Eigentlich wäre jetzt die heutige Etappe schon beendet, aber wir hängen noch eine dran, die etwa 15km lang ist und sich bis auf drei kleinere Stellen (Anstiege) wirklich gut geht. Es gibt zwischendurch einen Bach, der in der Nähe einer Hängebrücke (allmählich werden die Brücken interessanter weil größer und höher) zum Fußbad einlädt, was wir in Anbetracht der Tatsache, daß gerade Siesta-Zeit ist, auch annehmen. Allerdings ist das Wasser so kalt, daß man die Füße nicht allzu lange im Wasser lassen kann, wenn man am gleichen Tag noch darauf angewiesen ist.
Mit Wasser ist diese Etappe überhaupt gut ausgestattet; man braucht nicht mehr als einen Liter pro Person zu schleppen, denn bevor der alle ist, findet man neues.
(Auf der Karte) Kurz vor unserem Etappenziel geht es dann erstaunlicherweise sehr viel mehr bergan, als man aus der Karte herausliest. Wir landen nach anstrengenden etwa 150Hm bei einer Bergerie, auf der allerdings nichts verkauft wird. Immerhin gibt's gutes Wasser in rauhen Mengen, und es tut schon gut, da den Kopf drunterzuhalten und den Mund dabei aufzumachen.
Nach kurzer Rast schaffen wir uns weiter bis Capanelle, eine Ski-Lift-Basisstation mit einigen Bergerie-Häusern, einem 'Hotel' mit Laden und Matratzenlager sowie zwei klitzekleinen Refuges und einigen recht mäßigen Möglichkeiten, Zelte aufzubauen, kombiniert mit einer Straße. Wir ergänzen im recht gut sortierten kleinen Laden (aber kein Spiritus!) unsere Vorräte so weit, wie wir sie für heute abend brauchen, unter anderem zwei Dosen, die laut Etikett ein Gemisch aus weißen Bohnen, Würstchen und Salamischeiben enthalten. Allerdings schmeckt das Zeug dermaßen scheußlich, daß Nachfolgern davon wirklich nur abgeraten werden kann. Markus und ich schnappen noch ein paar Pastis (das ist das billigste Getränk in der Kneipe, ein 45-prozentiger Anisschnaps, den man 1:5 mit Eiswasser verdünnt trinkt), bevor wir uns aufs Ohr hauen. Klar doch, daß in der Kneipe die Radio-Gruppe sitzt. Das Einschlafen wird allerdings sabotiert von einem extrem lauten Mofa, dem geschwätzigen Wirt, der vor der Tür in nur einer halben Stunde einen Gast verabschiedet und seiner Schwäche für Pferdezucht, die einen Hund und seinen Sohn längere Zeit damit beschäftigt, die Viecher zusammenzutreiben und zusammenzuhalten. Außerdem läuft bis in die halbe Nacht hinein ein Dieselaggregat für diejenigen im Hotel, die unbedingt noch pinkeln gehen müssen und dabei im Dunkeln nicht zurechtkommen, denn ans Stromnetz sind die hier nicht angeschlossen.
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Als wir am Morgen aufwachen, finden wir um unser Zelt herum starke Spuren von Schweineaktivität, aber unsere Ausrüstung habe sie verschont (da war eh nichts für sie drin). Ein Pferd steht da und hält den Verkehr auf; ich überzeuge es davon, das woanders zu tun.
Für das Frühstück und den nächsten Tag kaufen wir im Laden ein, allerdings nicht viel, denn heute ist für uns die letzte Etappe angesagt. Wir haben beschlossen, in Vizzavona auszusteigen, weil wir erstens für unsere erste längere Bergtour eigentlich genug haben und weil wir zweitens den Rest unserer knapp bemessenen Zeit lieber damit zubringen wollen, noch etwas anderes als das Landesinnere zu sehen.
Die heutige Etappe ist sehr angenehm und überhaupt nicht anstrengend, außerdem gibt es reichlich Wasser. Mit kleinen Ausnahmen geht es nur bergab. Wir kommen durch viele Gebiete, in denen die alljährliche Plage Waldbrand gewütet hat, und als wir und nachmittags Vizzavona nähern, rieche ich es deutlich: Feuer. Man kann es auch sehen, wenn man in den Himmel guckt: das ist nicht der normale Gipfeldunst, denn der ist nicht gelb-grau. Durch meine Feststellung beunruhigt, ziehen Markus und Thomas im Schritt deutlich an, und ich schließe mich, so gut ich mit meinen etwas lädierten Füßen kann, dem Tempo an.
Vizzavona erreichen wir gegen 14.45, allerdings nicht, indem wir der Ausschilderung oder unserer Karte folgen. Diese leiten einen um den ganzen Ort herum, und mein untrüglicher Ortssinn (*Eigenlob*) führt uns schnurstracks aus dem Wald zum Bahnhof.
Vizzavona ist ein fürchterlich verschlafenes Nest mitten im Nichts. Hier gibt es zwar 'Hotels', aber nur Verkaufswagen mit lachhaftem Sortiment, und noch dazu teuer. Wir lösen am Bahnhof gleich unsere Tickets nach Corte (23 FF), der Zug fährt um 15.48. Beim Warten auf dem Bahnsteig treffen wir mit einer Menge Deutscher zusammen; später lernen wir sechs davon noch näher kennen. Wir erfahren von ihnen, daß es zwei Täler weiter brennt; für uns hat also keine Gefahr bestanden.
Eine Fahrt mit der transkorsischen Eisenbahn ist ein Erlebnis besonderer Art. Es handelt sich um eine Schmalspurbahn mit etwa 1m Spurweite, auf der recht moderne, aber auch recht alte Dieseltriebwagen fahren. Die Spurweite genau anzugeben, macht allerdings keinen Sinn, denn sie ist überall anders... die Gleise sind nämlich in einem wirklich miesen Zustand. Betrieben wird diese Bahn von der CFC (Chemins de Fer de la Corse). Für die vielleicht 30km nach Corte braucht die Bahn etwa eine Stunde; ich habe keinen Sitzplatz und muß mich gut festhalten, um nicht quer durch den Zug zu fliegen. Gepäck in die Gepäcknetze über den Sitzen zu legen, ist sinnlos. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es auf dem Boden liegt, also legt man es lieber gleich dorthin.
Die Strecke windet sich durch enge, stark überhöhte Kurven, geht durch viele unglaublich knapp bemessene Tunnel und erklimmt beachtliche Steigungen. Während der Fahrt kann ich einen Waldbrand beobachten, dem wir, wie wir bald sehen werden, noch recht nahe kommen.In Corte am Bahnhof rufe ich zuhause an. Ich kann mir denken, daß in den Nachrichtensendungen zuhause wegen dem Sommerloch die alljährlichen Waldbrände überall in der Welt gezeigt werden und will meine Eltern (und die der anderen) beruhigen. Tatsächlich war am Abend vorher mal wieder was zu sehen, und mein Anruf kam gerade zur rechten Zeit. Ich sage ihnen aber lieber nicht, daß ich aus meiner Telefonzelle heraus einen prima Blick auf einen Waldbrand habe, der bei Corte einen Berghang verwüstet und über dem sich die Löschflugzeuge und die Beobachtungshelikopter gerade in die Quere kommen.
Corte ist DAS Zentrum Inner-Korsikas und heimliche kulturelle Hauptstadt der Insel. Nicht, daß es mit seinen 5000 Einwohnern besonders groß wäre, nein, aber immerhin hat diese Stadt sogar eine eigene Universität! Außerdem war Corte von 1755 bis 1769 Hauptstadt Korsikas. Die Hauptattraktion der Stadt ist die mittelalterliche Zitadelle, die einzige im Landesinnern von Korsika. Corte ist ganz und gar auf den Tourismus eingerichtet: es gibt viele Übernachtungsmöglichkeiten, viele Banken und Campingplätze.
Wir traben vom Bahnhof aus in die Innenstadt, wo wir erst einmal unsere Vorräte ergänzen, denn irgend etwas müssen wir heute abend schließlich essen, und es soll ganz bestimmt kein Reis werden. Stattdessen wird es Tortellini mit Gemüsesoße und geriebenem Käse geben. Es tut gut, zur Abwechselung mal wieder größere Mengen Flüssigkeit mit inhärentem Geschmack zu trinken.
Von Rucksackkollegen kriegen wir den Tip, einen ruhigen, abgelegenen Campingplatz hinter der Zitadelle aufzusuchen. Wir teilen unser Wissen mit einer Gruppe von vier Mädchen und zwei Jungen, die wir am Place Paoli treffen und die wir schon vom Bahnhof in Vizzavona kennen. Sie kommen aus Franken irgendwo zwischen Heilbronn und Schwäbisch Hall, und schließen sich uns gleich an. Der Campingplatz 'A la Ferme U Tavignanu' hält, was uns davon versprochen wurde: nichts außergewöhnliches, aber nicht teuer, schön ruhig, gute Plätze, gute Sanitäranlagen, viel Schatten.
Wir sind noch nicht lange da, als wir feststellen müssen, wie klein doch die Welt (mal wieder) ist: auf dem Platz gibt es doch tatsächlich nicht bloß Saarländer, nein, sie müssen auch noch ausgerechnet aus Landsweiler, bloß zwei Kilometer von meinem Zuhause entfernt, kommen! Ich kenne sie allerdings nicht, und wir lernen sie auch nicht richtig kennen, denn meinem (allerdings sehr oberflächlichen) Eindruck nach handelt sich um ziemliche Tranfunzeln, die immer entweder ungelegen (zum Essen) oder zu spät (zum Schlafengehen) kommen.
Den ganzen Abend über beobachte ich, wie die Löschflugzeuge vom Typ Canadair tief über unsere Köpfe hinweg das Feuer anfliegen. Nachts fliegen die Kisten nicht, dazu fehlt ihnen die technische Ausstattung. Bis zum Einbruch der Dunkelheit ist das Feuer jedenfalls noch nicht gelöscht, denn über dem Bergrücken, der die direkte Sicht vom Campingplatz aus versperrt, sieht man ein fahles Licht, und da es genau im Norden liegt, ist es nicht der Mond.
Wir sitzen den ganzen Abend mit den Franken zusammen. Sie haben eine Gitarre und zwei gleiche Liederbücher mitgebracht. Wir unterhalten uns über die beiden GR 20-Teile (sie sind den nördlichen Teil gegangen), und zwei von ihnen und Markus machen von der Gitarre reichlich Gebrauch, während die anderen dazu singen (und natürlich singen wir viiiiel besser als die Blagen!). Gegen Mitternacht (natürlich haben wir nicht so lange gesungen) beschließen wir den lustigen Abend und lassen uns von weit entferntem, polyphonem, ja fast schon a capella-haftem Gekläffe und Gejaule eines Dutzends Köter zwiebeln. Allerdings nicht lange, denn wir schlafen sehr schnell ein.
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Weil heute Sonntag ist, schlafen wir aus, vor 08.30 steht keiner auf, und vor 13.00 kommen wir vom Campingplatz auch nicht weg. Es gibt einiges zu tun, insbesondere muß etliches mal wieder gewaschen werden, und heute ist Materialpflege angesetzt.
Danach machen wir Corte unsicher. Die Zitadelle ist mit ihrem hoch emporragenden 'Adlernest', sozusagen eine kleine Festung in der Festung), ein Ort, den man alleine schon wegen der Aussicht auf Corte einfach besuchen muß.
Nahe bei der Festung treiben wir nach unserem Rundgang einen Laden auf, der auf Sonntag Getränke in großen Flaschen und sogar gekühlt zu anständigen Preisen verkauft, und das ist gut so, denn wenn wir unseren momentanen Durst in Gasthäusern stillen müßten, wären wir um einiges ärmer.
Wir fragen am Bahnhof, ob man uns Auskunft geben kann über Abfahrtszeiten in Nizza und Marseille - man kann nicht. Von Computern keine Spur, nicht einmal ein armseliges Kursbuch! Man ruft für uns auch nicht extra in Nizza an, denn ein Anruf auf das französische Festland ist fast so teuer wie ein Auslandsgespräch. Das Syndicat d'Initiative (TI) besteht nur aus dem Eintrittskartenverkäufer an der Zitadelle - wir fragen erst gar nicht. Ein Anruf auf dem französischen Festland ist fast so teuer wie einer in Deutschland, und so beschließen wir, unsere Leute zuhause dafür einzuspannen. Ein erster Anruf fordert die Auskünfte an, und ein zweiter eine halbe Stunde später liefert uns die gewünschten Informationen. Ohne dieses Wissen können wir die Fährverbindungen nicht so auswählen, daß wir nirgends außerhalb eines Verkehrsmittels über Nacht bleiben müssen. Warum das am zwölften Tag schon aktuell ist? Weil Markus schon recht bald nach Hause will, denn er muß sich noch auf einige Prüfungen vorbereiten und möchte auf Nummer Sicher gehen.
Um 16.30 sind wir wieder auf dem Campingplatz und nehmen unser Mittagessen (Ravioli) ausnahmsweise mal nicht kurz vor dem Schlafengehen ein. Dabei und danach lernen wir eine Jura-Studentin aus Frankfurt/Main kennen, die in Heidelberg studiert und sich zur Zeit allein auf Korsika rumtreibt. Ihre Mutter ist Griechin, und dementsprechend war sie schon oft in Griechenland und ist auch sonst schon viel in der Welt rumgekommen; sie hat also einiges zu erzählen.
Zusammen mit ihr und Thomas gehe ich zum naheliegenden Tavignanu-Fluß schwimmen (allerdings ist ihr dann das Wasser zu kalt, um mit mehr als den Füßen reinzugehen), was sich als eine sehr angenehme Erfrischung erweist. Danach legen Thomas und ich (Schwimmen macht eben hungrig) noch einen zweiten Gang (bestehend aus einer Suppe und einer Dose Mais) ein.
Heute abend ist unser Kreis auf zehn Personen angewachsen; die Franken sind auch noch da, sie fahren morgen nachmittag nach Ile Rousse weiter. Gesungen wird jedoch nicht, dafür Tee getrunken und geredet, bis sich einzelne nach und nach verziehen und sich die in den umliegenden Zelten liegenden Leute genug beschwert haben.
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Wir stehen zeitig auf, denn wir wollen, bevor wir um 09.34 mit dem Zug nach Calvi fahren, noch eine Bank besuchen, und haben dazu ein hübsches Stück zu laufen. Ich löse einen Scheck ein; dann müssen wir aber schon recht schnell zum Zug gehen, den wir gerade noch erreichen. Die Fahrt kostet 69 FF und geht über Ponte Leccia, wo wir mit einer halben Stunde Wartezeit umsteigen müssen. In einer Epicerie decken wir uns mit Frühstück und Getränken ein, denn die Fahrt ist lang und unsere Mägen fast leer.
Kurz nach 10.30 kommt dann unser Anschlußzug; es handelt sich um ein etwas älteres Modell: wir fahren mit offenen Türen und verstehen vor lauter Fahrtlärm unser eigenes Wort nicht. Den Zug begleitet ein Schaffner, den man am treffendsten mit dem Wort 'Berufshektiker' beschreiben kann. Er rennt bei jedem Halt um den Zug herum, obwohl es nichts zu rennen gibt, er redet viel, wo es nichts zu reden gibt, und er fuchtelt herum, wo es nichts zu fuchteln gibt. Insbesondere schafft er es, jeden aussteigenden Passagier persönlich zu interviewen, ob er/sie auch sein/ihr Gepäck schon hat, und jedem einsteigenden Passagier weist er den (seiner Meinung nach) richtigen Wagen zu. Mit einem Korsen bin ich einer Meinung, es handelt sich bei diesem Schaffner um ein Unikat und sicher nicht um einen echten Korsen, denn kein Korse würde sich in der Hitze so hektisch verhalten.
Die Fahrt dauert insgesamt etwa drei Stunden. Wir kommen durch das Gebiet bei Novella, von dem vor zwei Tagen in den Zeitungen zu lesen stand, daß dort über 1000ha Wald gebrannt haben, und es sieht dort auch wirklich furchtbar aus. Wer das gesehen hat und immer noch brennende Zigaretten wegwirft, dem spreche ich jeden Charakter ab.
Bis L'Ile Rousse (Hafenstadt im Norden) schlängelt sich der Zug durchs Gebirge und durch Tunnel, aber ab dann fährt er nur noch direkt am Strand entlang, nur durch wenige Meter Sand vom Meer getrennt. Wer seinen Urlaub am Strand mit möglichst nahem Campingplatz verbringen will, der sollte das irgendwo zwischen Calvi und L'Ile Rousse tun: einfach an einer der zahlreichen Stationen aus dem Zug aussteigen, man kann nichts verkehrt machen.
Obwohl uns die Hitze quält und das Meer lockt, halten wir tapfer durch bis Calvi und sehen uns nach unserer Ankunft erst mal die Stadt an. Calvi liegt an der Küste auf einem Sporn und hat etwa 3700 Einwohner, beherbergt aber in der Saison bis zu 30000 Touristen. Es ist eine lebhafte und voll auf den Tourismus ausgerichtete Stadt, aber irgendwie wirkt das doch nicht aufdringlich, sogar der Verkehr hält sich einigermaßen in Grenzen.
Calvi hat einen großen Yachthafen und einen sehr großen Ortsstrand, an dem man vielen sportlichen Aktivitäten nachgehen kann. Die eigentliche Altstadt liegt im Wahrzeichen Calvis, und das ist wieder mal eine Zitadelle. Bloß ist diese hier so groß, daß sie wirklich ein eigener Ort ist, mit Fremdenlegions-Kaserne, der Kirche St. Jean-Baptiste, Geschäften und etlichen Wohnhäusern.
An der Zitadelle wird gegessen, danach lockt der Strand, doch auf dem Weg dorthin decken wir uns in einem Supermarkt noch mit Essen und Trinken ein. Der Strand ist flach, mit sehr feinem weißen Sand und genügend Platz für jedes Handtuch. Ich bin nicht zu halten und gehe gleich ins Wasser - und erlebe gleich einige Enttäuschungen. Man muß schon 200m weit gehen, um überhaupt schwimmen zu können (denn das Ufer ist seeeeehr flach), und das Wasser ist so warm wie im Hallenbad am Warmbadetag; von einer Erfrischung kann man kaum reden. Markus kriegt die Wassertemperatur raus: 27°C, die Luft ist kaum wärmer (30°C), dafür ist es aber unglaublich schwül.
Wir liegen noch eine Zeitlang faul rum (und schwitzen dabei!), dann machen wir uns auf die Suche nach einem Campingplatz. Der erste, der uns über den Weg läuft (bzw. wir ihm), heißt 'Camping International', und weil wir keine Lust haben, noch weiterzulaufen, nehmen wir ihn. Es ist ein eingezäunter Acker, aber wir finden einen Platz, der eben genug zum Schlafen ist. Kaum ist es dunkel, dreht ein halbes Dutzend stockbesoffener Italiener in der Nachbarschaft auf und macht Zoff bis nach Mitternacht, sie grölen und versuchen zu singen, was im Absingen der ersten (und aus guten Gründen nicht mehr gesungenen) Strophe des Deutschlandlieds ('Deutschland, Deutschland, über alles') mit italienischem Touch seinen traurigen Höhepunkt findet - ich bin sprachlos, und wenn es Deutsche gewesen wären, würde ich mich schämen. Zusätzlich schlägt jemand den ganzen Abend in einiger Entfernung auf Bongos rum - wenigstens er macht dem Namen des Campingplatzes alle Ehre.
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Wir werden von einem - noch stundenlang anhaltenden - monotonen Sprechgesang in französischer Sprache (vermute ich), verquickt mit einigen Rhythmusgeräten aus einem Autoradio geweckt und wachgehalten und fragen uns, ob wir, wenn wir höflich fragen, das Singsang-Gelaber gegen zeternde Italiener eintauschen können, aber die liegen noch im Koma. Es wird geduscht, was gleich wieder zu einem garstigen Erlebnis wird, denn das warme Wasser reicht bloß für eine Minute, die Türen schließen nicht richtig (nicht daß wir uns genieren, es zieht bloß unangenehm), es gibt keine Ablagemöglichkeiten. Die anschließende Benutzung der Waschbecken ist ebenfalls fast unmöglich: die Wasserhähne sind etwa einen halben Meter über den Becken angebracht, haben wahnsinnig Druck, werden über Druckknöpfe bedient und haben eine Nachlaufzeit von weniger als einer Sekunde. Dafür hängen die Spiegel so tief, daß man sieht, ob man den Reißverschluß der Hose aufstehen hat, aber vom Gesicht sieht man nichts.
Selbst die übelsten Fährnisse können uns nicht davon abhalten, gegen 11.00 am Strand anzulangen, wo wir, ausgestattet mit kühlen Getränken, die nächsten drei Stunden zubringen.
Um 15.00 schlägt dann die Stunde des Abschieds. Markus trennt sich von uns und bleibt in Calvi, von wo aus er heute abend mit der Fähre nach Nizza (Nice) fahren wird, um von dort aus per Zug über Marseille zurück nach Saarbrücken zu kommen. Thomas und ich (und das meine ich ab jetzt mit 'wir') fahren mit einem von einem Reisebüro organisierten kleinen Bus für 35 FF nach Galéria; wir sind die einzigen Fahrgäste, und der Fahrer ist nicht angeschnallt. Außerdem fährt der Bus mit 15 Minuten Verspätung, was aber zu unserem Vorteil war, denn sonst hätten wir ihn nicht gekriegt.
Nach einer halben Stunde sind wir am Ziel unserer Träume. Galéria ist ein verschlafenes Nest mit etwa 300 Einwohnern, an der Westküste zwischen den Klippen gelegen. Auf Tourismus sind die Leute allerdings eingerichtet: es gibt Hotels, einen Campingplatz, eine Post (die auch Bank spielt), zwei Epicerien, diverse andere Läden und sogar - einen Supermarkt, der jeden Tag (auch sonntags) von 08.00 bis 20.00 geöffnet ist!
Wir gehen direkt zum Strand, es ist ein Kiesstrand, was uns aber sehr recht ist, denn feinen Sand hat man spätestens nach einem Tag überall in der Ausrüstung, und dort gehört er nicht hin, weil er keine Miete zahlt. Mit Kies gibt es dieses Problem nicht, und man geht und liegt fast genausogut darauf. Außerdem ist an Kiesstränden das Wasser klarer, weshalb Taucher solchen Stellen gerne den Vorzug geben.
Im Gegensatz zum Strand von Calvi ist es hier nicht so heiß, und das Wasser ist doch tatsächlich noch erfrischend! Man kann zwar nicht behaupten, daß wir hier am Strand die Einzigen wären, aber von Betrieb kann man nicht reden.
Wir lassen uns auf dem örtlichen 'Camping Idéal' nieder, der zwar nicht so ideal ist wie sein Name, aber zumindest die Stellflächen für Zelte sind schattig und gut. Was sich dadurch etwas ändert, daß sich ein Pärchen aus Rottweil/Deutschland neben uns einquartiert und sich den ganzen Abend lang einen Spaß daraus macht, spätestens alle paar Minuten die Welt von ihrem Glück wissen zu lassen in Form von Kreischen, Lachen und ähnlichen Lautäußerungen (muß ich deutlicher werden?). Um 01.00 wird meine Frage, ob das Ganze auch etwas leiser vonstatten gehen könnte, positiv beantwortet, gerade noch rechtzeitig, bevor ich zu frustriert werde...
Aber das Beste kommt noch. In dieser Nacht lernen wir, wo das ganze Wasser herkommt, daß wir bisher auf Korsika getrunken haben: richtig, es regnet. Und zwar gleich ordentlich, mit Blitz und Donner. Unser Zelt besteht die Regentaufe gut, aber natürlich finden wir in der Nacht wenig Schlaf. Thomas korrigiert mich gerade, er hat gut geschlafen, aber der ist auch ein Meisterschläfer, und deshalb zählt's nicht.
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Am Morgen scheint wieder die Sonne. Nach dem nächtlichen Regenguß riecht Korsika gleich ganz anders, etwa so wie Kiefernnadel-Schaumbad. Der ganze Platz ist naß, und die Luft ist so schwül, daß sich das auch den ganzen Tag nicht mehr ändert.
Wir stehen gegen 09.00 auf. Die Benutzung der (Kalt-)Duschen erweist sich als mehr abenteuerlich als ideal (oder auch 'international'); die sicherste Methode ist, möglichst wenig mit hinein zu nehmen, was nicht naß werden darf, den Rest an die Dachbalken hängen, dann den Druckknopf mit dem Fuß zu bedienen (sonst kommt man nicht rechtzeitig weg und kriegt die kalte Ladung voll ab) und sich neben den Strahl zu stellen (dann trifft einen genau die richtige Menge Wasser). Daß die Toiletten vom französischen 'Loch-im-Boden'-Typ sind, ist ja nicht weiter schlimm, aber stinken müßten sie nicht unbedingt.
Hier heute im T-Shirt rumzulaufen, ist ein Ding der Unmöglichkeit, denn dazu ist es viel zu schwül. Man kann die Luft wirklich mit dem Messer schneiden. Wir verbringen den Tag mit Klippenklettern, Schwimmen und Tauchen mit einer eigens dafür von Thomas angeschafften gelb-rosa Kindertauchbrille für 15 FF. Mittags tröpfelt es noch ein wenig, aber es reicht nicht, um davon nasser zu werden, als man durchs Schwitzen eh schon ist. Der Regen hat auch keineswegs für Abkühlung gesorgt, denn das kann Wasser ja nur, wenn es auch verdunstet, und hier hat es nur deshalb geregnet, weil es für das viele Wasser absolut keine Möglichkeit gab, in der gesättigten Luft zu bleiben.
Und weil wir heute so viel produktives geleistet haben, werden wir mit einem ruhigen Abend und einer noch ruhigeren Nacht belohnt.
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Bevor wir zum Bus gehen, um wieder nach Calvi zurückzufahren, suchen wir noch die örtliche, in einem Hinterhof gelegene Metzgerei auf. Hier im ländlichen Gebiet gibt es die korsische Charcuterie in guter Qualität zu vernünftigen Preisen, und zwei Würste sollen uns als Mitbringsel für die Lieben zuhause dienen. Die Salami ist so beschaffen, daß wir uns um die Haltbarkeit keine Sorgen machen müssen: sie hängt im Laden an der Decke und ist also einiges gewöhnt. Hier schreiben die Leute aus dem Ort noch beim Metzger an; nur die Touristen zahlen in bar. Thomas hebt auf der örtlichen Post noch etwas Geld von seinem Postsparbuch ab.
Punkt 10.00 kommt unser Bus, und ein anderer, wieder nicht angeschnallter Fahrer bringt uns - vor jeder Kurve hupend - nach Calvi, wo wir die in unserem bisherigen Programm noch fehlende Zitadellenbesichtigung nachholen und diverse Besorgungen erledigen. Dabei kaufe ich mir ein T-Shirt (angeblich XL, sitzt aber wie M, und dabei mag ich XXL, weil's so schön luftig ist), weil ich auf der Heimfahrt gerne was anziehen will, was nicht nach Büffel riecht (99 FF, wirklich schön, meine Schwester wird's mir sicher abknöpfen), und Thomas kauft eine Limonade mit Minzgeschmack, und diese entpuppt sich als die erste Flüssigkeit in diesem Urlaub, die niemand trinken will. So wie niemand gerne den Mundinhalt nach dem Zähneputzen statt ihn auszuspucken runterschluckt.
Um 14.35 geht unser Zug nach L'Ile Rousse, und wir haben tatsächlich das Glück, wieder auf unseren Lieblingsschaffner zu treffen und können das Schauspiel wieder genießen. Während der Fahrt bekommen wir wieder eine Lehrstunde in 'Wie stecke ich mit möglichst geringem Aufwand Korsika in Brand?': Eine Gruppe von Italienern qualmt (entgegen der neuen Doktrin, die Rauchen in Nahverkehrsmitteln ganz verbietet, was aber niemanden wirklich interessiert) und wirft die noch brennenden Kippen in trockendes Gestrüpp. Keiner schert sich drum.
In L'Ile Rousse angekommen, beschließen wir, uns erst einmal um unsere Fährtickets zu bemühen, denn wir wollen morgen früh mit der Fähre nach Nizza (Nice) übersetzen. Dazu laufen wir etwa einen Kilometer zum Kai mit den Büros der SNCM, um dort an der Hintertür einen handgeschriebenen Zettel zu finden, daß es die Tickets in einer Reiseagentur am anderen Ende der Stadt gibt! (Erinnert Dich das nicht auch an den Anhalter durch die Galaxis?) Schon übel gelaunt geht's dort hin, wo sich auch schon andere eingefunden haben, jedenfalls stehen wir gut eine halbe Stunde in der Schlange, was vor allem daran liegt, daß vor uns jemand nicht bloß Tickets kauft, sondern sich noch den (idiotensicheren) Fahrplan auseinanderschrauben läßt. Als wir endlich an der Reihe sind, werden wir auch noch abgeneppt: wir kriegen nur Tickets mit Zuschlag für Komfort-Sitze (1. Klasse) mit der Begründung, daß die anderen Plätze schon alle weg sind. Und das bei einer Überfahrt, die bei Tag stattfindet und bei der wir sowieso nach Möglichkeit die ganze Zeit an Deck sind und bei der sich sowieso jeder auf den Platz setzt, der ihm paßt! Leider fehlen uns vor Ärger und aus Mangel an Sprachkenntnissen die Worte, und wir fügen uns in unser Schicksal und zahlen die 37 FF supplément (Zuschlag) zum Fährpreis von 199 FF (für junge Leute).
L'Ile Rousse ist übrigens eine Touristenstadt mit 2500 Einwohnern und einem Verkehr, der jeder Großstadt alle Ehre machen würde. Auf unserem Weg zum Campingplatz treffen wir auf eine Kreuzung, auf der ein Polizist mit maximaler Effizienz beharrlich den Verkehr stört und dabei höchst nervenbelastend dauernd auf einer Trillerpfeife rumbläst. Zwei Kollegen knöpfen sich zwei Kids auf einem Motorroller vor, und nach dem Gesichtsausdruck zu schließen war's für sie eine teure Erfahrung. Die beiden Flics suchen sich bald neue Opfer (da sind ja noch die vielen Falschparker...), und wir gehen irgendwann aufgrund von Atemnot (in Deutschland hätte es bei solcher Luft Smogalarm gegeben) unserer Wege, die uns nach einiger Zeit zu einem guten Campingplatz namens 'Les Oliviers' führen.
Wir erklären dem Menschen am Schalter, daß er, um morgen Geld von uns zu kriegen, schon früh aufstehen muß, denn unsere Fähre geht um 08.00, und wir gehen spätestens um 06.30 los. Das veranlaßt ihn dazu, zu unserer Freude von den üblichen Gepflogenheiten mit einem hinterlegten Dokument und dem Kassieren bei der Abreise Abstand zu nehmen; wir zahlen gleich und hinterlegen nichts.
Man kann diesen Campingplatz kaum genug loben, erst recht, wenn man vom 'Camping Idéal' kommt: die sanitären Anlagen sind zahlreich, sauber und funktionell, das warme Wasser wird per Sonnenkollektor geheizt, und teurer als 'Idéal' oder 'International' ist der Platz nicht, ganz im Gegenteil, denn hier zahlen wir keine Kurtaxe.
Trotzdem, auch der beste Platz hat seine Nachteile: man kommt sich bis nach 23.00 vor wie auf dem Mittelstreifen der Autobahn. Es ist kaum zu glauben, für wieviele Menschen es lebensnotwendig ist, daß ihr fahrbarer Untersatz direkt neben ihrem Zelt die Nacht verbringt, natürlich auf ebenem, weichem Boden.
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Wir stehen früh auf, so gegen 05.15, und machen zur Abwechselung mal den Krach, wenn andere schlafen wollen. Dachten wir jedenfalls, doch um diese Zeit oder kurz danach sind hier schon eine Menge Leute auf, die auch die Fähre kriegen wollen.
Der Weg dorthin läuft sich schneller, als ich gedacht habe, und so können wir schon um 07.00 sehen, wer unsere billigeren Plätze hat: ein Rieselrudel Kids umlagert die Laderampe. Als sich die Schotten öffnen, lassen wir sich die Blase erst mal an Bord drängeln und stehen erst auf, als es nötig ist. Obwohl wir die guten Tickets haben und der Zugang zu den einzelnen Bereichen am Anfang kontrolliert wird (und uns somit ein Platz sicher wäre), gehen wir erstmal an Deck, wo ich halb auf einer Bank liegend sogar einnicke - bis der Regen kommt und uns ins Innere treibt. Wir lassen uns nach nun schwieriger Platzsuche in unsere Komfort-Sessel fallen (es sind Pullman-Chairs). Das ganze nennt sich 1. Klasse und zeichnet sich dadurch aus, daß hier und nirgendwo sonst die Kinder Nachlauf spielen und in perfekter Kakophonie durcheinanderplärren, während im Bereich der 2. Klasse, wo alle Stühle besetzt sind, die müden Rucksackler schlafen und himmlische Ruhe herrscht; ich verfluche die SNCM. Außerdem ist hier das Buffet geschlossen, wie ich nach dem vergeblichen Versuch, zu schlafen, beim Auftreiben eines anregenden Getränks leider feststellen muß, und dort, wo wir jetzt mit den billigen Karten sitzen würden, ist es geöffnet.
Ich mache mich also auf den Weg dorthin, um mir eine Tasse Tee zu holen. Doch 'thé' ist auf diesem Schiff eine unbekannte Substanz, und der 'Café au lait', der mir stattdessen in einer Plastik-Suppenschale vorgesetzt wird, schmecht einfach greulich. Dafür schmecken die Chips, die ich dazuerwerbe, nach nichts. Mit Wehmut erinnere ich mich an die schottischen Fähren im letzten Urlaub mit prima Service, prima Tee, vielen Sorten Chips, viel Ruhe und freundlichem, mehrsprachigem Personal, daß man nicht auf Französisch anreden mußte, sondern konnte. Die SNCM hat es nicht mal nötig, die Sicherheits-Durchsagen in Englisch zu wiederholen. Zwar gibt es Labertafeln in Französisch und Englisch, aber wer nicht ahnt, daß 'Brassière de Sauvetage' Rettungsweste heißen könnte, wird sie im Bedarfsfall auf diesem Schiff nicht finden, denn die Aufbewahrungsorte sind nicht mal mit Piktogrammen versehen, geschweige denn mehrsprachig beschriftet. Der miese Pott heißt übrigens 'Esterel'; meide ihn wie die Pest, wenn Du kannst.
Mit einer schlappen Dreiviertelstunde Verspätung laufen wir gegen 14.00 in Nizza (Nice) ein, wo es zu unserer Freude gerade schifft, und das nicht bloß im Hafen. Wir laufen vom Alten Hafen aus über den Promenade des Anglais, die Strandpromenade, bis zum Zentrum und gehen dann zum Gare SNCF, dem Bahnhof, wo unser Zug um 20.20 abfahren wird. Die Auskunftei ist wohlorganisiert: man zieht eine Nummer und wartet, bis man per Display zu einem Beratungsschalter gepfiffen wird. Wir haben Billets de Séjour von Marseille nach Saarbrücken, und sowohl jemand vom Bahnhof Saarbrücken als auch der Mensch vom Reisebüro haben uns gesagt, daß es möglich sei, die Tickets unter Wahrung der 25% Ermäßigung auf Nizza umzuschreiben (natürlich gegen Zahlung der Differenz). Doch die Tussi am Schalter hält es bloß für nötig, uns immerfort auf Französisch und in recht gutem Englisch zu erklären, daß, wenn man mit dem Zug von Nizza nach Marseille fahren will, weil man ab dort ein Ticket hat, man einen Fahrschein von Nizza nach Marseille lösen muß. Ich kann mich wirklich nur mit Anstrengung soweit beherrschen, ihr nicht zu sagen, daß sie es nicht mit Vollidioten zu tun hat. Aber nach drei sprachlich einwandfreien Versuchen, ihr klarzumachen, was wir von ihr wollen (Thomas' Französisch und besonders mein Englisch sollten dafür wirklich gereicht haben), und dreimal 'Non, ... bla bla bla ... Ticket de Nice à Marseille' ohne Hinweis darauf, ob man uns nun falsch informiert hat oder nicht, geben Thomas und ich entnervt auf. Immerhin, sie nimmt einen Eurocheque, ohne zu maulen. 142 FF weniger.
Abgebrannt, wie wir sind, decken wir uns in einem Billig-Supermarkt mit Baguettes und Dosenwurst ein und halten ein lukullisches Mahl auf einer Bank an Straßenrand, Bleivergiftung inklusive. Anschließend laufen wir ein paar mal quer durch Nizza, eine Stadt, in der man es durchaus ein paar Stunden aushält, essen hier was, gucken da was, und besteigen so gegen 20.15 unseren Zug. Wir sitzen exakt im gleichen Abteil im gleichen Wagen wie bei der Hinfahrt!
Zwischendurch taucht ein französisches Ehepaar auf und macht sich mit der Bemerkung, sie hätten hier Plätze reserviert (haben sie nicht) und das sei Wagen 121 (ist er nicht, es ist Wagen 112), breit, aber bald darauf verduften sie wieder. Sie haben ganz alleine herausgefunden, daß das hier kein Liegewagen und kein Schlafwagen ist; sie brabbeln die ganze Zeit was von 'waggon lits'. Ist halt doch nicht ganz so einfach mit den Kurswagen und den schwierigen Zahlen auf den Fahrscheinen. Außerdem werden niemals Abteilplätze in der Reihenfolge vergeben, in der sie die Plätze angeblich hatten; als alter Bahnhase bin ich mir da sicher. Abgesehen von dem kleinen Störfall haben wir die ganze Nacht das Abteil für uns allein, das heißt, für jeden eine Ruhebank bestehend aus drei Sitzen. Dementsprechend gut schlafen wir bis auf zwei Störungen um 23.30 und 05.00: richtig, Fahrkartenkontrolle.
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Eigentlich ist es kein richtiger Tag mehr: um 09.07 treffen wir mit nur drei Minuten Verspätung in Saarbrücken ein, wo wir nach einem Anruf zuhause von meinem Vater abgeholt werden.
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Anhang I - Unsere Ausrüstung
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Ich versuche hier, einmal detailliert aufzulisten, was sich in meinem Rucksack alles befand. Dabei führe ich nicht nur persönliche Ausrüstung auf; vergleiche das Kapitel 'Ausrüstung'. Alles ist _INKLUSIVE_ der Kleidung, die ich bei der Abreise am Leib trug.
1 Rucksack Jansport Spire 60l
1 Schlafsack Daune, leicht, kleines Packmaß und nur etwas
zu warm
1 Isoliermatte (55x185 cm)
1 Stoffhose von einem alten Trainingsanzug
1 lange Kunstfaserhose mit Innenmaterial Baumwolle
1 Kunstfaserjacke mit Baumwolleinsatz (zusammen ein
Trainingsanzug)
1 Schwimmshorts (als solche aber nie benutzt)
1 Badehose
4 T-Shirts
4 Unterhosen
1 Paar Sportsocken
2 Paar Strümpfe Bw
1 Paar Wanderschuhe, eher robustes aber nicht zu schweres
Modell
1 Paar Sandalen
1 Sonnenhut, weißer Stoff
1 Brille samt Etui und Putztuch (ich bin Brillenträger)
1 Eßbesteck (Feldbesteck Bw)
1 Plastikteller, tief
1 Edelstahltasse (hat nichts getaugt, besser Plastik)
1 Taschenlampe 'Maglite AA' samt Batterien (3 Sätze,
zuviel)
2 Feuerzeuge
1 Trangia Sturmkocher Alu, groß, mit 2 Töpfen,
Deckel/Pfanne und Kessel
1 Klappmesser, groß, scharf und schwer
1 Rolle Klopapier
1 Toilettenbeutel mit
1 Zahnbürste
1 Kamm
1 Seife
1 Pinzette
1 Naßrasierer samt Ersatzklingen
1 Rasierspiegel
6 Wattestäbchen
1 Satz Ohrenstöpsel Typ E.A.R
1 Nagelschere
1 Schraubenzieher für Brillenbügelschrauben
2 Insektenschutzmittel, Autan und eine 'Keule' aus
Schottland
1 Sonnenmilch (Nivea LF 12)
1 paar Streichhölzer (wasserdicht verp., keine Reibfl.
erf.)
5 alkoholgetränkte Brillenputztücher
1 Lippenstift, LF 4
(was scheinbar fehlt, ist Gemeinschaftsausrüstung,
siehe Thomas)
1 Waschlappen
1 Handtuch (wer geht schon ohne?)
1 Geschirrtuch
2 Päckchen Papiertaschentücher
2 Sigg Trinkflaschen (je 1l)
1 Umhängegeldbeutel
1 normaler Geldbeutel
1 Buch: Tom Sharpe, Trabbel für Henry
18 (!) Schokoriegel (nicht nur ich war froh damit...)
3 Tafeln Schokolade (dito.)
diverse Fahrtverpflegung
etliche Plastiktüten
Tütenclipse
Bargeld (1050 FF)
Eurocheques samt Karte
Personalausweis
Reiseführer
Von Thomas habe ich eine exakte Auflistung seines Rucksackinhalts. Es finden sich (wie bei mir) in der Liste auch einige Dinge, die zur Gruppenausrüstung gehören.
1 Rucksack 65l von McKinley
1 (zu) warmer Schlafsack (Kunstfaser)
1 Isoliermatte (einfachstes Modell, aber gut, siehe
'Ausrüstung')
1 kurze Hose
1 Schwimmshorts
1 lange Stoffhose
1 Regenhose
1 Regenjacke
2 Paar Strümpfe, Modell Bw
2 Paar Sportsocken
3 Unterhosen
1 Bw-Unterhose als Schlafanzug
1 Unterhemd
3 T-Shirts
1 langärmeliges T-Shirt
1 Fleece-Jacke
1 Paar Wanderschuhe 'Outdoor light'
1 Paar Birkenstock-Sandalen
1 Sonnenhut Typ 'Sombrero', schwarz
1 Kopftuch mit angenähtem Augenschirm
1 Sonnenbrille mit Etui (zum Anclipsen an den Rucksack)
1 Eßbesteck
1 Plastikteller, tief
1 Plastiktasse
2 Spülschwämme
1 Taschenlampe Typ 'Maglite AA' Nachbau
1 Kerze
1 Feuerzeug
1 Trillerpfeife
1 Skatspiel
1 Taschenmesser (Typ +)
1 Wecker, an einer Kordel zum Umhängen, gleichzeitig Uhr
1 Wäscheleine (starke Drachenschnur, etliche Meter)
1 Bauchtasche zum Umschnallen für Papiere etc.
1 Umhängegeldbeutel
1 Geldbeutel Typ Hosentasche
1 Toilettenbeutel mit
1 Rasierspiegel
1 Haarbürste
1 Naßrasierer
1 Tube Rasiercreme
1 Zahnbürste
1 Tube Zahncreme
1 Flasche Sonnenmilch (Nivea LF 16)
1 Lippenstift, LF 10
1 Seife
100 ml Neutralseife ('Outdoor allround')
1 Pinzette
1 Rolle Toilettenpapier (natürlich recycled)
2 Waschlappen
2 Handtücher
2 Taschentücher Bw
2 PET-Mehrwegflaschen 1,5l als Trinkflaschen
10 Müsliriegel Schoko
+ Reiseproviant für Hinfahrt (Salami und Brot)
mehrere Plastiktüten
Personalausweis
Führerschein
Studentenausweis
Postsparbuch + Karte
Bargeld (700 FF, 100 DM)
Kopie von Krankenversicherungspolice
Adressen für Postkarten
Fährprospekt
Bahntickets
Thomas' Kommentar zu seiner Ausrüstung: 'Mit meiner Ausrüstung lag ich ziemlich gut, ich würde sie fast genauso wieder zusammenstellen, wenn ich nochmals ginge. Auf dieser Tour war der Schlafsack (Komfortbereich bis -4°C, extrem bis -10°C) zu warm, da hätte es ein dünner Hüttenschlafsack (gegebenenfalls zusammen mit der Fleecejacke) auch getan (der wäre leichter und im warmen Zelt angenehmer gewesen). Hätten wir aber den alpineren nördlicheren Teil noch begangen, wäre der wärmere Sack vielleicht unentbehrlich gewesen. Ähnliches gilt für Regenhose und -jacke: beides habe ich nicht gebraucht, aber wenn's anders gelaufen wäre ... Heute würde ich statt Christians Spiegelreflex (1300g, für Ungeübte wie mich unpraktisch zu bedienen, sperrig) lieber meine Kompaktkamera (automatic, Zoom bis 105mm, 450g) mitnehmen. Das Taschenmesser und die Pfeife waren ebenfalls entbehrlich.'
Die ganze Fahrt (alles inklusive) hat uns pro Nase übrigens etwas über 800 DM gekostet, und wir waren nicht übermäßig verschwenderisch. Ganz so billig ist Korsika also nicht.
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Hier eine Auflistung aller Adressen in Sachen Korsika, die mir vorliegen. Ich habe KEINE EINZIGE davon ausprobiert; sie stammen aus Reiseführern und Prospekten.
Infos zur Bahnfahrt in Frankreich gibt's hier:
SNCF, Rüsterstr. 2, D 60325 Frankfurt/Main
SNCF, 31 Effingerstr., CH 3001 Bern
SNCF, Opernring 1, A 1010 Wien
Und über Korsika selbst erfährt man näheres von:
Französisches Fremdenverkehrsamt
Westendstraße 47
D 60325 Frankfurt/Main
Tel. 069 756083-0
(Auskunftei in Düsseldorf: Berliner Allee 26, Tel. 0211 803750)
Französisches Fremdenverkehrsamt
Landstraßer Hauptstr. 2
A 1030 Wien
Tel. 0222 757062
Französisches Fremdenverkehrsamt
2, Rue Thalberg
CH 1201 Genf
Tel. 022 328610
Tickets der SNCM gibt es außer in etlichen Reisebüros und vor Ort auch noch von:
Karl Geuther & Co., Heinrichstr. 9, D 60327 Frankfurt/Main Ouboter Travel, Pelikanplatz 15, CH 8022 Zürich Universal Reisen, Schubertring 9, A 1015 Wien
Wer sich ab Itailen einschiffen will, erkundigt sich bei (Navarma):
Seetours International, Seilerstr. 23, D 60313 Frankfurt/Main, Tel. 069 1333-260
Oder bei (Corsica Ferries):
Corsica und Sardinia Ferries, Georgenstr. 38, D 80799 München
Oder (Corsica Maritima):
Seepassagen und Touristik Agentur, Postfach 11 18 21, D ????? Frankfurt/Main, Tel. 069 730473
Jeder größere Ort auf Korsika hat sein eigenes 'Syndicat d'Initiative', an das man schreiben kann. Wer also konkret was über einzelne Orte wissen will, schreibt (am besten in Französisch) gleich dort hin. Die Postleitzahl kriegt man auf dem Postamt raus!
Informationen über den Parc Naturel Régional de la Corse (PNRC) und seine Hütten gibt es von daselbst:
Parc Naturel Régional de la Corse (PNRC)
B.P. 417
20184 Ajaccio Cedex
France - Corse
Tel. (von Deutschland aus) 00 33 - 95 21 56 54
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Christian Blum
Co-maintainer of the student gopher
chris@phil15.uni-sb.de
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No, I'm not a student of philosophy! I study Electrical Engineering!
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