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Korsika: Eine Rucksackwanderung (Deutsch) - Travelogue

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Submitted by: Christian Blum United States
Website: Not Available
Submission Date: 10 February 2005

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Bastia hat eine funktionierende Infrastruktur mit vielen Geschäften, Telefonzellen an jeder Ecke und sogar zwei Supermärkten in der Innenstadt, was es als Ausgangspunkt für Touren ins Landesinnere empfiehlt.

Einige Zeit verbringen wir auch am Alten Hafen, wo wir im Schatten liegen (es ist Mittag, und da hält man auf Korsika 'Siesta', denn es ist sowieso alles geschlossen und viel zu heiß, um etwas zu unternehmen) und zeitweise die Füße ins Wasser baumeln lassen. Am Place St. Nicolas setzen wir uns in ein Straßencafé; eine Flasche Mineralwasser (900ml, mit 3 Gläsern) kostet uns stolze 30 FF, ist dafür aber das erste kühle Getränk seit zwei Tagen.

Wir gehen zum Busbahnhof, das heißt zur Rechtsabbiegespur gegenüber dem Postamt. Die Fahrkarten gibt's auch gleich dort; die Fahrt nach Favone (an der Ostküste, nördlich von Porto Veccio) kostet 90 FF und findet in einem nagelneuen Kässbohrer-Bus statt. Der Fahrer startet Autoradio und Motor (in der Reihenfolge), und nach einigen Minuten Fahrt passiert es, die zwei Monitore treten in Akton: vor unseren Augen und unseren Ohren (und das nicht zu knapp) quietschen Reifen und fliegen die Autos samt Fetzen und Kugeln. Innerhalb von 10 Minuten hat es schon ein halbes Dutzend Leute gekostet. Der Streifen, der uns da die Busfahrt-Romantik zerstört, heißt 'L'Opération Corned Beef', ein Film mit deutschem Bösewicht, erkennbar an seinen Gedichten.

Während der Fahrt sieht man auf der rechten Seite die Berge (beziehungsweise die küstennahen flachen Hügelchen; die im Landesinnern sind doch noch etwas höher), mit Macchia bewachsen. Links sieht man während der ganzen Fahrt Badestrand, und immer wieder Badestrand. Wer nach Korsika will zum Baden und Braten, der fährt am besten zur Ostküste.

Irgendwann hat der Fahrer ein Einsehen. Er stellt zunächst den Ton leiser, irgendwann ganz ab, und dann ist es mit dem Buskino ganz vorbei; wer jetzt wissen will, wie es weitergeht, muß halt in die Videothek.

An einem Bistro legen wir 10 Minuten Fahrpause ein. Als ich den Bus kurz verlasse, merke ich, daß die Klimaanlage des Reisebusses fantastisch funktioniert: die Hitze trifft einen wie ein Hammerschlag, man meint, gegen eine Wand zu laufen. Draußen stehen Fahrgäste und befriedigen sich selbst pulmonal; um nichts in der Welt würde ich die kühle Luft im Bus gegen heißen Rauch aus Kippen tauschen.

Plötzlich muß unser Bus merklich bremsen, weil ein Auto sich aus einer Einfahrt zu weit vorwagt. Unser Fahrer umfährt das Hindernis, steigt aus und redet dem Autofahrer mal gründlich ins Gewissen.

In Favone angekommen, gehen wir zum Campingplatz, wo wir nach einigem Suchen einen freien Platz auftreiben. Wir 'latzen' uns (wenn man bei einer 4-5-Portionen Miracòli-Packung für 3 Leute davon überhaupt sprechen kann) - die erste warme Mahlzeit seit zwei Tagen. Danach köpfen wir eine Flasche Wein (Muscat Doux - ein korsischer Weißwein mit immerhin 15 vol %), der so schmeckt wie irischer Whiskey - und auch so zuschlägt. Der Geschmack ist etwas streng, aber man gewöhnt sich dran, und dann läuft er runter wie Öl (30 FF die 750ml-Flasche).

Um 21.00 ist es dunkel, was vor allem daran liegt, daß wir uns hier doch schon etwas näher am Äquator befinden, wo die Dämmerung naturgemäß kürzer ist. Dennoch, Hygiene muß sein. Wir tappen zum Sanitärblock, wo ich auf diesem staubigen Campingplatz doch tatsächlich einen Laubfrosch und einen Gelbrandkäfer, ein Tier, das nicht laufen, sondern nur schwimmen kann! Wie auch immer der dort hingekommen sein mag...

Nachts mache ich kaum ein Auge zu. Am Anfang ist es so heiß, daß ich es nicht mal im T-Shirt aushalte, geschweige denn im Schlafsack. Bis 02.00 kühlt es dann aber soweit ab, daß ich mich in den offenen Schlafsack legen kann, und irgendwann so gegen 03.00 muß ich dann doch eingeschlafen sein.



3. Tag

Zuerst die Routine: aufstehen, duschen, rasieren, Zelt abbauen und alles verstauen. Das Frühstück besteht aus Müsli-Riegeln. Wir tappen nach Favone, wo Thomas einen Laden findet und mit stolzgeschwellter Brust mit Baguette (für Nicht-Franzosen: ein dünnes, stabförmiges Weißbrot) und ein paar Würstchen zurückkommt. Zu den Würstchen gibt es nur zu sagen, daß sie vermutlich immer noch in der Mülltonne am Strand liegen.

Um 09.10 machen wir uns zu Fuß auf den Weg nach Conca, Richtung Landesinneres. Wir schaffen den etwa 9 km langen Weg in 1h 40 min (im Velbinger steht 3-4h in Gegenrichtung). Wir sind jetzt auf 250 m und halten Siesta vor dem Garagenladen, in dem wir 9 (in Worten: neun) Liter Flüssigkeit eingekauft und gleich 6 (in Worten: sechs) Liter davon abgepumpt haben. Das ist auch dringend nötig, denn wir sind wirklich durch eine Gluthölle gegangen: so gut wie kein Schatten, und die Sonne ist wirklich unbarmherzig. Markus fällt dazu sofort die Reklame für ein Getränk ein...

Uns kamen auf dem Weg eine Menge fröhlicher Rucksackler entgegen - die haben's hinter sich.

Während wir da so liegen oder sitzen, kommt eine kleine, schwarze Katze vorbei. Sie ist sehr zutraulich, reibt sich an meinem Bein und läßt sich auch streicheln. Thomas hält ihr zunächst einen seiner Schuhe unter die Nase, was sie dadurch quittiert, daß sie sich angewiedert abdreht, aber als er ihr einen meiner Schuhe hinhält, ergreift sie die Flucht. Ich kann's gut verstehen.

Gegen 14.00 brechen wir auf und nehmen die erste Etappe des GR 20 in Angriff. Die Angabe im Velbinger (4-5h in Gegenrichtung) hat uns dazu ermutigt; wenn diese Zeitangabe so bemessen ist wie die für den Weg zwischen Conca und Favone, sollten wir das locker schaffen.

Nach wenigen hundert Metern finden wir einen Brunnen, der reichlich das liefert, was wir (für bares Geld und nicht billig) eingekauft haben und jetzt bereits 100Hm nach oben geschafft haben: Trinkwasser. Wir befeuchten unsere Käppis, und unterdessen kommt uns ein Franzose entgegen, der uns erzählt, er sei etwa sieben Stunden von Col de Bavella aus unterwegs gewesen, und die Paliri-Hütte (unser Etappenziel) habe er vor etwa fünf Stunden verlassen. Der Kerl sieht recht fit aus, und zum ersten Mal kommt uns der Gedanke, daß wir den Weg bis Paliri heute vielleicht nicht mehr schaffen; wir gehen trotzdem weiter, denn Zeit haben wir bei der Anreise schon genug vertrödelt.

Der Weg ist hart: wenig Schatten, fast nur bergauf. Gegen 16.30 erreichen wir eine Kaskade von kleinen Badegumpen, und mich kann nichts, aber auch gar nichts davon abhalten, eine Runde in einer davon zu schwimmen. Nach einer Viertelstunde FKK-Bad in recht kaltem Wasser fühle ich mich erfrischt; Markus läßt sich nicht davon abhalten, diesen erhabenen Moment des erfrischt aus der Gumpe Steigens auf Zelluloid zu bannen.

Gegen 17.00 gehen wir weiter. Wir kommen allerdings nicht weit: wie auf Kommando fangen bei mir beide Knie an, Amok zu laufen; die sie haltenden Muskeln krampfen, und auch Massieren mit Spolera schafft nur vorübergehende Abhilfe. Nach einigem hin und her gehen wir (bzw. schleppe ich mich) zu den Gumpen zurück. Davor befindet sich nämlich eine ebene Sandfläche, die sich vorzüglich zum Campieren eignet (was auch eine Reihe von Schildern mit Inhalten wie 'Camping Bivouac Feux Interdits' etc. nicht ändern kann). Schon beim Baden hatte ich allerdings festgestellt, daß das Wasser etwas moderig schmeckt; nach etwas Erholung steige ich (natürlich ohne Gepäck) entlang der Gumpen den kleinen Wasserfall (insgesamt vielleicht 50 Hm) hoch und stelle fest, warum dem so ist: bevor das Wasser seinen Weg über den Wasserfall und die Gumpen nimmt, läuft es mit wenig Gefälle (und deshalb langsam) durch einige Wasserlöcher, die unverkennbar (was Nase und Augen im Einklang feststellen) Wildschweinen zum Suhlen dienen!

Dennoch, abgekocht ist das Wasser in Ordnung und schmeckt auch recht gut. Thomas und Markus nehmen auch noch ein Bad, und diesmal bin ich derjenige, der fotografiert. Rache muß sein. Wir verdrücken eine Ladung Reis (Schwimmen macht hungrig), und ich koche noch etwa 3 Liter Wasser für den nächsten Tag ab. Das Zelt ist schnell aufgebaut, meine Hüftkuhle (die in der letzten Nacht definitiv gefehlt hat) ist schnell gewühlt, und müde von den ungewohnten Strapazen des heutigen Tages schlafen wir schnell ein.



4. Tag

Kaum beginnt es hell zu werden (06.00), stehen wir auf, essen ein Häppchen, packen unsere Siebensachen und gehen gegen 07.00 los. Schon recht bald merken wir, daß wir Glück (sic!) gehabt haben, daß ich gestern nicht mehr weiterkonnte, denn wir hätten den Weg niemals bis zum Einbruch der Dunkelheit geschafft, und zum Übernachten ist kein Platz, den wir noch finden, besser geeignet als der mit den Verbotsschildern. Außerdem ist das Laufen in der Kühle des Morgens wesentlich angenehmer als in der Mittagshitze des Vortags.

Dennoch ist der Weg sehr hart: wir steigen von 550m (Gumpen) auf etwa 1100m, wieder ab auf 900m (steil!) und dann auf 1060m (Paliri-Hütte), und als wir gegen 12.00 dort ankommen, bin ich ein Wrack. Das Wasser hat gerade so eben gereicht, um den ärgsten Durst zu stillen. Unterwegs gab es zwar eine gekennzeichnete Quelle, doch war diese leider schon dem fortgeschrittenen Sommer erlegen.

Obwohl ich in den letzen 48h (gemessen am Energieverbrauch) nur wenig gegessen habe und vor Erschöpfung fast umfalle, kann ich nichts essen; der Versuch, mir einen Schokoriegel einzuverleiben, scheitert kläglich.

Wir kommen dann also doch irgendwie zur Paliri-Hütte, wo schon circa 15 Personen rumlungern. Ich lasse meinen Rucksack fallen, schnappe mir meinen Trinkbecher samt einer Wasserflasche und falle 50m den Weg zur Quelle hinunter, wo ich mich erstmal darunterlege und mich vollaufen lasse. Ca. 2l verleibe ich mir sofort ein und etwa 1l in Schlucken von etwa 100ml innerhalb von Minuten. Gut, daß es bei dieser Hütte (wie bei allen, die wir noch besuchen) Wasser reichlich und in guter Qualität gibt.

Aus meinem Quasi-Koma erwacht, sehe ich, daß es bei dieser Refuge sogar Klo und Dusche, ja elektrisches Licht (Solarzellen und Akkus) gibt!

Richtig wieder zu Kräften komme ich allerdings erst wieder, nachdem ich mich über Instant-Tee, Instant-Tee mit Milch und konzentrierten Instant-Tee mit Milch bis zu drei Tellern Spargelcremesuppe vorgekämpft habe; der Magen mußte buchstäblich an die Nahrungsaufnahme gewöhnt werden. Das alles klingt vielleicht sehr dramatisch; sicher war die Situation nicht gefährlich, aber doch recht unangenehm.

Diese Roßkur nehmen die Verdauungsorgane denn auch nach kurzer Zeit übel und quittieren sie mit Dünnschiß. Die aufgesuchte Toilette hat mich (für den Ort, an dem wir hier sind) angenehm überrascht: Typ Französisch (also ein Loch im Boden), mit allerdings defekter Wasserspülung, einem Wasserhahn und einem roten Plastikeimer. Die Gebrauchsanleitung hängt an der Tür, aber man kommt auch leicht selber drauf.

Zu der Sitzgruppe, auf der wir uns kurz nach unserer Ankunft niedergelassen haben, kommt der Gardien (Hüttenwart) und fragt, ob wir eine Kuh gesehen haben. Haben wir nicht. Aber hier gibt es sehr viele sehr muntere Eidechsen, die die Tageshitze offenkundig besser vertragen als wir. Wir vertreiben uns die Zeit mit Schlafen, Schreiben (ich) und Skatspielen, und gegen Abend gehen Markus und ich duschen. Es handelt sich um einen Bretterverhau mit einem Schlauch, und zusammen mit dem eiskalten Wasser, das da rauskommt, ist das eine wirklich urige Sache.

Erst jetzt merke ich, daß meine Edelstahl-Tasse Rost angesetzt hat.

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