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Korsika: Eine Rucksackwanderung (Deutsch) - Travelogue
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Submitted by: Christian BlumUnited States
Website: Not Available
Submission Date: 10 February 2005

PAGE - 7 - Add your travelogue


Wer aus England kommt und 240 V-Geräte hat, kann diese problemlos verwenden. Vorsicht bei Rasierern für 60 Hz! Nicht nur, daß diese von der Spannung her meist nicht passen, auch die Frequenz macht Probleme, da die meisten Elektrorasierer nur bei Nennfrequenz arbeiten können. Nicht so allerdings Akkurasierer, denn die haben einen Gleichstrom-Motor und können mit so ziemlich allem aufgeladen werden.

Auf Hütten (Refuges) gibt es in aller Regel keinen Strom. Die Hütten haben zwar Solarpanels und Akkus, aber die 'Bordspannung' beträgt 24 V und ist nicht zugänglich. Wer also wandert, sollte sich naß rasieren und den Haarfön daheimlassen, denn den braucht man auf Korsika sowieso nicht.

Wer einen Fernseher mitnimmt, sollte darauf achten, daß das Teil die französische Secam-Norm verdauen kann. Das ist nicht die gleiche Norm, wie sie in Osteuropa oft verwendet wird! Für Rundfunk werden die weltweit gebräuchlichen Modulationsarten und Bänder benutzt, also UKW von 88-108 MHz in FM und Mittelwelle von 520 bis 1620 kHz in AM. Außerdem kommt vom Festland her noch alles Mögliche auf Kurz- und Langwelle (beides AM) rein.

An Batterien kriegt man auf Korsika alles zu kaufen, was man auch sonst in Europa findet. Wer ein Hörgerät hat oder spezielle Batterien für den Fotoapparat braucht, sollte sich allerdings Ersatzbatterien einpacken, das spart Ärger.



Die eigentliche Reise

Unsere Reise beginnt am 10. August 1993. Weil das eigentlich noch kein 'richtiger' Reisetag ist, numeriere ich ihn in guter Computertradition mit Null

. Alle Zahlen im Stil von 12.34 sind Uhrzeiten in MESZ (Mitteleuropäischer Sommerzeit), die in allen Ländern gilt, durch die wir auf unserer Fahrt kommen, alle Preise sind, wenn nicht anders angegeben, pro Person zu verstehen.

Die Abkürzung Hm hinter Zahlen bedeutet Höhenmeter.



0. Tag

Thomas' Bruder sammelt uns, die wir über einige Kilometer verstreut wohnen, mit dem Auto ein und fährt uns zum Saarbrücker Bahnhof, wo wir um 19.18 einen D-Zug der SNCF (Societé Nationale des Chemins de fer Français) besteigen. Die Tickets haben wir bereits zwei Tage vorher bei einem authorisierten Reisebüro erworben; die Bahnfahrt von Saarbrücken nach Marseille kostet uns pro Person 183 DM hin und zurück. Wir haben drei Abteilplätze reserviert, was sich im Nachhinein allerdings als unnötig erweist, denn die betreffenden Kurswagen (sowas gibt es bei der SNCF noch) sind nur schwach besetzt, und wir haben unser Abteil auf der ganzen Fahrt für uns allein.

Um Marseille nicht zu verpassen, stellt Thomas den Wecker seiner an einer Kordel hängenden Stoppuhr. Als vorsichtiger Mensch macht er zuerst einen Testlauf, und stellt dabei fest, daß unser einziger Wecker - nicht geht. In der Annahme, daß wir richtig schlafen könnten, schreibt er einen Zettel für den Schaffner, den er an die Tür pinnt. Im Nachhinein gesehen ein sinnloses Unterfangen, denn unsere Karten hat er schon gesehen, und zwischen Nancy (so 22.00) und Marseille hält der Zug nicht, also geht der Schaffner auch nicht durch die Wagen.

Mit drei Leuten in einem Sechserabteil zu schlafen, erweist sich als nicht ganz so einfach, denn die Sitze sind in zwei gegenüberliegenden Reihen zu je dreien angeordnet. Thomas' und mein Versuch, eine solche Dreierreihe als Liegefläche zu teilen, breche ich irgendwann ab und lege mich mit der Isomatte auf den Fußboden. Viel schlafen ist dort aber nicht, denn ohne Polster kriegt man jede noch so kleine Erschütterung ab, und hart ist es auch noch.

Der Zug fährt vor allem auf dem ersten Teil der Strecke eher langsam und macht viele Halts auch außerhalb von Bahnhöfen. Man kann die Fenster des vollklimatisierten Abteils nicht öffnen, und so kann ich nicht sehen, warum diese Halts gemacht werden. Allerdings habe ich mehrmals rote Signale gesehen und vermute daher, daß bei der SNCF genau wie bei der Deutschen Bundesbahn (DB) so, daß nachts Güterzüge Vorrang haben. Möglicherweise wird der Zug auch auf offener Strecke zusammengestellt, denn auch aus anderen Rchtungen kommen Kurswagen mit anderen Zügen, die in Richtung Marseille-Nizza (Nice) fahren. Die Aufenthalte sind schon recht nervig; zum Beispiel stehen wir von 20.20 bis 21.10. Ab Nancy fährt der Zug dann bis Marseille durch (also nur noch Halte außerhalb von Bahnhöfen), wo er dann um 05.15 mit sieben Minuten Verspätung ankommt, aber das gehört schon zum



1. Tag

Was macht man in Marseille um 05.15 in der Frühe, wenn es sogar noch dunkel ist? Nun, wir sortieren in unserem Gepäck herum, verteilen dies neu und verstauen das neu, stellen fest, daß niemand ein Wörterbuch dabei hat, und nachdem so die erste Viertelstunde rum ist, gehen wir zum Alten Hafen (Vieux Port). Dort liegt eine Menge von Yachten, und wir können auch beobachten, wie Fischer Vorbereitungen für den allmorgentlichen Verkauf von allem möglichen treffen, was einmal geschwommen ist.

So gegen 08.00 machen wir den Fährhafen ausfindig, von dem aus unsrere Korsikafähre um 21.00 gehen wird. Thomas und ich radebrechen mit einer Frau am Informationsschalter der Fährgesellschaft SNCM Ferryterranée (Societé Nationale Maritime Corse Méditerranée), die selbstverständlich nur Französisch spricht, mit dem Ergebnis, daß wir unsere Rucksäcke als Handgepäck mit an Bord nehmen können und daß unsere Fähre an der Mole J1 anlegen wird. Sie sagt uns auch, wo wir die Karten herkriegen, aber so ganz verstehen wir das nicht.

Während sich Thomas und Markus auf die Suche nach dem Verkaufsschalter für die Tickets machen, lasse ich meine Blicke durch die Wartehalle schweifen. Beim Lesen eines Hinweisschildes lerne ich, daß es im Französischen nicht nur 'verboten' (interdit) und 'streng verboten' (strictement interdit), sondern auch noch 'genaugenommen schon verboten, aber weil Du es bist und heute so schönes Wetter ist' (formellement interdit) gibt. Genauso halten es die Franzosen auch mit ihrem neuerdings geltenden Rauchverbot an öffentlichen Orten. Zu sagen, daß sie es schlicht ignorieren, wäre zu wenig; man kann fast sagen, daß sie es tolerieren, daß jemand versucht hat, ihnen die Gauloise zu vermiesen, ohne daß sie gleich wie wild um sich schlagen. Man hat schon den Eindruck, daß es eine 'jetzt gerade'-Mentalität ist, die sie dazu bringt, vor der Nase von Aufsichtsbeamten die Feuerzeuge aufblitzen zu lassen.

Ich habe gerade meine Sozialstudien beendet, als Markus und Thomas wieder auftauchen. Sie haben die Tickets außerhalb des Gebäudes auf der anderen Straße im Büro der SNCM gekauft; die Fahrt kostet uns drei insgesamt 1257 FF. Die billigsten Kabinen waren schon weg; das heißt aber nicht, daß man die nächsthöhere Kategorie zum gleichen Preis bekommt, das heißt schlicht, daß man Pech gehabt hat.

Weil es wohl kaum angebracht ist, in einem zugequalmten Warteraum stundenlang rumzusitzen, machen wir uns auf die Socken. Schließlich sind wir in Marseille, wo noch niemand von uns war, und zu sehen gibt es in dieser Stadt für einen Tag allemal genug. So 6-8 km kommen dabei schon zustande, bis wir gegen 20.00 zum Fährhafen zurückkehren. Unser Gepäck tragen wir dabei mit uns rum, denn Schließfächer kosten ordentlich Geld, und sie sehen nicht sehr vertrauenerweckend aus. Währenddessen hat Thomas noch die gute Idee in die Tat umgesetzt, ein kleines Wörterbuch (Dictionnaire) zu erwerben. Aus Langeweile packe ich noch den kleinen Schraubenzieher aus, den ich für die Bügel meiner Brille mitgenommen habe, und schaffe es damit, den Wecker zu flicken (war bloß eine Kontaktfeder verbogen).

Um 20.10 schiffen wir uns dann ein. Das heißt, wir versuchen es. Leider haben wir vergessen (bzw. es nicht geschnallt), unsere Tickets an einem anderen Schalter mit Bordkarten zu vertauschen. Wir holen das nach und stellen uns von neuem an.

Auf der Bordkarte ist für jeden Kabinenpassagier ein eigener vierstelliger Zahlencode vermerkt, der seine Kabinentür öffnet; scheinbar registriert ein Computer genau, wer wann welche Kabinentür geöffnet hat, was mir auch sinnvoll scheint, denn mitunter teilt man eine solche Kabine mit wildfremden Menschen und hat sein ganzes Gepäck drin.

Wir haben eine Viererkabine für uns allein. Sie enthält einen Schrank mit kratzigen Wolldecken und zwei Leitern zu den zwei Etagenbetten, und - Luxus! - ein Waschbecken. Dieses Waschbecken ist der Unterschied zur niedrigsten Kategorie und kostet uns etwa 20 FF. Niemand von uns nimmt die kratzigen Wolldecken - wir bevorzugen unsere Schlafsäcke. Vorher machen wir aber noch unsere Runde durch das Schiff und halten uns während dem Ablegen mit bloß 20 Minuten Verspätung an Deck auf.

Wie von den Franzosen nicht anders zu erwarten, sind alle Hinweise und Ansagen (Ausnahme: Rettungstafeln frz./engl.) ausschließlich in französischer Sprache gehalten. Aber das raubt mir nicht den Schlaf.



2. Tag

Um 06.30 werden wir wach; die Schiffsbesatzung weckt mit Dudelmusik. Nachdem wir das teuer bezahlte Waschbecken recht ausführlich genutzt haben und unser Gepäck wieder auf unseren Buckeln ruht, gehen wir an Deck. Die Ostküste von Cap Corse ist steuerbord zu sehen, und nach einiger Zeit kommt Bastia, die Hauptstadt des Distrikts 'Haute Corse', des nördlichen Korsika, in Sicht. Wir laufen gegen 07.50 mit genau der Verspätung ein, mit der wir auch abgefahren sind.

Bastia ist mit etwa 50.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Korsikas. Vom ganzen Ambiente her ist diese Stadt eher italienisch als korsisch, nicht nur von der Architektur her, auch die Betriebsamkeit ist für die Insel untypisch.

Wenn man mit dem Schiff anlegt, landet man gleich am großen Place St. Nicolas, eine große Freifläche mit Bäumen, Bänken, Denkmal und was so dazugehört. Hier gibt es auch gleich die Informationen vom Syndicat d'Initiative, das ist das, was man in englischsprachigen Ländern mit 'Tourist Information' bezeichnet. Wir holen uns dort einen Busfahrplan, dem wir entnehmen, daß unser Bus die Ostküste entlang schon um 08.30 geht. Wir beschließen, auf den um 16.00 zu warten, und besorgen zuerst mal ein Frühstück, das wir natürlich auf selbigem Platz im Schatten einer Palme einnehmen. Danach bummeln wir über den Boulevard Paoli, die Lebensader Bastias, wo wir uns Wanderkarten besorgen. Wir besuchen den Justizpalast, die Kirche Ste. Marie (sehenswert, aber schwer zu finden), die Zitadelle (der Bereich, der nichts kostet).

Wenn man durch die Altstadt Bastias läuft, verliert die Stadt viel von dem putzigen Aussehen, das sie vom Schiff aus hat. Kaum ein Haus hat intakten Putz, dafür hängen an den Außenwänden jede Menge Kabel und Rohre. Auch der Verkehr kann sich mit jeder Festlandsstadt messen; kein Wunder, denn auf 10 Korsen kommen 7 Autos, und die anderen haben Mopeds und Roller. Wenn dann noch die Touristen mit ihren Benzinkutschen einfallen, wird's halt etwas eng auf den Straßen.

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