika selbst erfährt man näheres von:

Französisches Fremdenverkehrsamt
Westendstraße 47
D 60325 Frankfurt/Main
Tel. 069 756083-0

(Auskunftei in Düsseldorf: Berliner Allee 26, Tel. 0211 803750)

Französisches Fremdenverkehrsamt
Landstraßer Hauptstr. 2
A 1030 Wien
Tel. 0222 757062

Französisches Fremdenverkehrsamt
2, Rue Thalberg
CH 1201 Genf
Tel. 022 328610

Tickets der SNCM gibt es außer in etlichen Reisebüros und vor Ort auch noch von:

Karl Geuther & Co., Heinrichstr. 9, D 60327 Frankfurt/Main Ouboter Travel, Pelikanplatz 15, CH 8022 Zürich Universal Reisen, Schubertring 9, A 1015 Wien

Wer sich ab Itailen einschiffen will, erkundigt sich bei (Navarma):

Seetours International, Seilerstr. 23, D 60313 Frankfurt/Main, Tel. 069 1333-260

Oder bei (Corsica Ferries):

Corsica und Sardinia Ferries, Georgenstr. 38, D 80799 München

Oder (Corsica Maritima):

Seepassagen und Touristik Agentur, Postfach 11 18 21, D ????? Frankfurt/Main, Tel. 069 730473

Jeder größere Ort auf Korsika hat sein eigenes 'Syndicat d'Initiative', an das man schreiben kann. Wer also konkret was über einzelne Orte wissen will, schreibt (am besten in Französisch) gleich dort hin. Die Postleitzahl kriegt man auf dem Postamt raus!

Informationen über den Parc Naturel Régional de la Corse (PNRC) und seine Hütten gibt es von daselbst:

Parc Naturel Régional de la Corse (PNRC)
B.P. 417
20184 Ajaccio Cedex
France - Corse
Tel. (von Deutschland aus) 00 33 - 95 21 56 54


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